Große Autos für kleines Geld

Gebrauchtwagen: Große Autos für kleines Geld Gebrauchtwagen: Große Autos für kleines Geld

Große Autos für kleines Geld

— 21.06.2007

Luxus für 15.000 Euro

Einen Chefwagen kaufen – das muss nicht extrem teuer sein. Denn der Wertverlust von Luxuslimousinen ist enorm, nach sechs bis sieben Jahren liegt ihr Preis auf dem Niveau neuer Kleinwagen.

Die Verlockung ist groß: Dicke Vorstandslimousinen aus den Baujahren 1999 oder 2000 mit maximal 120.000 Kilometern auf dem Zähler gibt es schon ab 12.000 Euro. Zu einem Preis also, zu dem auch ein neuer Smart cdi oder ein VW Polo zu haben ist. Doch statt mit zwei Türen und Fensterkurbeln lockt der Luxus mit Leder und Massagesitzen. Statt drei säuseln acht Zylinder unter langen Motorhauben und verteilen ihre Kraft über sanft schaltende Fünfstufen-Automatikgetriebe. Natürlich sind solche Boliden nichts für Fahranfänger. Schon deshalb, weil etwa der Mercedes wie der Audi mit ihren Kaskoklassen am oberen Anschlag liegen. Wer es aber nach einigen Jahren unfallfreien Fahrens zu einem ansehnlichen Schadenfreiheitsrabatt gebracht hat, wird sich um die Versicherungsbeiträge weniger Sorgen machen müssen. Wohl aber über den Spritverbrauch, der auch bei sparsamer Fahrweise meist zweistellige Regionen erreicht.

Wertverlust niedrig, Ersatzteilpreise hoch

Höchst zweifelhaft: Ein Rolls-Royce für 15.000 Euro ist ein Risiko.

 Den Ausgleich schafft das Phänomen des Wertverlustes. Denn ein Neuwagen für 15.000 Euro ist nach drei Jahren noch die Hälfte wert, einer der hier gezeigten Luxusschlitten verliert aber nur noch rund 1500 Euro jährlich. Macht in der Summe 4500 Euro. Und damit 3000 gesparte Euro, die wiederum investiert werden können. Denn die Ersatzteile sind in dieser Kategorie natürlich um einiges teurer als bei Kleinwagen. Das gilt vor allem für den Rolls-Royce, den Exoten in unserer Aufstellung. Bei solchen Fahrzeugen sollte sich niemand etwas vormachen. Zu diesem Preis gibt es nur höchst zweifelhafte Exemplare. Mindestens die gleiche Summe wird noch einmal fällig, um solch ein Fahrzeug auch zu einem zuverlässigen Luxusschlitten zu machen. Und dann geht die Rechnung nicht mehr auf, dann wird der Luxus unerschwinglich. Wenn die Jahresfahrleistung deutlich über 10.000 Kilometer beträgt ebenfalls. Dann ist ein dieselnder Kompakter wohl doch die bessere Lösung.

Audi A8: die Allrad-Alternative

Mit dem ab 1994 angebotenen A8 schaffte Audi endgültig den Sprung in die Oberklasse. Die Zutaten des Erfolgsrezepts: Alu-Karosserie, Allradantrieb und außerordentlich gute Verarbeitung. An der gibt es auch nach Jahren intensiven Gebrauchs nichts auszusetzen, eher schon am Antrieb: Sensible Zahnriemen, defekte Automatikgetriebe und verschmutzte Luftmassenmesser (beim Diesel) sorgen mitunter für intensiven Werkstattkontakt. Auch die Elektrik gibt sich oft kapriziös: Scheibenwischermotoren, Kraftstoffpumpen und die Generatoren können versagen. Weitere Schwachstelle: das Fahrwerk. Defekte Spurstangen und klappernde Traggelenke kommen auch beim A8 vor, ein Rückruf erfolgte 2004. Unter dem Strich aber gehört der Audi zu den soliden Angeboten. Modell-Empfehlung Audi A8 4.2 quattroTechnische Daten Hubraum: 4172 cm³, Leistung 228 kW/310 PS, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h. Preis ab 15.000 Euro, bei Laufleistungen um 100.000 km

Wer A8 sagt, meint auch quattro und zudem meistens den 4,2-Liter-V8. Der macht dem – trotz Alu-Gehäuse 1860 Kilo schweren – Audi tüchtig Beine. Verbrauch: 15,4 Liter. Ein bis zwei Liter sparsamer ist der kaum schwächere 3,7-Liter, den es auch nur mit Vorderradantrieb gab. Allerdings war diese Variante schon neu kaum gefragt, was ihre Verbreitung stark einschränkt. Leichter findet sich ein 2.5 TDI, dessen 150 PS (110 kW) starker V6 allerdings unter zahlreichen Problemen leidet – von gerissenen Zahnriemen bis hin zu eingelaufenen Nockenwellen ist alles möglich. Also doch lieber den problemlosen, aber durstigen V8. AUTO BILD-Urteil:**** (max. fünf Sterne)

BMW 7er: der Elegante

Das einstige bayerische Flaggschiff hat heute noch seinen Reiz. Auch wenn man den Nachfolger daneben stellt. Die Technik gilt als ausgereift, größere Probleme sind im Normalfall nicht zu befürchten. Nur die Zwölfzylinder sind etwas sensibel, weshalb wir dem kräftigen 4,4-Liter-Achtzylinder (ab 1996) den Vorzug geben. Natürlich mit Automatik. Die war allerdings nicht serienmäßig, ist aber dennoch weitverbreitet. Leider geht sie auch vereinzelt kaputt, wenn die Laufleistung deutlich über 100.000 Kilometer steigt. Traggelenke und Stützlager der Vorderachse haben da bereits lange den Geist aufgegeben, zum Glück bietet der freie Teilehandel besseren Ersatz (www.meyle.com). Etwas kurzlebig auch die Batterie, sie leidet unter dem hohen Strombedarf des 7ers. Modell-Empfehlung BMW 740i. Technische Daten Hubraum: 4398 cm³, Leistung 210 kW/286 PS, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h. Preis ab 15.000 Euro, bei Laufleistungen um 100.000 km. Ab März 1996 besaß der Achtzylinder des 740i 4,4 statt 4,0 Liter Hubraum, was vor allem im Durchzug spürbar ist. Die Aufgeregtheit der Sechszylinder und des kleinen V8 im 730/735 geht ihm ab, und dem fetten Zwölfzylinder hat er den geringeren Verbrauch sowie die bessere Handlichkeit voraus. Ohnehin darf der 7er als gelungener Kompromiss gelten: annähernd so komfortabel wie der luftgefederte Mercedes, und dabei präziser zu lenken als der recht harte Audi. Was aber wirklich überrascht: Auch im Kostenkapitel schlägt der relativ sparsame 740i seine Konkurrenten deutlich. AUTO BILD-Urteil:**** (max. fünf Sterne)

Für den Vorstand: Mercedes S 500

Wer gern den Nachbarn blufft, der kommt an der gebrauchten S-Klasse kaum vorbei. Der Stern signalisiert nach wie vor Überlegenheit – allen kleinen Problemen zum Trotz. Dazu gehören die zuweilen versagende Luftfederung, defekte Schwingungsdämpfer auf der Kurbelwelle oder auch kaputte Automatikgetriebe (Baujahre 1998/99). Zudem häufen sich Beschwerden über ausgeschlagene Radführungsgelenke der Vorderachse. Größtes Problem ist jedoch die Stromversorgung, unzählige Verbraucher saugen an der Batterie, zehren an ihrer Lebensdauer. Zu den Einzelfällen dagegen gehören defekte Katalysatoren, Generatoren und deren verschlissene Antriebsriemen sowie gestörte Motorelektronik – auch bei den Dieseln. Deren Einspritzung wird zudem öfter undicht.

Modell-Empfehlung: Mercedes S 500

Technische Daten: Hubraum: 4966 cm³, Leistung 225 kW/306 PS, Höchstgeschwindigkeit 250 km/h

Preis: ab 15.000 Euro, bei Laufleistungen um 110.000 km

Im Prinzip reicht auch der 430er aus. Doch weil auf dem Gebrauchtwagenmarkt kaum ein Preisunterschied zum S 500 besteht und die Kosten ansonsten weitgehend identisch sind, empfehlen wir gleich den Großen. Mit der serienmäßigen Fünfstufenautomatik zeigt er einen kaum zu verbessernden Antriebskomfort, und das bei noch erträglichem Verbrauch. Wer es darauf anlegt und Kurzstrecken meidet, kann auch die Zehnliter-Marke unterbieten. Obwohl dies eher die Region des wunderbaren S 320 CDI ist. Doch der ist gebraucht deutlich schwieriger zu bekommen. AUTO BILD-Urteil:**** (max. fünf Sterne)

Besser als sein Ruf: Jaguar XJ

Die Marke Jaguar wird mit dem Begriff Zuverlässigkeit eher selten verbunden. Schade, denn im AUTO BILD-Kummerkasten ist er völlig unbekannt, und auch der ADAC bescheinigt dem XJ ab Baujahr 1999 sehr gutes Durchhaltevermögen. Elektrikstörungen wie defekte Scheibenwischermotoren sind ab diesem Zeitpunkt passé, und auch die anfangs zu durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen neigenden Sechszylinder zeigen sich standfest. Wir raten ohnehin zum Vierliter-V8 (ohne Kompressor), dessen komfortable Federung den Charakter des stressfreien Gleiters unterstreicht. Minuspunkt: die vergleichsweise beengten Platzverhältnisse für die Passagiere. Doch immerhin schluckt der Kofferraum 430 Liter. ESP wurde im Jaguar erst spät angeboten, es war bis zum Modellwechsel 2003 nicht verfügbar.

Preis: ab 12.000 Euro, bei Laufleistungen um 100.000 km

Traumschiff à la Japan: Der Lexus LS 400 bereitet kaum Ärger.

Der Perfekte: Lexus LS 400

Eine Überraschung zeigt der Lexus bei der Anschaffung: Keine Spur von Schnäppchen, denn die Preise liegen auf Mercedes- oder BMW-Niveau. Der Antriebskomfort kann durchaus mithalten: Die mit dem 98er Modell eingeführte Fünfstufenautomatik schaltet fast unmerklich, der Vierliter-V8 flüstert dazu. Passend: die schmusige Federung. Probleme sind selten, am häufigsten klagen die Lexus-Eigner über schnell verschlissene und rubbelnde Bremsen und den teuren Zahnriemenwechsel. Der ist nach jeweils 150.000 Kilometern fällig und kostet rund 750 Euro. Selten: Undichtigkeiten der Karosserie, meist verursacht durch verstopfte Schiebedachabläufe oder geschrumpfte Heckleuchtendichtungen.

Preis: ab 14.000 Euro, bei Laufleistungen um 120.000 km

Club-Sache: Rollie-Interessent? Dann besser erst einem Club beitreten.

Rolls-Royce Silver Spirit/Spur

Die legendärste Luxuslimousine der Welt gibt es gebraucht schon erstaunlich günstig. Wer aber glaubt, seinen sozialen Status mit einem Rollie preiswert aufpeppen zu können, ist auf dem Holzweg. Die Unterhaltskosten sind astronomisch, nicht nur wegen des Durstes der 6,8 Liter großen Achtzylinder. Dazu kommen immense Ersatzteilpreise und die latente Undichtigkeit der Motoren und Getriebe. Nicht zu vergessen die launische Elektrik und die Korrosionsneigung der aus Stahl- und Alu-Komponenten zusammengefügten Karosserie. Wer sich trotzdem für das englischste aller Automobile erwärmt, sollte am besten vorher Mitglied in einem Club werden – etwa im Rolls-Royce Enthusiasts Club (www.rrec.de).

Preis: ab 12.000 Euro, bei Laufleistungen um 100.000 km

Fazit von Hendrik Diekmann, AUTO BILD-Gebrauchtwagen-Experte

Wer gern chefmäßig unterwegs sein möchte, sollte unbedingt die Folgekosten im Auge behalten. So ein Langstrecken-Liner kostet zwar weniger als ein Golf-Jahreswagen, doch Wartung, Reparaturen und Fixkosten sind ungleich teurer. Außerdem: Der Sprit wird bestimmt nicht billiger. Punkten können die dicken Schlitten nur beim Wertverlust – den haben sie bereits hinter sich. Und das macht sie auch für Normalverdiener interessant.

Autor: Hendrik Dieckmann

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