Großer Preis von Deutschland

Großer Preis von Deutschland

— 29.07.2002

Promis "angetörnt vom Krach"

Formel 1 in Deutschland – das sind jene Tage, an denen der nationale Jet-Set in seinen Adern Benzin pulsieren lässt.

Ein bisschen VIP muss sein. Beim Deutschland-Grand-Prix, zum großen Schumacher-Festival auserkoren, lief einem der alternde Tennis-Star Boris Becker über den Weg, die boxenden Brüder Witali und Wladimir Klitschko, NBA-Star Dirk Nowitzki und, natürlich unvermeidlich, Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Es ist der Tag, an dem die Prominenten oder jene, die sich dafür halten, ungefiltert ihre Eindrücke preisgeben dürfen. Da fährt der Schumacher "geil in die Kurve" (Schauspieler Moritz Bleibtreu), es riecht "voll nach Benzin" (Bayern-Stürmer Giovane Elber) oder man wird einfach "angetörnt vom Krach" (Lothar Matthäus). Und manchmal kann die Reizüberflutung wie bei der Protagonistin der Neuen Deutschen Welle zu kuriosen Sprachverzerrungen führen. Nena, die mit ihren drei Kindern in die Boxengasse gekommen war, sagte also tatsächlich: "Die Kids sind total geflasht wegen der Atmo hier." Und wohl auch die Sinne der singende Mutter waren etwas benebelt: "Wo sind denn hier nun die Blondinen mit den großen Dingern?"

Aufklärung gibt ein Kenner und Genussmensch. Mehmet Scholl, Nationalspieler des FC Bayern, hatte nach einer halben Stunden in der Boxengasse genug gesehen. "Ich bin nur wegen der Boxenluder hier", sagt Scholl dem Fernsehsender RTL grinsend. Neben der Freundin hat er auch seinen Sohn mit nach Hockenheim gebracht, weil er "ein riesiger Schumacher-Fan" ist. Die Themen im noblen Paddock-Club, wo sich die Schönen und Reichen zwischendurch stärken, sind eher profaner Natur. Schmecken beim Barbecue die Garnelen gut, oder soll man lieber die Spare-Ribs holen, die eine Treppe höher neben der Freiluft-Bar gegrillt werden? Gegenüber auf den Rängen geht es herzhafter zu. Bockwurst und Dosenbier gibt es satt auf den Stehtribünen. Schumi-Fans blasen in ihre Tröten, schwenken Fahnen. Die Freude der Veranstalter dagegen ist etwas getrübt. Aufwändig gestalteten die Betreiber des Hockenheimrings unter der Regie des Aachener Architekten Hermann Tilke Anfang des Jahres die Rennstrecke für 62 Millionen Euro um. Die langen Passagen durch den Hockenheimer Wald wurden abgeschnitten und durch eine langgezogene Kurve (Parabolika) ersetzt, die Zuschauerkapazität auf 120.000 erweitert.

Doch viele Plätze blieben leer wie schon im Qualifying am Samstag, das nur 92.000 Besucher verfolgt hatten – und das trotz zahlreicher PR-Aktionen in Lokalradios und Bild-Zeitung, mit denen Tickets verlost wurden. Die geringe Nachfrage kann kaum verwundern bei Eintrittspreisen von 100 bis 260 Euro. Da kostet ein Familienausflug nach Hockenheim mit Übernachtung und Verpflegung leicht 2000 Euro. "Bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage wird sich jeder Fan genau überlegen, ob er so viel ausgeben kann und will", sagt Gustav Schrank, Oberbürgermeister der Stadt Hockenheim. Ein weiterer Grund für die leeren Ränge. "Die WM war ja schon entschieden." Die Prominenz muss das nicht interessieren. Sie erkauft sich für 2800 Dollar den Zutritt in den Paddock-Club und nippt fröhlich am Champagner.

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