Formel 1 GP Ungarn 2008, Heiki Kovalainen, McLaren-Mercedes

GP von Ungarn 2008

— 04.08.2008

Geschenkter Sieg für Kovalainen

Nach einem Motorschaden am Ferrari von Felipe Massa bekam der für McLaren-Mercedes fahrende Finne Heikki Kovalainen den Sieg quasi geschenkt. Hart erkämpft war der sensationelle zweite Platz von Timo Glock für Toyota.

Ein Motorschaden am Ferrari von Felipe Massa hat für McLaren-Mercedes-Star Lewis Hamilton die WM-Führung gerettet und seinem Silberpfeil-Teamkollegen Heikki Kovalainen den ersten Formel-1-Sieg beschert. Die größte Überraschung bei der Hitzeschlacht auf dem Hungaroring gelang am Sonntag (3. August 2008) aber Toyota-Fahrer Timo Glock, der zwei Wochen nach seinem Horror-Unfall von Hockenheim als Zweiter seine Premiere auf dem Siegerpodest feierte. In einer dramatischen Schlussphase beim Großen Preis von Ungarn war Blitzstarter Massa als Führender zwei Runden vor Renn-Ende ausgefallen und hatte damit die Rückkehr an die Spitze der Fahrer-Weltmeisterschaft verpasst. Hamilton wurde nach einem Reifenplatzer nur Fünfter, geht aber nach dem elften von 18 Saisonläufen mit nun 62 Punkten als WM-Spitzenreiter in die kurze Sommerpause (drei Wochen). Weltmeister Kimi Räikkönen, der in Ungarn Dritter wurde, liegt nun fünf Zähler hinter dem Briten auf Rang zwei. Bester Deutscher bleibt Nick Heidfeld auf Platz fünf, der am Sonntag als Zehnter aber enttäuschte.

"Viva Colonia" – Die Toyota-Hymne von Budapest

Timo Glock und die Toyota-Crew feierten begeistert den Zweiten Platz.

"Das wünscht man niemandem", zeigte Hamilton Mitgefühl für den tief betrübten Massa, der in der WM jetzt acht Zähler hinter dem Briten rangiert. "Willkommen in der Welt der Sieger", rief McLaren-Teamchef Ron Dennis seinem finnischen Piloten per Funk zu. "Fantastisch, ein großer Moment. Ich hoffe, das ist der erste von vielen Siegen", sagte Kovalainen, dessen Vertrag vor dem Renn-Wochenende für die kommende Saison verlängert worden war. Noch größer war der Jubel beim in Köln beheimateten Toyota-Rennstall. Überschwänglich stimmten die Mechaniker in der Teamgarage den Karnevalsschlager "Viva Colonia" an, nachdem Glock in seinem 15. Formel-1-Rennen das beste Resultat seiner Karriere in der Königsklasse eingefahren hatte. "Ich hatte von Freitag an ein supergutes Gefühl", sagte der 26-Jährige. Völlig unbeeindruckt von seinem jüngsten Crash beim Heimrennen hatte er schon am Samstag mit Rang fünf sein bislang bestes Qualifikations-Ergebnis eingefahren. "Ich habe in der letzten Runde immer noch nicht glauben können, dass wir aufs Podium fahren", erklärte Glock.

Start-Sieger Massa – Der große Verlierer

Nach einem sensationellen Start von Massa hatte zunächst alles auf den vierten Saisonsieg des Brasilianers hingedeutet. Von Rang drei zog er schon nach wenigen Metern mühelos dem als Zweiter ins Rennen gegangenen Kovalainen davon und rauschte dann mit qualmenden Reifen in der ersten Kurve auch an Hamilton vorbei. Auf dem welligen und winkligen Berg-und-Tal-Kurs baute Massa danach einen kleinen Vorsprung auf die silbernen Verfolger auf und blieb auch nach der ersten Runde der Boxenstopps an der Spitze. Hamilton konnte keinen Boden gutmachen und musste in Runde 41 den Traum vom Hattrick nach den furiosen Erfolgen in Silverstone und Hockenheim endgültig begraben. Beim Anbremsen in einer Kurve platzte sein linker Vorderreifen. Mühsam schleppte sich der 23-Jährige zurück an die Box, kam als Neunter zurück auf die Strecke und konnte danach nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Massas Angriff auf den WM-Thron endete in der 68. Runde, als er mit rauchendem Motor ausrollte und seinen Ferrari auf der Start-Ziel-Geraden abstellen
musste.

Ernüchterung bei Sauber-BMW

Damit war auch die Aufholjagd von Titelverteidiger Räikkönen beendet. Der Champion hatte nach langem Kampf Renault-Pilot Fernando Alonso hinter sich gelassen und näherte sich auch dem verzweifelt kämpfenden Glock bedrohlich. Doch nach Massas Aus mahnte die Ferrari-Teamleitung auch Räikkönen in den finalen Umläufen zur schonenden Fahrweise. "Es sind noch einige Probleme, die wir beseitigen müssen, dann sind wir auch wieder vorn mit dabei", sagte der Finne lakonisch. Enttäuschend verlief das Wochenende für BMW-Sauber. Der Pole Robert Kubica, als Vierter gestartet, wurde Achter und hat als WM-Vierter nun 13 Punkte Rückstand auf Hamilton. Weitere acht Punkte dahinter liegt Heidfeld, der in Ungarn die Qualifikation verpatzte und nicht über Rang zehn hinauskam. "Das Rennen ist komplett an uns vorbei gelaufen", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Zum sechsten Mal nicht ins Ziel kam Sebastian Vettel. Der Toro Rosso-Pilot schied in der 24. Runde mit einem technischen Defekt aus und war danach ratlos. "Heute ist alles etwas in die Hose gegangen", klagte der 21-Jährige. Auch der Williams-Toyota-Pilot Nico Rosberg war einmal mehr chancenlos und blieb als 14. zum sechsten Mal hintereinander ohne WM-Punkte. Adrian Sutil fiel mit seinem Force India in der 66. Runde aus.

Am 24. August 2008 geht der spannende Kampf um die WM-Krone weiter. Dann startet die Königsklasse zum ersten Mal auf dem Stadtkurs von Valencia, der als GP von Europa ausgetragen wird.

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