Großer Preis von Europa

Doppelsieg für Ferrari

Großer Preis von Europa

— 24.06.2002

Doppelsieg für Ferrari

Rubens Barrichello setzte sich auf dem Nürburgring beim 55. Ferrari-Doppelsieg der Geschichte vor Michael Schumacher durch.

Schumi gibt Fehler zu

Ein ungewohntes Missgeschick sowie der Verzicht auf Stallorder und eine Schlussattacke haben Michael Schumacher beim Nürburgring-Jubiläum das erhoffte Heim-Festival etwas verdorben und seinem Leid geprüften Teamkollegen Rubens Barrichello den ersten Sieg seit fast zwei Jahren ermöglicht. Der Brasilianer triumphierte am Sonntag beim Großen Preis von Europa knapp vor Schumacher beim dritten Ferrari-Doppelerfolg dieser Saison. Den dritten Platz belegte abgeschlagen McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen (Finnland) vor Ralf Schumacher im Williams-BMW. Sauber-Pilot Nick Heidfeld belegte den siebten Platz. Heinz-Harald Frentzen wurde im Arrows-Cosworth 13. Der Brite Jenson Button (Renault) wurde Fünfter vor Sauber-Pilot Felipe Massa (Brasilien).

Im Gegensatz zu Spielberg verzichtete das italienische Formel-1-Team in der Eifel auf eine Stallregie zu Gunsten des viermaligen Weltmeisters aus Kerpen. Möglicherweise auch im Hinblick auf die Sitzung des Motorsport-Weltrates am Mittwoch in Paris, bei der das Gremium über die Ferrari-Teamorder beim Großen Preis von Österreich entscheidet. "Es gab heute keine Notwendigkeit für Stallregie, weil Michaels WM-Vorsprung seit Österreich gewachsen ist", sagte Technik-Direktor Ross Brawn. Dass dies bei den "Roten" während des Rennens ein heiß diskutiertes Thema war, räumte Barrichello indirekt ein: "Sie sagten uns, wir sollen uns darauf konzentrieren, die Autos heil heimzubringen."

Schumacher vergab durch seinen Verzicht, den hauchdünn führenden Barrichello in der Schlussphase zu attackieren, die Chance auf seinen 60. Grand-Prix-Sieg und den Hattrick auf dem Nürburgring. Es wirkte wie Wiedergutmachung für Österreich. "Leider Gottes habe ich kurz vor dem Boxenstopp einen Fehler gemacht. Ich bin etwas zu nah an Rubens ran und habe dann die Kontrolle verloren", sagte der Rheinländer. "Das ist leider schief gegangen. Ich habe zwar schön aufgeholt, aber nicht genug." Nach dem 9. Saisonlauf führt Michael Schumacher in der WM-Wertung mit 76 Punkten fast uneinholbar vor seinem Bruder Ralf (30) und dessen Teamkollegen Juan Pablo Montoya (27). Barrichello und Silberpfeil-Pilot David Coulthard folgen gleichauf auf dem vierten Rang (26).

Grünes Licht für Barrichello-Sieg

Das mit Spannung erwartete Hineinstürmen nach dem Start in die Spitzkehre eingangs der neuen "Mercedes-Arena" verlief problemlos. Der befürchtete Massencrash blieb aus. Nur die beiden Jordan-Honda drehten sich, konnten aber weiterfahren. Pole-Mann Montoya verlor die Spitze gleich an seinen Teamkollegen. Doch wenig später zog Barrichello im bislang am stärksten umkämpften Rennauftakt der Saison an dem weiß-blauen Duo vorbei. Auch Michael Schumacher schob sich in der dritten Runde auf Rang zwei hinter dem Brasilianer vor.

Die auf zwei Boxenstopps programmierten Ferrari-Fahrer bauten danach ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Barrichello und der in seinem Windschatten folgende Schumacher lagen nach zehn Umläufen schon 18,3 Sekunden vor ihren Verfolgern. Nach der spannenden Anfangsphase drehten die Piloten-Pärchen nun wie an einer Perlenschnur aufgereiht ihre Runden: Die Roten vor weiß-blau und silber, dahinter die beiden Renault und die beiden Sauber mit Heidfeld auf Rang zehn. Barrichello lag nach dem ersten Renndrittel 32,6 Sekunden vor dem drittplatzierten Ralf Schumacher.

Schrecksekunde dann in der 23. Runde: Michael Schumacher drehte sich nach einem Fahrfehler in der "RTL-Kurve", rutschte in die asphaltierte Auslaufzone und büßte dadurch zehn Sekunden ein. Direkt danach ließ er die Reifen wechseln. Barrichello legte eine Runde später einen Boxenstopp ein. Beide standen je 8,6 Sekunden. Nach dem Halt hatte der Brasilianer 8,3 Sekunden Vorsprung vor "Schumi I" und 17,7 vor "Schumi II". Nach dem zweiten Boxenstopp verringerte Michael Schumacher seinen Rückstand kontinuierlich. Rundenlang folgte er innerhalb einer Sekunde Barrichello. Aber der Brasilianer durfte vorne bleiben – angeblich hatte der genüsslich eine Banane essende Brawn per Boxenfunk grünes Licht für seinen Sieg gegeben.

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