Großer Preis von Brasilien 2006

Großer Preis von Brasilien 2006 Großer Preis von Brasilien 2006

Großer Preis von Brasilien 2006

— 23.10.2006

Hut ab vor einem echten Kämpfer

Ein Podiumsplatz sollte leider nicht sein, beim seinem letzten Rennen. Mit einer spektakulären Aufholjagd vorbei am ganzen Feld zeigt Schumi aber einmal mehr sein Können.

Ein rundes Stück Gummi, zerschlissen wie durch den Reißwolf gezogen, begrub die letzten vagen Hoffnungen des Rekordchampions auf einen krönenden Abschluss seiner Formel-1-Karriere. Michael Schumacher musste nach einem Reifenschaden in der neunten Runde zurück an die Box trudeln und fiel vom fünften auf den letzten Platz zurück. Er konnte den Großen Preis von Brasilien noch zu Ende bringen, überquerte als umjubelter Vierter die Ziellinie. Der neue Weltmeister aber ist auch der alte: Fernando Alonso verteidigte seinen Titel. In Sao Paulo wurde er Zweiter. Am Ende lautete das Duell gegen Schumacher nach Punkten: 134:121. Das Saisonfinale gewann der Brasilianer Felipe Massa im Ferrari.

Brasiliens Held: Ferrari-Pilot Felippe Massa gewinnt beim Heim-GP, der Jubel kennt keine Grenzen.

Renault sicherte sich zum zweiten Mal nach 2005 den Titel in der Konstrukteurswertung. 201:206 heißt dort die Bilanz zu Ungunsten Ferraris. Alonsos Teamkollege Giancarlo Fisichella wurde als Sechster abgewinkt. Alonso bedankte sich nach der Zieldurchfahrt beim Team: "Ihr seid das ganze Jahr über Spitze gewesen. Ich wünsche euch für die Zukunft viel Glück." Alonso fährt nächstes Jahr für McLaren-Mercedes, er will sich diese Woche persönlich bei jedem Mitarbeiter des französischen Herstellers in Enstone und Viry-Chatillon verabschieden und am kommenden Wochenende seiner Heimat Spanien einen Besuch abstatten. "Es war wirklich sehr eng und hat großen Spaß gemacht, mit ihm zu kämpfen. Ich habe immer gesagt, wenn du den Titel haben willst und Michael noch fährt, dann hat das viel mehr Wert, als wenn er nicht mehr dabei ist. Ich wünsche ihm für sein neues Leben alles Gute."

V.l.: Fernando Alonso (Platz 2), Felippe Massa (Platz 1), Jenson Button (Platz 3) und Ferrari-Genie Ross Brawn.

Schumacher nahm sein unvollendetes Finale mit Fassung: "Ich hätte sicherlich gern auf dem Podium das letzte Rennen beendet. Vom Speed her hätte ich heute alle überholen können, aber für Felipe freue ich mich riesig. Und natürlich Gratulation an Fernando."
Außer Frau Corinna brachte Schumacher seine Freunde, die zu Ehren seines Abschieds im Privatjet mitfliegen durften, sogar bis in die Startaufstellung, zu der normalerweise nur Teammitglieder, Betreuer, auserwählten Journalisten und Prominente Zutritt haben: Papa Rolf, die Kerpener Kartfreunde Peter Kaiser, Heribert Füngeling und Manager Willi Weber bezeugten das Spektakel der Startzeremonie. Als Schumacher seinen Ferrari auf der Startposition zehn abgestellt hatte, bildete sich sofort eine Traube Reporter um Schumacher, einige Fotografen stiegen auf die Boxenmauer, um überhaupt eine Chance zu haben, ein Bild von Schumacher zu machen.

Die Höhepunkte des Grand Prix von Brasilien 2006

Um 13.51 Uhr Ortszeit kommt Schumacher zurück von der Toilette, muss sich den Weg zu seinem Auto bahnen. Mika Häkkinen stellt sich ihm in den Weg. Der zweimalige McLaren-Mercedes-Weltmeister und der Rekordweltmeister umarmen sich.
1. Runde: Nico Rosberg schießt nach einer Kollision mit Teamkollege Mark Webber in die Streckenbegrenzung und havariert schwer. Sein Williams ist nur noch ein Wrack. Das Safety-Car rückt aus.
6. Runde: Das Safety-Car biegt ab in die Boxengasse, das Rennen wird wieder aufgenommen.
9. Runde: Schumacher zieht auf der Start- und Zielgeraden an Giancarlo Fisichella vorbei, ruiniert sich dabei den linken Hinterreifen. Nach Informationen des Ferrari-Kommandostands hat ihn der Renault-Pilot beim Überholmanöver touchiert. Der Reifen weist einen Schnitt auf, wird ein Bridgestone-Techniker später bestätigen. Schumacher kann nur langsam in die Boxen rollen, um einen neuen Reifen abzuholen. Schumacher ist Letzter. 71 Sekunden hinter dem Führenden Massa. Alonso liegt auf Position drei. Der Renault-Kommandostand informiert den Spanier über Schumachers Malheur. Sofort werden die Motordrehzahlen des Renault reduziert, um das Triebwerk zu schonen.
19. Runde: Massa baut seine Führung auf Kimi Räikkönen bis auf zehn Sekunden aus, Alonso hält einen Sicherheitsabstand von knapp zwei Sekunden auf den Silberpfeil.
21. Runde: Fisichella und Räikkönen beim Boxenstopp. Fisichella entgeht wieder nur knapp einer Kollision, als sich Rubens Barrchello an ihm vorbeischieben will.
23. Runde: Massa in der Box. Alonso übernimmt die Führung.
26. Runde: Alonso biegt zum Tanken ab und kommt hinter Massa, aber vor Räikkönen auf die Strecke. Schumacher hat Christijan Albers (Spikers) überholt, ist mit 47 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen 16.
38. Runde: Schumacher kämpft bravourös und schiebt sich, nachdem alle zum ersten Mal beim Tanken waren, sogar auf Rang acht vor.
41. Runde: Schumacher fährt an BMW-Pilot Robert Kubica vorbei auf Platz sieben.
47. Runde: Schumacher beim zweiten Boxenstopp, fällt auf Rang acht zurück.
51. Runde: Schumacher überholt auf der Start- und Zielgeraden seinen ehemaligen Teamkollegen Barrichello (Honda). Schumacher rast danach wieder hinter Fisichella her.
53. Runde: Massa tankt zum zweiten Mal.
54. Runde: Alonso an der Box.
62. Runde: Fisichella verbremst sich, Schumacher nun Fünfter.
68. Runde: Nach einem brillanten Überholmanöver lässt er auch Kimi Räikkönen hinter sich. Es wird Schumachers letztes Überholmanöver in der Formel 1 bleiben.

Autor: Robert Dunker

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