Großer Preis von Europa 2006

Großer Preis von Europa auf dem Nürburgring Großer Preis von Europa auf dem Nürburgring

Großer Preis von Europa 2006

— 08.05.2006

Schlauer Schumi gewinnt

Michael Schumacher machte das Rennen und verwies Alonso und Massa auf die Plätze. Die autobild.de-Leser hatten richtig getippt.

"Wer macht beim Großen Preis von Deutschland das Rennen?", wollte autobild.de wissen. Und für 55 Prozent der autobild.de-Leser, die am Voting teilgenommen hatten, war klar: Schumi wird ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. 22 Prozent hätten Titelverteidiger Alonso den Sieg zugetraut und knapp 18 Prozent stimmten für Kimi Raikkönnen.

Die Anspannung entlud sich stoßartig wie der Sektkorken von der Champagnerflasche nur Minuten später auf dem Siegerpodest. Da sprang Ferrari-Pilot Michael Schumacher auf den Arm von Ross Brawn, und der Technische Direktor der Roten nahm seinen ausgelassen tanzenden Piloten Huckepack, da brüllten rotgewandete Mechaniker ihre Freude heraus, und selbst der scheue Teamchef Jean Todt gab seiner Verlobten vor der Fernsehkamera einen heftigen Kuß.

Vor zwei Wochen in Imola fiel der Jubel im Ferrari-Lager noch verhalten aus. Der Sieg stand ganz im Eindruck, daß Schumachers großartige Vorstellung wie noch im Jahr zuvor eine Eintagsfliege gewesen sein könnte. Erst mit seinem Kunststück beim Großen Preis von Europa beseitigte der Kerpener gestern vorerst die nagenden Zweifel im Team, daß Ferrari in dieser Saison ein ähnliches Szenario wie im Krisenjahr 2005 erleiden muß. "Es ist ein schönes Gefühl, das länger nicht mehr dagewesen ist", sagte Schumacher. "Benzin, Reifen, Motor, Auto – alles war bestens."

Fernando Alonso wurde Zweiter und verlor auf Schumacher nur zwei Weltmeisterschafts-Punkte, aber was dem deutschen Ex-Champion noch wichtiger sein dürfte: Der Spanier muß hinnehmen, daß er auf zwei Strecken mit einem völlig unterschiedlichen Profil bezwingbar ist. Folglich machte Alonso bei der Siegerehrung ein Gesicht wie auf einem Begräbnis und erholte sich erst allmählich, als ihn Brawn, der drittplazierte Ferrari-Pilot Felipe Massa und Schumacher für das Siegerfoto einrahmten. "Der zweite Platz ist ein fantastisches Ergebnis", sagte der Renault-Pilot leicht gequält. "Wir waren Ferrari an diesem Wochenende unterlegen."

Schumacher ist wieder ein Seriensieger, und schöpfte mit inzwischen nur noch 13 Punkten Rückstand auf Alonso neue Hoffnung auf ein Titelcomeback. Die gesamten 309 Kilometer fuhren die beiden dicht hintereinander, der Schnellste der Qualifikation Alonso vor Schumacher, nur unterbrochen von den jeweiligen Boxenstopps. Nach dem ersten Halt scherte Schumacher noch 40 Meter hinter Alonso ein, fiel dabei auch danach nie mehr als gut zwei Sekunden zurück und verlor seinen Vordermann keinen Moment außer Sichtweite. "Es war auch für mich ein bißchen komisch, mal schien Fernando schneller, dann wieder ich. Aber wir waren immer in der Lage, zu reagieren."

Die Ferrari-Strategen heckten einen brillanten Plan aus. Denn der erste Boxenstopp bereitete das entscheidende Manöver vor. In Schumachers Ferrari floß mehr in den Tank als in den seines Rivalen. Der Rekordweltmeister konnte drei Runden länger auf dem Nürburgring bleiben als der Weltmeister. In der Zwischenzeit fuhr Schumacher einen Vorsprung von über fünf Sekunden heraus, als er seine letzte Etappe begann. Das reichte, um die Plätze zu wechseln und Alonso schließlich in der Boxengasse zu überholen. Die roten Mechaniker klatschten sich jubelnd ab, als sie Schumacher abgefertigt hatten. "Es war ein sehr gutes Rennen mit einer perfekten Strategie", bekannte Chefstratege Brawn.

Renault-Teamchef Flavio Briatore zollte dem Gegner Respekt. "Glückwunsch, denn die haben einen sehr guten Job gemacht. Jetzt wissen wir: Es geht gegen Ferrari", sagte der Italiener, der dennoch zufrieden war. "Für die Schwierigkeiten mit der Reifenwahl und der Abstimmung ist es ein gutes Ergebnis. Es geht ja auch um die Meisterschaft, und da haben wir nur zwei Punkte abgegeben."

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