Großer Preis von Deutschland

Großer Preis von Deutschland

Großer Preis von Deutschland

— 29.07.2002

Schönen Dank an den lieben Gott

Wieder-Weltmeister Michael Schumacher gewinnt erstmals im Ferrari auf dem Hockenheimring. Und ist vor Freude außer sich.

"Familienmäßig ist es doch gut gelaufen"

Die vielleicht zweitgrößte sportliche Leistung vollbrachte am Sonntagnachmittag (28.7.) ein gewichtiger Herr mit graumelierten Haar. Manager Willi Weber kraxelte etwas ungelenk auf den Metallzaun, der die Boxengasse von der Zielgeraden trennt, um seinem Schützling die Siegerfaust entgegen zu recken. Michael Schumacher hatte seinen bereits vor einer Woche gesicherten fünften WM-Titel mit einem Sieg beim Großen Preis von Deutschland gekrönt. Es war sein erster Erfolg in Hockenheim als Ferrari-Pilot. 1995 raste er im Benetton-Renault zum letzten Mal als Erster über die Ziellinie. "Ich habe eine tolle Woche erlebt", sagte Schumacher. "Das ist in sportlicher Hinsicht das Schönste, was man sich vorstellen kann. Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass er das zugelassen hat."

Als der Weltmeister schon längst im Parc fermé aus seinem Wagen gestiegen war, den Fans zugewinkt und sich auf dem Weg zur Siegehrung begeben hatte, stellte sein kleiner Bruder Ralf den BMW-Williams erst ab und zog enttäuscht seinen Helm aus. Er sah aus, als hätte man ihm gerade den letzten Rest Schokoladenpudding vom Esstisch stibitzt. Ein Pneumatik-Problem an seinem Boliden, das in der Box vier Runden vor Schluss behoben werden musste, hatte den Doppelsieg der schnellen Brüder verhindert und Juan Pablo Montoya zum zweiten Platz verholfen.

Der Drittplatzierte Ralf Schumacher verlor somit in der Gesamtwertung weiter Boden auf seinen kolumbianischen Teamkollegen, liegt jetzt vier Punkte hinter Montoya. Platz vier belegte Rubens Barrichello (Brasilien), der vor dem Start noch den Wagen wechseln musste und im Rennen einen Boxenstopp im zweiten Ferrari vermasselte. Der Schotte David Coulthard im McLaren-Mercedes auf Platz fünf wurde ebenso wie der Sechste Nick Heidfeld im Sauber von Michael Schumacher überrundet. Dessen Mönchengladbacher Ortsrivale Heinz-Harald Frentzen schied wegen eines Defekts an der Hydraulik seines Arrows aus.

Ralf Schumacher war untröstlich. "Es ist viel schiefgelaufen", jammerte er zunächst, stimmte dann aber doch in die Schumacher-Feier ein. "Familienmäßig ist es doch gut gelaufen." Michael Schumacher dachte in der Stunde des Triumphs an seinen Bruder. "Es ist sehr schade, was mit Ralf passiert ist", sagte Schumacher. "Er wäre wunderbar gewesen, wenn wir beide auf dem Podest ganz oben gestanden hätten."

Trotz schlechterer Reifen zum Sieg gerast

Im spannungsarmen Deutschland-Grand-Prix auf dem Hockenheimring, der nach seinem Umbau gestern offiziell von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone eingeweiht wurde, sorgte der Finne Kimi Räikkönen für die Aufsehen erregendsten Aktionen. Erst versuchte sich der McLaren-Mercedes-Pilot in vier hintereinander liegenden Kurven eines Überholmanövers von Montoya zu erwehren, ehe er den BMW-Williams-Piloten doch passieren lassen musste. Dann platzte ihm in der 25. Runde der linke Hinterreifen. Er musste bis zur Box eine halbe Runde auf der Felge zurücklegen.

Nicht einmal die Michelinreifen konnten helfen, den roten Renner mit der Nummer eins aufhalten. Denn nach Expertenmeinung sind die Pneus des französischen Lieferanten eigentlich der japanischen Konkurrenz von Bridgestone bei Asphalttemperaturen von über 30 Grad wie gestern überlegen. Zwar konnten beide BMW-Williams mit je einem Satz das Rennen bestreiten, doch auf den Abstand zu Michael Schumachers Ferrari wirkte sich das Plus nicht aus. Zu dominant ist Ferrari. Und die Italiener schalten keinen Gang zurück. Ständig wird an weiteren Verbesserungen getüftelt. Testpilot Luca Badoer erprobte am Samstag (27.7.) noch einmal neue geheime Elektronik-Teile, die gestern eingesetzt wurden.

Michael Schumacher wird also neue Titel sammeln. In Hockenheim raste er zum 62. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Dem 33-Jährigen fehlt in den fünf ausstehenden Rennen noch ein Sieg zu einem weiteren Weltrekord. Schumi hätte dann zehn Mal in einer Saison gewonnen – ein Kunststück, das bislang noch keinem Fahrer in der Formel-1-Geschichte seit 1950 gelungen ist. Noch muss sich Schumacher die Bestmarke mit dem Briten Nigel Mansell teilen, der es 1992 ebenso wie der Deutsche (2000, 2001) auf neun Saisonsiege brachte.

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