Grand Scénic/Touran/Zafira/Mazda5

Mazda5 1.8 Comfort Mazda5 1.8 Comfort

Grand Scénic/Touran/Zafira/Mazda5

— 01.02.2006

Wer hat das beste Familienticket?

Wer Kinder hat, muß sparen. Daß es nicht immer Diesel sein müssen, zeigen die Basis-Benziner der beliebtesten Vans von Renault, VW, Opel und Mazda.

Mazda5 mit Schwächen im Grenzbereich

Sieben Euro und 75 Cent kostet die Gruppenkarte beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Damit fahren fünf Personen den ganzen Tag beliebig oft mit Bus und Bahn durch die Hansestadt. Ein gutes Angebot. Auch bei Autos gibt es einen Trend zum Sammeltarif. Immer mehr Hersteller bieten kompakte Vans, die neben Mutti und Vati auch drei Kinder plus Oma und Opa aufnehmen. Sieben Sitze auf rund viereinhalb Meter Länge sind keine Hexerei, sondern Ergebnis von gutem "Packaging". So nennen Ingenieure die geschickte Anordnung von Antrieb, Achsen und Ausstattung. Das Ziel: maximaler Platz auf minimaler Grundfläche.

Auf den ersten Blick bieten Mazda5, Opel Zafira, Renault Grand Scénic und VW Touran das gleiche: viel Raum, variables Interieur und etwas über 100 PS für rund 20.000 Euro. Doch welcher Typ ist der beste Familienbus? Für die meisten heißt die Antwort VW. 76.000 Deutsche entschieden sich 2005 für einen Touran, 80 Prozent davon für einen Diesel. Rund 7000 Abnehmer fand bisher der frische Mazda5. Ein Außenseiter, der das Zeug zum Geheimtip hätte, wenn sein Fahrwerk besser wäre.

Ziemlich praktisch: die Schiebetüren des Mazda5.

Mensch, Mazda! Trotz AUTO BILD-Kritik und geänderter Hinterachsgeometrie reagiert das Heck im Grenzbereich noch immer zu instabil. Bei plötzlichen Ausweichmanövern arbeitet der Elektronik-Schleuderschutz ESP zu zaghaft. Der Mazda stellt sich trotz ESP quer. Sicherheit fühlt sich anders an – besonders in einer Familienkutsche. Schade, schade, denn im normalen Fahrbetrieb ist der Japaner extrem handlich. Ohne Beladung komfortabel auch auf schlechten Straßen. Gut gelöst finde ich den Zugang in den Fond. Als einziger hat der Schiebetüren und erleichtert damit das Hantieren mit Kindersitzen.

An der Zapfsäule hat Opel die Nase vorn

Zwar ist der Mazda5 als Siebensitzer zugelassen, aber der schmale und harte Mittelplatz in Reihe zwei ist nur kurzstreckentauglich. Er lagert im Normalfall unter dem linken Sitzkissen und reduziert so den Innenraum auf ein 6+1-Konzept mit einzeln verschiebbaren Fondsitzen. Trotzdem macht er am wenigsten aus seiner Größe. Als Zweisitzer schluckt er 1615, als Fünfsitzer 426 Liter. Das sind 219 Liter weniger als der Zafira. Grund: Das Gestühl faltet sich nicht tief nach unten, sondern legt sich waagerecht ab. In diesem Punkt können die Japaner mal was von den Deutschen abgucken. Schadenfreude?

Lieber nicht. Denn motorisch zeigt der Mazda allen anderen, wo der Hammer hängt. Mehr Leistung verschafft ihm spürbar mehr Agilität. Leider schlägt sich das PS-Plus beim Tanken negativ nieder: Er schluckt gut einen Liter mehr als die anderen Testkandidaten. Grundsätzlich gilt für alle: Wer aus Kostengründen einen Basis-Benziner kauft, muß sich beim Fahren disziplinieren. Sonst ist der Preisvorteil futsch. Schwerer Gasfuß und hohe Drehzahlen werden mit starkem Spritkonsum bestraft. Nur frühes Hochschalten und vorausschauende Fahrweise machen die Einstiegs- auch zu Sparmodellen.

An der Zapfsäule die Nase vorn hat der Opel. Sein Twinport-Motor erzielt mit 8,3 Litern den besten Wert. Ein reiner Vernunftmotor. Schon im leeren Zustand wirkt der Zafira zäh wie Kaugummi, und vollbeladen erinnert er mich an eine Wanderdüne. Als purer Kindergarten-Zubringer ist das okay. Doch als Moutainbike-Transporter wünsche ich mir definitiv mehr Dampf unter der Haube. Das Zeug, selbst kernige Kerle zu überzeugen, hat der Opel-Van allemal. Der Faltmechanismus der Sitze sechs und sieben ist genial wie eh und je, Platzangebot und Zuladung sehr gut.

Der Grand Scénic bleibt sicher auf Kurs

Wer zu fünft unterwegs ist, kann noch 645 Liter zuladen – Bestwert. Die großen Türen öffnen extrem weit. Deshalb ist der Weg auf die Fondsitze ähnlich einfach wie im Mazda. Das ergonomisch tadellose Interieur ist hell und freundlich, die Qualität überzeugt. Zu kritisieren bleiben Kleinigkeiten wie das schwer zugängliche Verstellrad für die Rückenlehne, die magere Ausstattung und zu kleine Türablagen. Die Fahrwerkabstimmung ist straff, aber nicht zu sportlich. Für meinen Geschmack dürfte sie sogar noch softer sein; etwa so wie beim Mazda. Immerhin werden Erschütterungen gut ausgefiltert. Die Lenkung reagiert so direkt, daß in Kurven oft Korrekturen nötig werden.

Sauber dagegen arbeitet die Schaltung. Der Knauf liegt griffgünstig in Lenkradnähe, die Schaltwege sind präzise. Extra-Lob gibt es für die adaptiven Stoppleuchten. Bei Vollbremsungen im ABS-Regelbereich blitzen die roten Lichter im Intervall, warnen den nachfolgenden Verkehr. Ähnliches hat sonst nur der Grand Scénic zu bieten. Bitte nur nachmachen, wenn meilenweit keiner im Rückspiegel zu sehen ist: Wer voll aufs mittlere Pedal steigt, aktiviert ABS und Warnblinker gleichzeitig. Absolut sicher präsentiert sich das Fahrwerk. Der ESP-Eingriff ist rigoros und hält den Van immer auf Kurs.

Asphaltflicken oder Querfugen werden nur ansatzweise geschluckt und bringen viel Unruhe in den Innenraum. Der 112-PS-Motor verschafft dem Renault ordentliche Beschleunigungswerte, aber sein Durchzugsvermögen ist mäßig. Überholvorgänge dauern viel zu lange. Und runterschalten ist auch kein Spaß: Der Knauf rutscht knochig durch die Gassen. Lust am Lenken gibt es auch keine. Die Verbindung zwischen Renault-Ruder und Rädern ist etwa so gut wie die zwischen US-Präsident Bush und Kubas Kommandant Castro – schlechter geht es nicht.

Der Touran-Benziner hängt lebendig am Gas

Zumindest erleichtert die starke Servounterstützung das Rangieren in Parklücken. Nur allzu eng sollte es nicht sein. Gegenüber dem 23 Zentimeter kürzeren Normal-Scénic wirkt der große Bruder (4,49 Meter) ungelenk. Vorteil: Das wie nachträglich angesetzt wirkende Heck macht ihn zum Lastesel. 513 Liter Gepäck schluckt er, wenn die Notsitze flach liegen, 200 wenn sieben Personen unterwegs sind, und 2015 Liter maximales Stauvolumen sind Bestwert in diesem Vergleich. Ab Herbst bietet Renault den großen Scénic auch als reinen Fünfsitzer an, da die Zusatzplätze nur von wenigen Kunden genutzt werden.

Bei VW kommt der siebensitzige Touran auf einen Modellanteil von 35 Prozent. 660 Euro Aufpreis kosten die beiden Zusatzsitze und heben ihn damit preislich über den Rest. Dafür glänzt er mit der besten Komfortausstattung, unter anderem ist das Radio serienmäßig an Bord. Wer hätte das von einem VW erwartet? Mit fünf Passagieren an Bord faßt er respektable 613 Liter. Wie beim Renault läßt sich die zweite Reihe auch ausbauen. Beim Motor spart VW allerdings. Im Gegensatz zu den drei anderen Vans muß der billigste Touran mit nur einer Nockenwelle und acht Ventilen auskommen. Von praktischer Bedeutung ist das nicht.

Obwohl der Touran mit 102 PS den schwächsten Vierzylinder hat, erzielt er nach dem Mazda die besten Fahrleistungen – bei angemessenem Verbrauch. Und ist als Leichtester (Leergewicht 1490 kg) putzmunter: Er hängt lebendig am Gas und läßt sich präzise lenken. Enttäuschend ist sein Abrollkomfort. Er ist schlicht zu straff. Dennoch macht VW mit diesem Van ein reizvolles Angebot. Variabilität und Ausstattung sind top. Das beste Ticket lösen Familien bei VW. Es ist zwar etwas teurer, bietet aber den größten Gegenwert.

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Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Touran 1.6 Conceptline, Opel Zafira 1.6, Mazda5 1.8 Comfort und Renault Grand Scénic 1.6 Authentique. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jörg Maltzan

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