GP von Barcelona 2007

Massas Sieg legt die Nerven blank Massas Sieg legt die Nerven blank

GP von Barcelona 2007

— 14.05.2007

Souverän wie Schumi

Unter den Augen von Schumi brennt Felipe Massa ein perfektes Wochenende in den Asphalt von Barcelona. Hamilton macht das Beste draus.

Michael Schumacher vermied jeden Anflug von Parteilichkeit. Bevor die beiden Ferrari-Piloten am Samstag ins Rennen starteten, umging der Rekordweltmeister im Ruhestand die Startplätze eins und drei, wo Felipe Massa und Kimi Räikkönen parkten. Schumacher plauderte unverfänglich irgendwo dazwischen mit Teamchef Todt, am Gürtel zwei Funkgeräte, um den Hals einen Kopfhörer.

Berater, Freund oder Maskottchen?

In Kurve eins muss Alonso Hamilton und Räikkönen passieren lassen.


Nichts wird in der Formel 1 derzeit mehr gedeutet als die Rolle des Beraters beim italienischen Traditionsrennstall, und mag auch ein Schild mit Schumachers Namen am Ferrari-Kommandostand fehlen – dem "Maskottchen" (Niki Lauda) werden große Verdienste am reibungslosen Übergang in die neue Ära zugeschrieben. Das Ergebnis des Großen Preises von Spanien lässt nur einen Schluss zu: Felipe Massa, den Schumacher als "Freund" bezeichnet, hat mit seinem Sieg die Teamhierarchie zu seinen Gunsten umgekrempelt. Der Brasilianer fuhr von Start bis ins Ziel souverän als Führender wie einst Schumacher. Stallgefährte Räikkönen verlor Samstag dagegen das Qualifikationsduell gegen Massa und schied wegen einer defekten Lichtmaschine im Rennen aus. Ähnliches Pech schien der Finne voriges Jahr bei McLaren-Mercedes gepachtet zu haben.

Räikkönen droht ein Schicksal als Schattenmann

Nur bis zum 27. Mai (Monte Carlo) hat Räikkönen Zeit zum Nachdenken.


Dass Zugang Räikkönen, der rund 20 Millionen Dollar pro Jahr verdient, nach dem erfolgreichen Saisonstart in den Rang eines Schattenmanns abzurutschen droht, war so wenig zu erwarten wie die Konstellation bei McLaren-Mercedes. Lewis Hamilton, der unbekümmerte Brite, eroberte durch den zweiten Platz die Führung in der WM-Gesamtwertung. Als er aus dem Auto stieg, jubelte er wie der Sieger. Nach vier Rennen an der Spitze der höchsten Klasse des Motorsports, das hat noch kein Neuling geschafft. "Ich lebe meinen Traum", gluckste Hamilton. Auf dem Weg zum Wiegen raunte Hamilton, dessen erster Grand-Prix-Sieg nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, Massa zu: "Das nächste Mal kriege ich dich." Weltmeister Fernando Alonso musste als Drittplatzierter eine bittere Niederlage einstecken. Er stand bei der Siegerehrung unbeteiligt wie ein Statist, danach gab es Kritik vom Vorgesetzten: "Alonso hat mit seinem Manöver Pech gehabt und sein Auto beschädigt", sagte McLaren-Chef Ron Dennis: "Das Auto war schnell genug zu gewinnen, aber wir haben das Rennen aus der Hand gegeben." Lewis Hamilton bescheinigte er, "einen Superjob" gemacht zu haben.

Die Nerven liegen jetzt schon blank

Pech mit der Mutter am Muttertag: Quick Nick diesmal ohne Punkte.

Dennis spielte auf Alonsos Manöver in der ersten Kurve nach dem Start an. Er bremste später als Massa, beide Autos bogen fast gleichzeitig ab und berührten sich. Alonso auf der Außenbahn musste ins Gras ausweichen und demolierte seinen rechten Windabweiser. Er scherte als Vierter ein und vergab alle Siegchancen. "Ich dachte, ich bin vor ihm, aber er offensichtlich nicht. Es war eine riskante Situation. In 99,9 Prozent der Fälle bleiben beide Autos stehen", klagte Alonso. "Von da an wurde es kompliziert. Natürlich bin ich enttäuscht." Sportdirektor Stefano Domenicalli deutete aus dem Manöver künftige psychologische Vorteile: "Felipe hat dem Doppelweltmeister Paroli geboten, das wird ihn stärker machen." Angesichts der brisanten Situation in der Gesamtwertung liegen die Nerven der vier Titelkandidaten schon nach vier Rennen der Saison blank.

Unter den Teamkollegen geht es frostig zu

Es geht frostig zu, von Kollegialität ist wenig zu spüren unter den Teamkollegen. Alonso sah von einem Glückwunsch an den Gesamtführenden Hamilton ab, und das Mitleid Felipe Massas für den gestrandeten Räikkönen hielt sich in Grenzen: "Kimis Ausfall ist schade für die Konstrukteurswertung." Der Diplomat Schumacher wird künftig vielleicht mehr gefragt sein als der Berater Schumacher. "Ferrari geht es so gut, die brauchen mich gar nicht", hat er erkannt und dass analysiert wird, "wie viele Worte ich mit dem einen oder anderen wechsle, um Rückschlüsse auf mein Verhältnis mit demjenigen zu ziehen." Vielleicht ruft er ja noch mal Kimi Räikkönen an – so wie nach dessen Sieg beim Saisonauftakt in Melbourne.

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