Formel 1, Monte Carlo 2008, Lewis Hamilton McLaren Mercedes

GP von Monaco 2008

— 26.05.2008

Hamilton siegte im Chaos von Monte Carlo

Lewis Hamilton hat zum ersten Mal den GP von Monaco gewonnen und damit die Ferrari-Erfolgsserie der vergangenen vier Rennen beendet. Er profitierte von der im Regen patzenden Konkurrenz.

Wie ein kleines Kind prügelte Lewis Hamilton nach der Zieldurchfahrt mit den Fäusten auf das Lenkrad seines Wagens. Er wollte zunächst gar nicht mehr aufhören, gerade so, als sei er bockig über den Verlauf seines Arbeitstages gewesen, doch die juvenile Freude war nichts anderes als Ausdruck der Erleichterung nach seinem Sieg beim Formel-1-Rennen am Sonntag (25. Mai 2008) in Monte Carlo. Denn in der von Unfällen und Drehern geprägten Hetzjagd auf der engen Piste wäre leicht auch ein anderer, weitaus schlimmerer Ausgang möglich gewesen. "Das ist der Höhepunkt meiner Rennfahrerkarriere", jubelte der Brite später. "Bis an mein Lebensende werde ich dieses Rennen nicht mehr vergessen." Die Euphorie erschien begründet. Denn mit dem Erfolg übernahm der McLaren-Mercedes-Pilot auch wieder die Führung im Gesamtklassement von Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen, der beim Chaosrennen nur Neunter geworden war. Platz zwei ging an den Polen Robert Kubica im BMW-Sauber vor Ferrari-Pilot Felipe Massa. Bester Deutscher war überraschend Sebastian Vettel, der im Toro Rosso Fünfter wurde und damit die ersten vier WM-Punkte in diesem Jahr einfuhr. "Ein sensationeller Lewis", sagte derweil Mercedes-Sportchef Norbert Haug sichtbar glücklich: "Für uns ist unser sechster Sieg hier der bisher Großartigste." vom Start weg hatte das Rennen allerdings mehr einer Lotterie denn einem sportlich fairen Wettkampf geglichen. Immer stärker werdender Regen verwandelte die Piste im Fürstentum bisweilen in eine Rutschbahn, die einige Piloten auch angesichts der zunehmend schwierigen Sichtverhältnisse nicht mehr meistern konnten. Als erster Fahrer zollte David Coulthard den Bedingungen Tribut und setzte seinen Red-Bull in die Leitplanken. Als er endlich stand, fuhr ihm auch noch der Franzose Sébastien Bourdais (Toro Rosso) ins Heck. Es waren die ersten beiden von insgesamt sechs Ausfällen an diesem denkwürdigen Nachmittag.

Auch der Sieger blieb nicht ungeschoren

Böse erwischt: In Runde 62 setzte Nico Rosberg seinen Williams frontal in die Streckenbegrenzung.

Beim Neustart nach elf von 78 Runden behielt zunächst der Trainingsschnellste Massa die Führung. Allerdings nicht lange. Zunächst musste er Kubica passieren lassen, später auch noch Hamilton. "Unsere Taktik", meinte der Brasilianer später, "ist heute nicht aufgegangen." Weitaus mehr Glück hatte dagegen Sieger Hamilton gehabt, der nach seiner Führungsübernahme das Rennen kontrollierte. Dabei hatte er zum Anfang des WM-Laufs die Leitplanken touchiert und wäre beinahe auch schon früh ein Opfer des Wetters geworden. "Erst nach dem Ausrutscher und einem Boxenstopp war ich in der Lage, Zeit gut zu machen", sagte Hamilton hinterher und lächelte glücklich. Ein Leidtragender der chaotischen Bedingungen war auch Nico Rosberg. Schon in Runde drei musste sich der von Platz sechs gestartete Wahl-Monegasse an der Box einen neuen Frontflügel abholen nachdem er sich zuvor mit Fernando Alonso angelegt hatte. In Runde 62 dann das Aus. Mit zuviel Optimismus steuerte er die Schwimmbadschikane und schlug mit seinem Williams frontal ein.

Pechvogel des Tages: Adrian Sutil

Absolut frustriert: Adrian Sutil war so nah an den Punkten, dann schoß ihn der Weltmeister ab.

Im Pech war dagegen Adrian Sutil. In seinem besten Saisonrennen war der Mann aus Gräfelfing lange seinen ersten WM-Punkten entgegengefahren, bis er vom zweimaligen Weltmeister Kimi Räikkönen "abgeschossen" wurde. Der Finne verbremste sich in Runde 70 und fuhr ins Heck des Force India von Sutil, der seinen Wagen frustriert abstellen musste. "Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte er. "Ich kann nicht glauben, dass so etwas noch passieren konnte. Das ist ein Albtraum." Räikkönen mochte hernach sein Malheur nicht schön reden, sondern zeigte sich stattdessen als fairer Sportsmann. "Ich habe auf die Bremse getreten, aber die Hinterräder haben blockiert, deswegen konnte ich nichts machen", sagte der sonst so zurückhaltende Finne. "Es tut mir unendlich leid, dass ich Adrian von der Piste geschossen habe. Ich werde zu ihm gehen und mich entschuldigen."

Was wird aus Quick Nick?

Ein völlig verkorkstes Wochenende erlebte auch Nick Heidfeld. Am Samstag schon war der Mönchengladbacher ziemlich ratlos gewesen, nachdem er das Qualifying als 13. hatte beenden müssen. Gestern dann setzten sich die persönlichen Chaostage für den 31-Jährigen fort. Am Ende wurde er nur 14. Vom Weltmeistertitel hatte er einst geträumt, nun muss er um seinen Verbleib in der Formel 1 fürchten. "Wenn er den Platz bei BMW-Sauber verliert, sind seine Chancen, Weltmeister zu werden, gleich Null. Wer will ihn dann noch nehmen?", sagte der BMW-Kenner und heutige VW-Repräsentant Hans-Joachim Stuck. Von einer Krise mochte der Gescholtene dagegen noch nicht sprechen. "Die schwierigsten Zeiten waren die, als ich im Winter nicht wusste, was nächstes Jahr passiert", sagte Heidfeld, dessen Spitzname "Quick Nick" derzeit mehr als unpassend wirkt. Immerhin räumte er ehrlich ein: "Es ist offensichtlich, dass ich im Moment nicht zurecht komme. Auf der anderen Seite wissen das Team und ich, dass ich das Fahren nicht verlernt habe." Welche Fähigkeiten Heidfeld tatsächlich besitzt, kann er in zwei Wochen beweisen. Dann steht in Montreal der nächste WM-Lauf an.

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