Großer Preis der USA

Formel 1 plagt Imageproblem

Großer Preis der USA

— 26.09.2002

Formel 1 plagt Imageproblem

Das Interesse in den USA an den Stars aus Europa lässt spürbar nach. Es herrscht Unmut über Arroganz und langweilige Rennen.

US-Fans bemänglen Arroganz der Fahrer

In den vergangenen beiden Jahren genoss die Formel 1 noch so etwas wie Exotenstatus in den USA. Die Amerikaner kamen zu den Rennen, um zu sehen, was die Europäer denn da für Autos im Großen Preis der USA fahren lassen. Aber die Neugier hat nachgelassen, in Indianapolis ist der Alltag eingekehrt. Etwas mehr als 170.000 Karten wurden noch 2001 verkauft. Diese Zahl werden die Veranstalter am Sonntag nicht erreichen. Bislang sind erst 100.000 Tickets für das Rennen am Sonntag (20 Uhr MEZ, live auf RTL und Premiere World) abgesetzt.

Die Euphorie scheint verflogen. Preise von bis zu 500 Dollar pro Karte sind nicht allein dafür verantwortlich. Den Piloten der Formel 1 fehle es an der richtigen Einstellung, lautet ein Vorwurf. Man müsse die Amerikaner schon spüren lassen, dass man an einem besonderen Ort sei: Auf der 1911 erbauten, legendären Rennstrecke nämlich, auf der die 500 Meilen von Indianapolis ausgetragen werden, mit den vier Steilkurven, von der die Formel-1-Piloten auf dem für sie umgebauten 4,076 Kilometer langen Kurs nur eine nutzen.

Die Probleme fangen deshalb schon mit der Mentalität der europäischen Fahrer an. Für die meisten Grand-Prix-Piloten wirkt die offenen Art der amerikanischen Berichterstatter und Fans befremdend. Die Europäer ließen zu oft Autogrammjäger stehen, die hinter den Zäunen auf Fahrer warteten und Autogramme wollten, sie leben abgeschottet im penibel bewachten Fahrerlager. In einem Land, in dem sogar Superstars wie Michael Jordan oder Tiger Woods meistens jeden Fotowunsch der Fans erfüllen, denen sie zufällig begegnen, gilt ein solches Verhalten als extrem arrogant.

Hat die Formel 1 eine Zukunft in den USA?

"Wir wollen in den USA Fuß fassen", hatte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vor dem ersten Rennen in Indianapolis 2000 erklärt. Dabei vergaß er aber, seinen Protagonisten entsprechende Verhaltensregeln zu liefern. Bei den Fragen der amerikanischen Berichterstatter gaben Schumacher und Co leider gewohnt ausweichende Antworten und redeten, ohne viel zu sagen.

Der sportliche Aspekt einer Weltmeisterschaft, die seit Juli entschieden ist, stößt zudem auf mäßiges Interesse. Bei den berühmten Indy 500 oder beim Nascar-Winston-Cup drängen sich dagegen eine halbe Million Zuschauer rund um den Kurs. Sie sehen sich ständig überholende Autos mit Höchstgeschwindigkeit. "Ob die Zuschauer viel Vergnügen an Formel-1-Rennen haben werden, da bin ich mir nicht so sicher", befürchtet Ex-Weltmeister und Indy-500-Gewinner Jacques Villeneuve (BAR-Honda), "sie sind Action gewöhnt, spektakuläre Überholmanöver und Gelbphasen, die das Feld wieder zusammenrücken lassen."

Die Bemühungen, das Interesse anzuheizen, treiben deshalb seltsame Blüten. So dreht Lokalmatadorin Sarah Fischer morgen einige Runden im McLaren-Mercedes und hofft durch diese Aktion, "dass die Formel 1 in den USA noch populärer wird". Tony George, der Präsident und Besitzer des Internationalen Speedway von Indianapolis, sieht in jedem Fall die Zukunft der Formel 1 in den USA als gesichert an. "Allerdings", schränkt er ein, "müssen wir hart arbeiten, um das Interesse zu steigern."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.