Großer Preis von Belgien

Großer Preis von Belgien Großer Preis von Belgien

Großer Preis von Belgien

— 28.08.2002

Vorsicht HochSPAnnung!

Der Kurs der vielen Unbekannten: Wetter, Walzen, wilde Wendungen. Die letzte freie GP-Waldbahn produziert alljährlich große Jagdszenen und turbulente Rennen.

Am Casino von Monaco, in der Becketts-Passage von Silverstone, den Esses von Suzuka – überall dort scheiden sich die Geister. Dort kommt Qualität nicht von Qual, sondern vom Herzen. Ganz besonders jedoch gilt diese Regel beim GP Belgien (1. September) in Spa, dem Ort der nächsten, unheimlichen Begegnung mit der Herausforderung. Die 6,9 Kilometer lange Strecke gilt als letzte Naturbahn im Formel-1-Kalender: 22 eigentümliche, schaurig-schöne Kurven inmitten des Ardennenwalds, teils lauernd abwärts anhängend, teils himmelsschreiend bergaufragend, machen den Großen Preis von Belgien zum Jahreshighlight für Puristen und Piloten.

Königsrennen der Königsklasse

Pannenrennen in den Ardennen: Schumi profitiert von des Gegners Pech, rollt im Schongang zum 52. GP-Erfolg.

Willkommen beim Königsrennen der Königsklasse. Wer hier siegt, wird berühmt. Wer fliegt, wird behandelt. Das Rennen von 2001 hat gezeigt, dass die größte Gefahr dieser mitleidlosen Achterbahn nicht nur von der legendären Eau-Rouge-Kurve ausgeht. Luciano Burti testete unfreiwillig die Qualität der Streckensicherung im Bereich von Blanchimont, einer schnellen Doppel-Linkskurve, per Abflug im Prost mit 180 Kilometer in der Stunde. Der Aufprallwinkel mit 45 Grad denkbar ungünstig. Es ging, auch dank vierfacher Reifenbarriere, gerade noch mal gut ...

"Noch mal gutgegangen", sagte sich auch Mika Hakkinen, nachdem er im Jahr 2000 bei der Anfahrt auf Les Combes neben Schumi und Ricardo Zonta eine neue, dritte Spur eröffnete und darauf mit Tempo 330 zum unvergessenen Triumph durchsauste.

Spa lockt den Macho im Mann

Der Spa-Kurs ist unverändert respekteinflößend. In Eau Rouge blieb Montoya 2001 als Trainingsschnellster mit 297 km/h in der Qualifikation mit dem rechten Fuß standhaft bis über alle Rutsch- und Vernunftgrenzen hinweg – 13 km/h über den Werten der Gegner. "Ich hatte keine Wahl", sagte er lapidar.

In Eau Rouge sehen und hören die Fans, die es schaffen, sich außen am Wegrand zu postieren, noch die Unterschiede beim Tanz der Titanen. Und blicken dabei oft tief in deren Nervenkostüme. Titel spielen da keine Rolle: Wenn Schumi hier lupft, senken sich die Daumen. Wenn Villeneuve – wie bereits dreimal – dort aus den Trümmern krabbelt, hebt sich die Stimmung.

Spa lockt den Macho im Mann und fordert die Maschinen mit aller Macht. 17 Sekunden Bleifuß liegen zwischen La Source und Les Combes. Und gleich zu Beginn dieser Hetze türmten sich 1998 16 Autos ineinander. Teile für sechs Millionen Dollar kullerten über die Landstraße, auf der Schumi mit fünf Siegen als König regiert. Nur Ayrton Senna (ebenfalls fünf Siege bis zum Tod 1994) hatte die oft nasse Piste genauso gut im Griff. Die Autos benötigen hohen Abtrieb für die kurvenreiche Talfahrt. Überholen kann man vor Les Combes und vor der (umgebauten) Bus-Stop-Schikane, wo die Randsteine weiche, stabile Federn erfordern. Könner kommen auch in Blanchimont am Gegner vorbei, sofern er nicht gerade Irvine heißt. Die BMW-Williams gelten als favorisiert, falls sie am Start losfahren ...

So lief das Rennen 2001

Fünfter Sieg in Belgien für Michael Schumacher: Der Ferrari-Pilot kam 2001 vor David Coulthard und Giancarlo Fisichella ins Ziel.

Stockend ging es los: Nach Frentzens (Prost) Fehlstart und Neuformation des Feldes passierte Montoya im BMW-Williams das gleiche Malheur – er verlor dadurch allerdings seine Pole-Position. Und als der Tross dann endlich rollte, geriet der zweite Prost-Acer mit Luciano Burti in Not. Beim Versuch, Eddie Irvine mit 300 km/h eingangs der gefürchteten Blanchimont-Doppel-Linkskurve zu überholen, macht der ahnungs- und wahrnehmungsschwache Nordire die Spur dicht. Burti rasiert sich den Frontflügel am Jaguar-Hinterteil, treibt ohne Abtrieb Richtung Reifenstapel, wo er mit 180 km/h einschlägt. Bangen Minuten folgt Aufatmen: Gehirnerschütterung, kleines Blutgerinsel. Burti ist soweit o.k., seine Saison jedoch gelaufen.

Dann ist wieder BMW dran. Bei der Einführungsrunde vor dem Neustart bleibt Ralf Schumacher aus Zeitnot (nach unvollendetem Heckflügelwechsel) aufgebockt stehen. Zum zweiten Mal an einem Tag verliert BMW die Führung und den möglichen Sieg. Schumi profitiert souverän von des Gegners Pannen, rollt im Schongang zum 52. GP-Erfolg (Rekord). Mann des Tages: Fisichella im Benetton-Renault, der mit einem Satz Vorderreifen durchfährt und Platz zwei erst spät an Coulthard (McLaren-Mercedes abtritt.

Alle Informationen zur Formel 1 finden Sie hier.

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