GP2-Finale in Bahrain

Titel mit Köpfchen Titel mit Köpfchen

GP2-Finale in Bahrain

— 05.10.2005

Titel mit Köpfchen

Schlauer Fahrer, Klasse-Auto, perfektes Teamwork – das zahlt sich aus: AUTO BILD-MOTORSPORT-Pilot Nico Rosberg krönt seine GP2-Megasaison mit zwei Siegen und dem Titel.

Psycho-Training morgens um sechs

Nur einmal war Nico Rosberg (20) in Bahrain kopflos. Nach der Umarmung von Vater Keke reicht der ihm sein Handy. Am anderen Ende gratuliert Williams-Technikchef Sam Michael, der Formel-1-Ziehvater für Rosberg junior, dem neuen GP2-Champion. Der schlendert mit Pokal in der Hand und dem Handy am Ohr zum Teambereich der Gegner. Seine Mechaniker des ART-Teams rufen: "Hey Nico, falscher Weg!" Doch der bei 40 Grad auf Bahrains Wüstenrundkurs überhitzte Kopfarbeiter läßt sich nicht vom Weg abbringen, so wie in der ganzen Saison nicht.

"Ich habe mich die ganze Woche auf dieses Finale vorbereitet", erzählt Rosberg vorher. Mittwochs ging er mit Ingenieur Steeve Marcel die Strecke zu Fuß ab. Und bevor er Donnerstag morgen das erste Mal ins Auto steigt, ist der geborene Wiesbadener schon drei Stunden vorher fit. Nicht nur körperlich, sondern vor allem im Kopf. Um sechs Uhr hat er schon die ersten Übungen mit seinem Physiotherapeuten Robert Maier gemacht.

Mit Erfolg: Nico Rosberg holt in der Quali Pole-Position vor Titelkonkurrent Heikki Kovalainen und damit zwei Extra-Zähler. Ins vorletzte GP2-Rennen startet Rosberg so mit einem Fünf-Punkte-Polster. Eine Stunde vorm Start verzieht sich Rosberg in den klimatisierten Bungalow hinter den Boxen. Als Vater Keke ihn noch kurz sprechen will, fliegt er raus. "Er macht sein Ding", sagt der F1-Weltmeister von 1982 ohne Zorn, sondern mit Stolz über die Zielstrebigkeit seines Sprößlings. Klein-Nico ist 2005 richtig erwachsen geworden.

Nur noch Gedanken an die Formel 1

Und jetzt, so kurz vor der Titelentscheidung muß er in der Hitze des Gefechts kühlen Kopf bewahren. Deshalb bloß keine Störung beim Konzentrieren: mit Musik und Qigong, einem speziellen Energie-Training. Dabei wird versucht, den Fluß der Lebensenergie durch den Körper zu kontrollieren und den Willen zu stärken. Rosberg-Coach Maier ist ein Spezialist für altchinesische Therapieformen.

Noch 30 Minuten bis zum Rennbeginn in Bahrain. Nico Rosberg stapft in seinen abgewetzten Stiefeln zum Auto. Diese roten Treter trägt er schon seit Saisonbeginn und will sie partout nicht wechseln. Glücksbringer, obwohl er behauptet, nicht abergläubisch zu sein. Aus einer bloßen Fußsache wurde hier also auch eine Kopfsache.

Nach einem perfekten Start fährt Rosberg vorne weg und hängt Titelkonkurrent Kovalainen ab. "Ab Rennmitte dachte ich, da könnte etwas gehen. Drei Runden vor Schluß war ich mir sicher, ich packe es", beschreibt Rosberg die Denkspielchen seiner Siegesfahrt. "Ich bin in einen Rhythmus gekommen und förmlich weggeschwommen. Das war gefährlich, weil man dann leicht Fehler macht. Aber jetzt bin ich schon vorm letzten Rennen GP2-Champion, das kann mir keiner nehmen", sagt der ABM-Pilot mit blitzenden Augen, aber schlaffem Körper.

Tags drauf, beim letzten Lauf ist der erste Meister der 2005 gegründeten Mini-Formel-1 wieder helle: Sieg von Startplatz acht. Rosberg ist der Erste, der beide Rennen eines GP2-Events gewinnt. Und wieder mit Köpfchen: Beim Überholen Lapierres den noch mal kurz vorgelassen. Denn Rosberg hatte gelbe Flaggen (Überholverbot) zu spät gesehen, kassiert durch sein Zurückstecken aber keine Strafe. "Das war so clever", strahlt Vater Keke entzückt. Jetzt hat sein schlauer Filius nur noch eins im meisterhaften Kopf – die Formel 1.

Autor: Katrin Wolff

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