Grand Prix von Europa 2007

Grand Prix von Europa 2007 Grand Prix von Europa 2007

Grand Prix von Europa 2007

— 23.07.2007

Alonso siegt im Regen-Chaos

Der Spanier Fernando Alonso hat für McLaren-Mercedes den Großen Preis von Europa gewonnen. Ferrari kämpfte mit Problemen.

Der Nürburgring wird von den Mächtigen der Formel 1 gern auf die Schippe genommen, belächelt von manchen als verschlafenes Nest, von anderen als Inbegriff deutscher Spießigkeit. Allein Puristen und die deutschen Motorsportfans greinen darüber, dass der Ring nur noch alle zwei Jahre Bernie Ecclestones Vollgaszirkus beherbergt. Am Sonntag (22. Juli 2007) bot die beschauliche Bühne in der Vulkaneifel vorzügliche Unterhaltung, als hätte der leicht exzentrische Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino, der beim Großen Preis von Europa für seinen neuen Streifen warb, das Drehbuch für eine völlig schräge Posse geschrieben, deren Handlung mit Überlänge viel turbulenter war, als es das nüchterne Rennergebnis nach zwei Stunden und neun Minuten ausdrückt: 1. Fernando Alonso im McLaren-Mercedes, 2. Felipe Massa im Ferrari, 3. Mark Webber (Red Bull). Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sprach von einem "sensationellen Rennen", der zweimalige Weltmeister Alonso von "meinem größten Sieg".

Aber zunächst hatte die tragende Rolle der Spyker-Rennstall mit dem deutschen Colin Kolles an der Spitze. Es führte jene Mächtigen von McLaren und Ferrari vor, die mit einem dreistelligen Millionenetat eine Heerschar von Mitarbeitern beschäftigen. Das niederländische Privatteam, in dessen Motorhome es schon mal reinregnet, hatte die zuverlässigsten Wetterinformationen an diesem denkwürdigen Sonntag und schickte seinen Piloten Markus Winkelhock nach der Einführungsrunde als einzigen Fahrer mit Regenreifen ins Rennen.

Ungenaue Wetterprognosen

Während Rennställe wie Toyota eigene Meteorologen beschäftigen und BMW und McLaren über exakte Wetterdaten verfügen, machte Spyker den Praxistest. Boris Bermes, Teammanager von Winkelhocks DTM-Team, rief Spyker-Ingenieur Robert Sattler an und teilte ihm mit, dass es im wenige Kilometer entfernten Bitburg bereits regne. Die Wetterstationen der Werksteams prognostizierten erst zehn Minuten nach Rennstart Niederschlag. Die Ungenauigkeit mussten die Fahrer büßen. Just als die Startlichter erloschen, begann es zu tröpfeln, und das Chaos begann. Die Autos sammelten sich schon in der zweiten Runde, als der Regen immer heftiger prasselte, wie überdrehte Matchboxautos im Castrol-S. Im Sekundentakt kreiselten Jenson Button, Lewis Hamilton, Adrian Sutil, Nico Rosberg und Vitantonio Liuzzi von der Strecke ins Kiesbett. Hamilton hatte als einziger Glück. Weil sein Motor noch lief, durfte er weiterfahren, nachdem ihn ein Kran aus dem Kiesbett gehoben hatte.

Winkelhock erfolgreicher als sein Vater

Nur Winkelhock hielt seinen Spyker auf der Piste und lag in Runde drei in Führung – beim Rennabbruch 19 Sekunden vor Ferrari-Pilot Felipe Massa. "Ich war perplex als ich erfuhr, an welcher Stelle ich war", sagte Winkelhock, der nur nach zähen Verhandlungen das Cockpit des gefeuerten Christijan Albers erhalten hatte. "Meine Führungskilometer in der Formel 1 nimmt einem keiner mehr." Jetzt will der Schwabe auch in knapp zwei Wochen in Budapest starten. "Es gibt Hoffnung." Beim Neustart nach einer halben Stunde waren die Hierarchien ins Gegenteil verkehrt: Hinterbänkler Winkelhock auf der Pole-Position, der WM-Führende Hamilton auf dem letzten Startplatz. Winkelhock, der wackere Held für 26 Führungskilometer, musste seinen Spyker nach 14 Runden mit Motorschaden abstellen. Er ist aber jetzt schon erfolgreicher als Vater Manfred. Der 1985 tödlich verunglückte Pilot lag nie bei einem Grand Prix in Führung.

Deutsche Fahrer als Kasper

Beim Wiederbeginn um 14.35 Uhr vergab Hamilton endgültig alle Chance, als er als erster auf Trockenreifen wechselte, aber zu früh: Er driftete auf der noch feuchten Piste ins Kiesbett und verlor eine Runde. Den deutschen Akteuren fiel in dem großen Theater abwechselnd die Rolle des Kaspers zu. Erst rammte BMW-Pilot Nick Heidfeld seinen Teamkollegen Robert Kubica. Dann kollidierte Heidfeld mit Ralf Schumacher, der seinen Toyota neben der Piste abstellen musste. Dem Cockpit entstiegen, stieß Schumacher entnervt einen Streckenposten zur Seite. "Das war sehr ärgerlich, denn normalerweise ist Nick ein fairer Pilot", zürnte er. Massa zog an der Spitze ungefährdet seine Bahnen, Alonso kam nicht näher als 4,5 Sekunden heran. Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen trat nach 35 Runden mit Hydraulikdefekt ab.

Schumi blickt skeptisch. Er musste den Pokal an Ron Dennis übergeben.

Zwölf Runden vor Schluss schauten die Strategen am Kommandostand wieder besorgt gen Himmel. Renault-Teamchef Flavio Briatore konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Und tatsächlich: Sieben Runden vor Schluss goss es immer stärker. Massa und Alonso mussten die Reifen erneut wechseln. Fünf Runden vor Schluss die Entscheidung: Der heranstürmende Weltmeister überholte den Brasilianer nach einem Rad-an-Rad-Duell, war über die Gegenwehr böse: "Eine Sauerei, dass er versucht, mir in die Kiste zu fahren." Im bizarren Abschluss des Schauspiels überreichte Michael Schumacher, der eine nach ihm benannte Kurve eingeweiht hatte, den Siegerpokal mit verkniffener Miene an McLaren-Chef Ron Dennis.

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