Formel 1, Montreal 2008, Sieger Robert Kubica, Sauber-BMW-F1-Team

GP von Kanada 2008

— 10.06.2008

Kubica macht Träume wahr

Robert Kubica war der strahlende Gewinner in Montreal, und schon scheint Ferrari Interesse am Polen anzumelden. Während sein Teamkollege Nick Heidfeld trotz seines zweiten Platzes genervt war, wurde Lewis Hamilton verspottet.

Dieser Tage dreht sich eben doch nicht alles in der europäischen Sportpresse um Fußball. Die englische "Sunday Times" begann ihren Sportteil mit einem Galopprennen, am Montag rief die polnische "Gazeta Wyborcza" in der Formel 1 einen neuen Helden aus. "Kubica ist groß", und sprach vom "größten Erfolg des polnischen Sports in diesem Jahr". Als ob es unseren Nachbarn so leichter fiele, das 0:2 gegen Deutschland zum EM-Auftakt verschmerzen zu können. Dabei wurde dem gebürtigen Krakauer Robert Kubica (23) die Ehre zuteil, den ersten Sieg für den Rennstall des Münchner BMW-Konzerns, Lieblingsspross der deutschen Autonation, einzufahren; drei Jahre nach Übernahme des Sauber-Teams wurde der Traum der BMW-Truppe wahr. Aber eben nicht durch den Deutschen Nick Heidfeld, der für diesen Sieg prädestiniert schien. Er wurde beim Großen Preis von Kanada hinter Kubica als Zweiter abgewinkt. "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Es hat alles gepasst. Aber dass wir einen Doppelsieg einfahren würden, daran haben wir im Traum nicht gedacht", jubelte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Trotz Platz zwei schaut Quick Nick eher besorgt in seine Formel-1-Zukunft bei BMW-Sauber.

Heidfeld (31) jedoch verließ den Circuit Gilles Villeneuve mit leicht genervter Miene. Der Wahl-Schweizer war seit dem Beginn vor drei Jahren beim Aufbau des Rennstalls dabei. Doch was Kubica, der seit 2006 für BMW in der Formel 1 fährt, bereits im 29. Rennen gelang, darauf wartet Heidfeld seit nunmehr 139 Einsätzen: einen Sieg. "Ich muss auf die Situation schauen, in der ich in den letzten Rennen war", tröstete er sich. Er verlor in dieser Saison alle Duelle gegen den Teamkollegen in der Qualifikation, so auch am Samstag, da trennten ihn sechs Plätze in der Startaufstellung vom zweitplatzierten Kubica. Im Rennen pflegt Heidfeld das Manko mit gekonnten Überholmanövern redlich auszugleichen. An Kubica, der mit 42 Punkten die Führung in der Fahrerwertung übernahm vor Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) und Felipe Massa (Ferrari/beide 38 Punkte), kommt er aber nicht heran. "Es ist fantastisch mein erstes Rennen zu gewinnen", sagte Kubica. Vor einem Jahr hatte er an selber Stelle mit dem Tod gerungen. In Montreal verlor er bei über Tempo 200 die Kontrolle über seinen Wagen, überschlug sich und krachte gegen eine Mauer. Die "Salzburger Nachrichten" empfand die triumphale Rückkehr zum Unglücksort wie "ein Rennmärchen".

Der Wert von Rober Kubica ist um ein Vielfaches gestiegen

Auf der Strecke war Hamilton kaum zu schlagen. Das besorgte er in der Pitlane selbst.

Heidfeld empfand dagegen den zweiten Rang wie eine persönliche Niederlage. Der mit 28 Punkten als WM-Fünfte geführte Familienvater muss sich damit abfinden, dass er bei BMW nun auf die Rolle des Wasserträgers abonniert ist. Die Degradierung muss ihm besonders bitter aufstoßen, weil er Anfang des Jahres wesentlich höher eingestuft wurde. Er verdient mit rund neun Millionen Dollar ungefähr dreimal so viel wie Kubica und wurde mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet, während Kubica nur eine Option auf Weiterbeschäftigung im Jahr 2009 besitzt. Nun könnte das Zaudern ein Eigentor für BMW gewesen sein. Der Wert Kubicas ist um ein Vielfaches gestiegen, seit er WM-Titelanwärter ist. Ferrari buhlt dem Vernehmen nach schon um die Dienste des polnischen Aufsteigers. In einer ersten Lobrede pries Theissen seine Entdeckung: "Super, wie Robert das gemacht hat". Von Heidfeld zunächst kein Wort. Schlimmer zog sich Lewis Hamilton aus der Affäre. Er stand nach seinem anfängerhaften Boxengassen-Auffahrunfall wie ein gezauster Fahrschüler da. "Wenn du bei 300 Stundenkilometern die Kontrolle verlierst und mit jemanden kollidierst, ist das verständlich", schimpfte der leidtragende Weltmeister Kimi Räikkönen: "Aber wenn es ein Speedlimit in der Box gibt, zwei Autos warten bei Rot und du fährst einem ins Auto, ist das einfach nur dumm."

Der sonst eher stoische "Iceman" stürmte nach dem Einschlag Hamiltons in das Heck des Ferrari wutentbrannt auf den Briten zu und deutete auf die rote Ampel. Selbst in seiner Heimat wurde er nach dem "dämlichen" Fehler ("Daily Mail") verspottet: "Dummer Junge Lew", höhnte "The Sun". Selbst die angesehene "Times" titelte: "Hamilton auf Kollisionskurs zur Katastrophe." Und der "Daily Telegraph" brachte die Situation auf den Punkt: Dummer Boxenstopp-Fehler kostet Hamilton einen hohen Preis." Nico Rosberg, der sich beim kuriosen Unfall an Hamiltons Silberpfeil seinen Frontflügel zerstörte und am Ende Zehnter wurde, haderte mit seinem Rennpech. "Ich habe die rote Ampel gesehen, aber zu spät. Da war so viel drin", fluchte der deutsche Williams-Pilot. Wie Hamilton wurde er von der Rennleitung in der Startaufstellung für das nächste Rennen in Magny-Cours (22. Juni 2008) zehn Plätze nach hinten strafversetzt.

Formel-1-Fahrerwertung
Position Punkte Fahrer Team
1. 42 Robert Kubica Sauber-BMW
2. 38 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes
3. 38 Felipe Massa Ferrari
4. 35 Kimi Räikkönen Ferrari
5. 28 Nick Heidfeld Sauber-BMW
6. 15 Heikki Kovalainen McLaren-Mercedes
7. 15 Mark Webber Red Bull
8. 12 Jarno Trulli Toyota
9. 9 Fernando Alonso Renault
10. 8 Nico Rosberg Williams-Toyota
13. 5 Timo Glock Toyota
14. 5 Sebastian Vettel Toro Rosso

Autor: Robert Dunker

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