Schumi-Sieg beim GP von England

Schumacher-Sieg bein GP von England Schumacher-Sieg bein GP von England

Großer Preis von England

— 08.07.2002

Triumph in der Waschstraße

Nach Saisonsieg Nr. 7 kann Michael Schumacher schon in zwei Wochen den fünften WM-Titel holen. Härtester Verfolger: Team-Kollege Rubens Barrichello.

Spannendstes Rennen des Jahres

Zur Feier des Tages nahm Michael Schumacher beide Hände vom Lenker. Die kleine Variation der traditionellen Jubelgeste war ein Ausrufezeichen der sonst austauschbaren Zieleinfahrten dieser Saison, die scheinbar einem Naturgesetz gehorchen. Das Rahmenprogramm des Großen Preises von England bot dagegen mehr Unterhaltsames. Im spannendsten Rennen des Jahres sorgte das Wetter für die Würze. Leichte Schauer verwandelten den Asphalt immer wieder in eine Rutschbahn, auf der die Boliden kreiselten wie Spielzeugautos im Kinderzimmer. Allein Felipe Massa (Brasilien) drehte sich in 60 Runden nicht weniger als fünf Mal.

Der zweite Ferrari, gesteuert von Rubens Barrichello, raste nach Schumacher am schnellsten durch die Waschstraße – obwohl der Brasilianer von der letzten Position ins Rennen gehen musste, nachdem er vor der Aufwärmrunde den Motor abgewürgt hatte. Durch den vierten Doppelsieg der Scuderia kann Michael Schumacher schon beim nächsten Rennen am 21. Juli in Magny Cours WM-Titel Nummer fünf perfekt machen, wenn er in Frankreich gewinnt und Barrichello höchstens Dritter wird. "Es war ein verrücktes Rennen. Mein Sieg freut mich besonders, weil es der 60. meiner Karriere ist, und ich in Silverstone bisher nie so erfolgreich war", sagte Schumacher, der zuvor nur 1998 in England triumphiert hatte.

Die Verfolger von BMW-Williams und McLaren waren hoffnungslos unterlegen. Es hat sich gerächt, dass Reifenlieferant Michelin nicht in der Lage ist, konkurrenzfähige Regen- und Intermediate-Pneus herzustellen. "Ich habe mich auf der Piste nicht gerade wohl gefühlt", sagte der Drittplatzierte Montoya, dem allerdings laut BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger "ein perfektes Rennen" gelungen sei. "Ein entscheidender Faktor waren die Reifen."

Chaos in der McLaren-Box

Bereits zu Beginn hatte Michael Schumacher seine Routine ausgespielt. Hinter dem Trainingsschnellsten Montoya fuhr er Schlangenlinien, um bessere Bodenhaftung zu bekommen. Nach zwölf Runden, bei einsetzendem Regen, schlitterten Montoya und Schumacher Richtung Boxengasse, um sich neue Reifen abzuholen. Drei Runden später war die Hackordnung wiederhergestellt: Schumacher passierte Montoya in einer Links-Rechts-Schikane, vier Runden später musste der Kolumbianer auch Schumis Team-Gefährten Rubens Barrichello vorbei lassen.

Vornweg zogen die Ferraris auf Bridgestone-Reifen nun überlegen ihre Bahnen, hinter ihnen ging es drunter und drüber. Die McLaren-Piloten wechselten je vier Mal die Reifen – und fast jedes Mal unterlief ihrer Crew ein Patzer. In der Tat hinterließ die McLaren-Box den Eindruck einer unaufgeräumten Vorstadtgarage. Einmal mussten die Mechaniker Schläuche beiseite räumen, ein anderes Mal eilig Reifen herbeischaffen und von Heizdecken befreien. Auch die BMW-Williams-Techniker dilettierten. Die Tankanlage streikte wie schon in Kanada. "Damit war mein Rennen gelaufen. Ich bin sehr enttäuscht", so Ralf Schumacher, der Achter wurde. "Hier braucht man dringend eine Überarbeitung", haderte Motorsportdirektor Mario Theissen.

Bei den Perfektionisten von Ferrari dagegen klappte das Wechselspiel je drei Mal perfekt. "Es kam auf die Wahl der Reifen an", sagte Schumacher. "Ich war nicht sicher, welche ich wann benutzen sollte." Technik-Chef Ross Brawn traf die Entscheidungen. Schumacher: "Ihm habe ich zu danken."

Mehr zum Rennen, die Zeiten und Platzierungen finden Sie auf unserer Motorsport-Channelpage.

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