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Großer Preis von Deutschland Großer Preis von Deutschland

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— 23.07.2002

Neue Strecke mit neuem Weltmeister

In ganz neuem Glanz strahlt der Hockenheimring. Zwei Motodrome, interessante Kurven und viel mehr Stellen zum Überholen. Einfach ideal für jede Art von Schumi-Fete.

Es kann wieder überholt werden

Das größte Formel-1-Fest Deutschlands hat ein neues Gesicht. Neue Streckenführung für Schumi und Co, neue Tribünen für die Fans. Zum 70. Geburtstag bekam die Motorsport-Hochburg Hockenheim ein Facelift vom Allerfeinsten. 2249 Meter ist die badische Strecke nun kürzer. Auf 4,574 Kilometern jagt sich von jetzt ab nicht nur die Motorsport-Weltspitze. Prunkstück dabei ist die "längste Kurve der Welt". So beschreibt der Aachener Star-Architekt Hermann Tilke die 1047 Meter lange Parabolika. Für die man sich allerdings einen schlaueren Namen als den Klau bei Monzas berühmter "Parabolica" hätte ausdenken können.

Die Fahrer wird's nicht stören. Immerhin "rennen" sie dort bei Tempo 315 um einiges komfortabler als mit 360 auf den nun stillgelegten Waldgeraden. Die Straße der Hockenheimer Parabolika ist sechs Meter breiter als früher (insgesamt 14 Meter) und hat keine tückischen Bodenwellen. "Für mich ist dieser Straßenbelag mehr als nur eine Rennstrecke. Mein Herz schlägt jedes Mal schneller, wenn ein Auto auf einer neuen Strecke bremst", strahlt Baumeister Tilke.

Ähnlich dürfte es Ralf Schumacher gehen. Der BMW-Williams-Mann ist der einzige Formel-1-Pilot, der sich die neue Strecke bei einer Juckeltour über die Baustelle anschaute. Ziemlich erleichert stieg Schumi II aus seinem BMW X5: "Endlich geht's jetzt nicht mehr sinnlos Ewigkeiten geradeaus in den Wald hinein." Und vor allem kann jetzt wieder überholt werden. Markante Treffpunkte zum Ausbremsduell sind die Einfahrt zur Parabolika und die Bremszone vor der Spitzkehre. Hier treten die Piloten bei einem Topspeed von wie gesagt ca. 315 km/h voll in die Eisen, schalten runter in den ersten Gang. Tempo: knapp 70 km/h.

Partymeile Doppel-Motodrom

Der komplette Pistenbelag ist rau und nur begrenzt griffig. "Bei Highgrip-Asphalt würden die Bremswege kürzer und die Überholmanöver seltener", erläutert Hermann Tilke. Rund 70 Meter vor der Spitzkehre dürften die Grand-Prix-Stars aufs linke Pedal steigen. Aus der engsten Kurve der Bahn geht es geradeaus zu auf die neue Mercedes-Tribüne (6500 Plätze). Die folgende 90-Grad-Linkskurve verspricht Brisanz. Toyota-Chefdesigner Gustav Brunner analysiert die noch namenlose Ecke so: "Richtungsänderungen dieser Art, verbunden mit Beschleunigung, bringen eigentlich immer Untersteuern." Also Geradeausschieben.

Weniger Hochgeschwindigkeit, zusätzliche Kurven – diese Mischung fordert zudem andere Aerodynamiklösungen als 2001. "Mehr Abtrieb, aber den haben wir ja", gibt sich Schumi II optimistisch. "Mit mehr Flügel ist die Mobil-1-Kurve ganz sicher pfeilschnell", prognostiziert Brunner und fügt hinzu, "auch die Sachskurve wird interessant. Vielleicht kann man dort sogar wieder überholen."

Das Motodrom erinnert als einziger alter Streckenteil noch an die großen Siege der Schumachers. Doch auch hier ist manches neu: Die Nordkurve am Ende der Start-Ziel-Geraden und die Opel-Kurve an deren Anfang wurden deutlich nach innen verlegt. Weshalb die Gerade vor den Boxen etwas kürzer ist. Hintergrund: Die Regelhüter forderten größere (asphaltierte) Auslaufzonen. Michael Schumacher verwirklichte sich 1995 einen großen Hockenheim-Traum. Auf Benetton-Renault gewann der damals amtierende Weltmeister als erster Deutscher seinen Heim-Grand-Prix. Nach dem Rennen glich das Motodrom einem Tollhaus. Als Schumi mit abgewürgtem Motor am Abschleppseil zu den Boxen rollte, wären die Fans vor lauter Freude am liebsten zu ihm ins Cockpit gehüpft.

Doch seither klebt dem großen Meister am Hockenheimring der Misserfolg an den Reifen. Immerhin hieß der Sieger 2001 Schumacher. Bruder Ralf schaffte dabei im BMW-Williams auch eine Premiere: erster Deutscher, der zu Hause mit deutschem Motor vorn war. Die Nonstop-Mega-Party rund ums neue Doppel-Motodrom ist 2002 programmiert. Egal, dass Michael Schumacher schon seinen fünften Weltmeistertitel vorzeitig in der Tasche hat. Das deutsche Rennvolk wird vor allem eins sehen wie noch nie – Rot.

So lief das Rennen 2001

Ein turbulentes Rennen beginnt 2001 schon beim Vorstart: Fernando Alonsos Minardi brennt – ein Leck im Tankstutzen, Start aus der Boxengasse. Die Lichter der Startampel verlöschen, doch Luciano Burti sieht wieder rot. Schumi tuckert langsam vor ihm, findet den zweiten Gang nicht, weil die elektrohydraulische Schaltung streikt. Der Prost-Pilot kracht mit 170 km/h ins Ferrari-Heck. Überschläge. Burti krabbelt nach der Landung aus dem Wrack, rennt an die Box, klettert ins Ersatzauto. Nach zwei Runden wird das Rennen hinter dem Safety-Car abgebrochen, zu viel Schrott liegt auf der Bahn.

Beim Neustart zischt Montoya von seiner ersten Pole-Position allen davon. Dahinter Schumi II, Hakkinen, Schumi, Coulthard und Barrichello. Beide Ferrari-Fahrer schnappen sich die Silberpfeile. Die verlieren pro Runde 1,5 Sekunden auf die Spitze. Zwei Mercedes-Motorschäden versauen das Heimspiel komplett. Konkurrent BMW hat wenigstens etwas zu lachen. Bei Montoya geht zwar der Boxenstopp daneben und danach auch noch der Motor hoch, doch am Ende jubelt Ralf Schumacher über den ersten Heimsieg eines Deutschen mit einem deutschen Motor. Bruder Michael scheidet in Runde 23 mit defekter Benzinpumpe aus.

Alle Informationen zur Formel 1 finden Sie hier.

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