Große Autohändler: Pro und Kontra

Große Autohändler: Pro und Kontra

— 25.03.2011

Autokauf im Glaspalast

Es gibt dreckige Hinterhofklitschen, kleine Markenhändler – und diese riesigen, prunkvollen Glaspaläste. Aber welchem Autohändler sollte man vertrauen? Sollte man in diesen riesigen Glaspalästen wirklich ein Auto kaufen?

"Mein Motto im Auto-Glaspalast: Nur gucken, nicht kaufen",
sagt Andreas May.

Schnappatmung! Ich hab' jetzt noch Schnappatmung, wenn ich nur daran denke. Dieser Typ im Glaspalast, dieser Anzugträger, dieser ... Es ist ein Samstag, ich will meinen Mini im Prunkbau namens Niederlassung zur Inspektion abgeben, dem Verkäufer den Schlüssel in die Hand drücken. Er: "Werfen Sie ihn draußen in den Briefkasten." Ich: "Waaas?!" Er: "Der ist sicher."

Kein Stammkunde im Glaspalast

Redakteur Andreas May.

Ich: "Sie können ihn doch an sich nehmen." Er: "Nein, ich bin Verkäufer." Ich beschließe, meinen Mini zur Durchsicht zu einem kleinen Händler aufs Land zu bringen und pflege seitdem eine Abneigung gegen Glaspaläste. Sie sind steril, austauschbar, beliebig. In ihnen arbeiten schöne Menschen in schicken Anzügen, die mir genauso gut eine Riester-Rente, Parfüm oder einen offenen Immobilienfonds andrehen könnten. Ich kenne das anders. 1984, ich bin zwölf, bestelle ich mit Papa einen roten D-Kadett. Im Verkaufsraum drei Autos und vier Radios, zwei davon mit Kassetten. Der Verkäufer hat einen grauen Kittel und schwarze Fingernägel, er ist Meister, kommt gerade aus der Werkstatt. Er hat Ahnung von Autos, berät ehrlich, arbeitet seit Jahr und Tag in diesem Haus. Mein Vater ist ebenso lange Kunde. Stammkunde. Der Anzugmann aus dem Glaspalast hat seine Chance vertan, mich als Stammkunden zu gewinnen. Ich gucke da nur. Und ein Auto kaufe ich da, wo ich einen Meister mit grauem Kittel und schwarzen Fingernägeln sehe.

Redakteur Sebastian Renz.

"Kiesplätze und Hinterhofklitschen? Das brauche ich nicht mehr",
sagt Sebastian Renz.

Ich habe Autos in schlecht gelüfteten, Eiche-massiv-möblierten Wohnzimmern gekauft, in modrigen Baucontainern, bei streitenden Ehepaaren in vermüllten Küchen, auf windigen Kiesplätzen und den Hinterhöfen von Hinterhofwerkstätten. Und nein, es ist nicht charmant oder kurios, dabei auf Sofas zu sitzen, bei denen man nicht wissen will, woher die Flecken kommen, Kaffee zu trinken, der schmeckt, als sei er mit Altöl gestreckt, oder sich von einem Meister mit fettigen Fingern auf die Jacke tippen zu lassen, während er über die Vorzüge eines gammeligen Volvo 740 schwadroniert. Das alles habe ich 25-mal erlebt, und ich will es nicht mehr. Deswegen habe ich Auto Nummer 26 bei einem Vertragshändler gekauft. Einem mit glitzernder Fassade, gemoppten Böden, herausgeputzten Autos und höflichen Verkäufern, die nicht auf Duz-Kumpel machen, sondern kompetent über Garantiebedingungen informieren.

Hier ist der Kunde König

Das kann man spießig finden — oder angemessen für den Erwerb eines so teuren Konsumguts wie eines Autos. Am Ende kaufte ich dort einen gebrauchten Renault Kangoo, der zwei Tage später durchgecheckt und poliert in der Auslieferungshalle stand. Dazu gab es Blumen für die Gattin, bis heute gratuliert das Autohaus zum Geburtstag. Vielleicht wäre der Kangoo beim Hinterhofschrauber ein paar Euro günstiger gewesen. Aber dann hätte ich ihn ja dort kaufen und auf das unbezahlbare Gefühl, als Kunde seriös und zuvorkommend behandelt zu werden, verzichten müssen.

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