Großer Preis von China 2006

Großer Preis von China 2006

Großer Preis von China 2006

— 02.10.2006

Matchball Schumi

Michael Schumacher fährt in Shanghai seinen siebten Saisonsieg ein. Der Rekord-Weltmeister liegt nun erstmals in der WM-Wertung vorne.

Es muss das Überraschungsmoment gewesen sein, das so viel Freude freisetzte. Michael Schumacher kletterte wie ein Halbstarker auf seinen Ferrari und schrie seine ganze Begeisterung heraus. Sprang im Parc ferme drei Mal mit Anlauf in die Arme seiner Mechaniker, die sich zur Huldigung ihres Piloten am Zaun versammelt hatten. Hüpfte schließlich noch in die Arme seines Renningenieurs Chris Dyer. Was für ein Tag!

Völlig unerwartet hatte Michael Schumacher beim Großen Preis von China den Sieg errungen. Ein lausiger sechster Startplatz war für den Rekordweltmeister am Samstag (30.September) herausgesprungen, heftiger Regen hatte ihm die Qualifikation vermiest – die Bridgestone-Reifen hatten dem einst als "Regengott" glorifizierten Schumacher keine Chance gelassen. "Wir wollten hier nur Schadensbegrenzung betreiben. Ich habe mir hier vorher Kopfschmerzen gemacht", sagte Schumacher nach dem Rennen. Aber schon im Qualifying bewies er seine Klasse. Als mit Abstand Bester aller Bridgestonefahrer hatte der Ferrari-Pilot erfolgreich Schadensbegrenzung betrieben.

Als dann wie ein böses Omen für Renault nach der Siegerehrung eine Champagner-Flasche vom Weltmeisterteam auf dem Boden zerschellte, durfte Schumacher jubeln. "Ich bin komplett aus dem Häuschen. Das war ein aufregendes und extremes Wochenende", gluckste er. "Wenn man einige Monate zurückblickt, ist es fast ein Wunder, dass ich jetzt so dastehe. Aber wir haben es geschafft." Fernando Alonso hat seinen Vorsprung von 25 WM-Punkten nach dem Grand Prix von Kanada verspielt.

Schumacher ist erstmals seit dem Rennen in Sao Paulo 2004 wieder Führender in der Gesamtwertung, weil er bei gleichem Punktestand einen Saisonsieg mehr als Alonso zu verzeichnen hat. Schumacher hat Matchball: Denn gewinnt er in Suzuka und fällt Alonso aus, kann der 37 Jahre alte Ferrari-Pilot bereits am kommenden Sonntag (8. Oktober) mit seinem achten WM-Titel den Abschluss seiner Karriere krönen. Alonso muss auf jeden Fall bis zum letzten Saisonrennen am 22. Oktober in Brasilien zittern, wenn er seinen Titel verteidigen will.

Renault in der Teamwertung vorne

Alonsos zweiter Platz und Rang drei von Giancarlo Fisichella waren nur ein schwacher Trost für den französischen Hersteller. Er konnte immerhin wegen Felipe Massas Ausfall mit 179 Punkten wieder die Führung in der Konstrukteurswertung vor Ferrari (178) übernehmen. Teamchef Flavio Briatore hatte sich mehr ausgerechnet. "Der Sieg ist uns durch die Finger geglitten. Wir sind sehr frustriert." Fernando Alonso war auf der Pole-Position gestartet, auf nasser Strecke davon gebraust und lag schnell über 20 Sekunden vor Schumacher. Aber als die Ideallinie zunehmend abtrocknete, wendete sich das Blatt. Entscheidender Faktor waren wieder einmal die Reifen. "Es war ein Glücksspiel, wir mussten zocken", kommentierte Schumacher die Strategie, mit einem Reifensatz 40 Runden zu fahren.

Bedröppelte Gesichter bei Renault: Der Altmeister hat es den jungen Wilden wieder einmal gezeigt.

Ein Dreher auf der rutschigen Piste kostete dagegen Alonso zunächst mehr als vier Sekunden. Noch mehr Zeit büßte der Spanier durch zwei neue Vorderreifen ein. Sie brauchten nach dem ersten Boxenstopp zu lange, um ihre optimale Haftungsfähigkeit zu entfalten. Teamkollege Fisichella dahinter und Michael Schumacher, der sich auf Rang drei vorgekämpft hatte, holten in einer Runde bis zu vier Sekunden auf den Führenden auf. Experten vermuten, dass sich Alonso durch zu aggressives Fahren einen Bremsplatten eingehandelt hatte und deswegen neues Gummi brauchte. "Es war eine Reifenlotterie. Wir haben heute eine große Chance ausgelassen", haderte Alonso. Es kam noch dicker für ihn: Während des zweiten Boxenstopps konnte am rechten Hinterreifen nur mit Mühe die Radmuttern befestigt werden. Der Renault stand 19 Sekunden still.

Nach dem erneuten Malheur musste Schumacher nur noch an Fisichella vorbei. Der Formel-1-Routinier düpierte den Italiener mit einer taktischen Meisterleistung. Gleich in der ersten Kurve nach Fisichellas Boxenstopp und dem Wechsel auf Trockenreifen zog er in Runde 42 innen am Renault vorbei. Alonso holte zwar noch einmal auf und konnte Fisichella überholen, Schumacher aber vorn das Tempo nach Belieben bestimmen. Nach 56 Runden reckte er die Faust in den diesigen Himmel. Rosige Aussichten? "Ich habe grandiose Voraussetzungen", jubelte Schumacher. "Jetzt kommen noch zwei Rennen, die uns gut liegen." Alonsos Konter: "Die Rennen werden über die Reifen entschieden. Ich hoffe, dass Michelin uns etwas Besseres geben wird."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.