Große Vans im Gebrauchtwagen-Test

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Große Vans im Gebrauchtwagen-Test

— 13.11.2006

Van's ein Bus sein soll

Bus oder Van – bei den Raumfahrzeugen im XXL-Format ist der Übergang fließend. Welcher taugt auch im Alter?

Viel Platz, aber auch viele Mängel

Große Klappe und viel dahinter – für den Transport von Kind, Fahrrad oder diversen Freizeitutensilien sind Maxi-Vans im Busformat ideal. Wenn es sein muss, taugen die Raumfahrzeuge auch als Schlafstätte oder bewältigen kleinere Umzüge. So vielfältig wie die Nutzungsmöglichkeiten sind auch die Risiken, die mit dem Kauf eines gebrauchten Großraumwagens einhergehen. Denn manchmal ist nicht nur das Platzangebot riesig, sondern auch die Liste typischer Mängel.

Wie beim Chrysler Grand Voyager. Angesichts der Beharrlichkeit, mit der der Ami seit Jahren die rote Laterne in der TÜV-Statistik verteidigt, erstaunt dessen Beliebtheit. Neben dem fürstlichen Platzangebot dürfte der Zuspruch in erster Linie auf das wohnliche Ambiente zurückzuführen sein. Das verleiht dem Raumriesen einen Hauch von Luxus, der ihn in angenehmer Weise von den eher kargen Konkurrenten unterscheidet. Doch der flauschige Teppich und die weichen Sitze können nicht über die bescheidene Verarbeitung hinwegtäuschen.

Typischer Gammel am Chrysler: rissige Gummis, Kantenrost.

Klappergeräusche, abfallende Kunststoffteile, schlampig gearbeitete Fugen und Kantenrost am Unterboden sind beim Chrysler an der Tagesordnung. Ebenso Elektronik-Ausfälle. Richtig teuer wird es, wenn das Automatikgetriebe den Geist aufgibt oder beim Diesel die Zylinderköpfe reißen. Darüber hinaus belasten undichte Kühler, schnell rostende Abgasanlagen, rasch verschleißende Bremsen und Antriebswellen sowie Ölverlust am Antriebsstrang die Haushaltskasse. Der TÜV bemängelt des Weiteren überdurchschnittlich oft extremes Lenkungsspiel und mangelhafte Beleuchtung.

Windiger Begleiter: Der Windstar säuft und ist unzuverlässig

Andere Probleme begleiten den Ford Windstar: Ihn gab es nur mit einem zähen und schluckfreudigen Dreiliter-Sechszylinder-Benziner. Da verbrennen bei Bleifußtouren auf der Autobahn leicht mal 20 Liter pro 100 Kilometer. Schwache Bremsen, einen lausig verarbeiteten Innenraum und eine schlechte Traktion bescheinigten wir dem US-Van schon 1996. Immer wieder erstaunlich, wie wenig Raum das über fünf Meter lange Schiff seinen Passagieren bietet. Ein Ford Galaxy ist auch nicht enger – aber einen halben Meter kürzer.

Immerhin: Die Technik des Dinosauriers ist recht haltbar. Ausnahme: der Motor. Hier kann es jenseits der 100.000 Kilometer zu Motorschäden durch Mangelschmierung kommen. Grund: eine nicht mehr fördernde Ölpumpe. Interessant wird ein Windstar allenfalls durch seinen Preis. Ab 4000 Euro kann man hier den American Way of Drive genießen.

Klare Ansage: Die V-Klasse hat den Stern nicht verdient.

Vans aus Deutschland sind auch nicht unbedingt viel besser. Zum Beispiel die Mercedes V-Klasse: Rost an allen Ecken und Enden, Motor- und Getriebeschäden, insbesondere bei den Diesel-Modellen, defekte Einspritzpumpen beim CDI, wenig standfeste Kupplungen, teilweise starker Ölverlust, leckende Wasserpumpen, versagende Lichtmaschinen, rasch verschleißende Antriebswellen. In Sachen Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit ist die V-Klasse ein Fiasko. Daran änderte sich während der gesamten Bauzeit nichts, weshalb der V-Klasse der Ruf des Totengräbers klassischer Mercedes-Tugenden anhängt. Der Gebrauchtkauf dieses Mercedes-Vans ist also ein schwer kalkulierbares Risiko. Interessenten tun gut daran, den Kastenwagen akribisch zu untersuchen. Im Zweifel: Finger weg! Schließlich gibt es ja noch den VW-Transporter der vierten Generation, kurz T4 genannt.

Ein gepflegter T4 ist meist eine solide Sache

Gesucht: Die T4-Modelle sind begehrt und dementsprechend teuer.

Der kann seine Herkunft vom Nutzfahrzeug zwar ebenso wenig verleugnen wie die V-Klasse, aber hinsichtlich Verarbeitung und Zuverlässigkeit trennen die beiden Großraumlimousinen Welten. Was allerdings nicht bedeutet, dass ein gebrauchtes T4-Modell eine total sorgenfreie Mobilität garantiert. Denn die meistverkaufte Variante mit dem 2,5-Liter-TDI ist ein Sensibelchen. Das gilt insbesondere für den Zahnriemen, der regelmäßig kontrolliert und gewechselt werden will. Hat sich der Vorbesitzer die recht teuren Wartungen gespart, droht massiver Ärger, wenn der Steuerriemen reißt.

Ein Dauerthema ist beim VW-Bus der Luftmassenmesser, der oft kaputtgeht, was sich durch eine schlechte Leistungsentfaltung und Startschwierigkeiten äußert. Häufig leckt zudem die Wasserpumpe, und Kühlwasserverlust durch lose Schellen lässt den Motor überhitzen. Weitere Probleme sind defekte Vorglühanlagen, Ölverlust am Antriebsstrang und eine bisweilen spinnende Elektrik. Pluspunkte sammelt der TDI-VW jedoch für seine gute Rostvorsorge, stabile Radaufhängungen und eine insgesamt ordentliche Verarbeitung. Ein gepflegter T4 aus privatem Vorbesitz ist daher meist eine solide Sache. Unter den großen Vans zählt er zu den Gebraucht-Offerten, bei denen man am ehesten die große Klappe riskieren kann.

Schwächen, Kosten, Daten, Urteil

Chrysler Grand Voyager 2.5 TD GS (1996–2001)

Schwachstellen Lang wie das Auto ist auch die Liste typischer Mängel des schlecht verarbeiteten Grand Voyager: Wassereinbrüche, Klappergeräusche, Rost an den Blechkanten des Unterbodens und am Auspuff, kapitale Schäden am Automatikgetriebe, eine oftmals spinnende Elektrik, ausgeschlagene Spurstangenköpfen, schlappe Batterien, defekte Lichtmaschinen, Ölverlust.

Preis ab 8500 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 2499 cm³, Leistung: 115 PS, Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h • AUTO BILD-Urteil: * (max. fünf Sterne)

Mercedes V 220 CDI (Typ 638, 1996–2003)

Kasten-Wagen: Man merkt, dass der V von einem Nutzfahrzeug abstammt.

Schwachstellen Klare Ansage: Die V-Klasse ist des Sterns nicht würdig! Denn die Verarbeitung ist bemerkenswert schlecht, und Rost blüht schon bei jungen Exemplaren an allen Ecken und Enden. Ebenfalls häufig: Motor- und Getriebeschäden, anfällige Diesel-Einspritzpumpen, durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen, Ölaustritt am Antrieb, Elektrik-Probleme, hoher Bremsenverschleiß.

Preis
ab 10.000 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 2148 cm³, Leistung: 122 PS, Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h • AUTO BILD-Urteil: * (max. fünf Sterne)

VW T4 2.5 TDI (Typ 7DC, 1996–2003)

Empfehlenswert: Alles in allem ist der VW-Bus sehr solide.

Schwachstellen Ein VW T4 ist alles in allem ein solides Fahrzeug mit sehr guter Rostvorsorge. Dennoch gibt es typische Schwächen wie reißende Zahnriemen, insbesondere bei den TDI. Auch der Luftmassenmesser sorgt oft für Ärger, ebenso leckende Wasserpumpen sowie Ölverlust an Motor und Getriebe. Ebenfalls bekannt: Risse in der Frontscheibe und Getriebeschäden nach Chiptuning.

Preis ab 14.000 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) • Technische Daten Hubraum: 2461 cm³, Leistung: 102 PS, Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h • AUTO BILD-Urteil **** (max. fünf Sterne)

Ford Windstar (Typ A3, 1995–2001)

Günstig in der Anschaffung, auf Dauer aber oft teuer: Windstar.

Schwachstellen Der Ford Windstar wird zu Dumpingpreisen gehandelt. Dennoch kann er teuer kommen, denn bei sechsstelligen Laufleistungen bereitet das Automatikgetriebe öfter Schwierigkeiten, ebenso eine defekte Motorlagerung. Bei Ausfall der Ölpumpe drohen Motorschäden. Und die Bremsen verschleißen rasch. Bescheiden: die Verarbeitungsqualität.

Preis ab 4000 Euro (bei Laufleistungen um 100.000 Kilometer) • AUTO BILD-Urteil: ** (max. fünf Sterne)

Autor: Ulrich Holzwarth

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