Großer Preis von Frankreich

Bei Michelin läuft es nicht rund

Großer Preis von Frankreich

— 17.07.2002

Bei Michelin läuft es nicht rund

Der französische Reifenhersteller stattet beim Heim-Grand-Prix McLaren-Mercedes und BMW-Williams mit neuen Reifen aus.

Trauerstimmung beim 25. Jubiläum

Die Feierstunde in Silverstone hatte sich Michelin-Sportchef Pierre Dupasquier anders vorgestellt. Zum 25. Jahrestag in der Formel 1 erhoffte sich der französische Reifenhersteller beim Großen Preis von Großbritannien einen Sieg. Der festliche Empfang aber fiel bekanntlich ins Wasser. Reifenkonkurrent Bridgestone düpierte die Franzosen, die 1977 als Ausrüster von Renault debütierten. Besonders auf nassem Grund erwiesen sich die Michelin-Pneus als nicht konkurrenzfähig. Während Bridgestone-Fahrer wie Michael Schumacher und Rubens Barrichello im britischen Nieselregen wie auf Schienen ihre Runden zogen, schlitterten Ralf Schumacher (BMW) und David Coulthard (McLaren) um die Kurven.

Die Kritik bei Michelins Jubiläum fiel harsch aus. Teamverantwortlichen wie Mario Theissen (BMW) stießen die Unzulänglichkeiten sauer auf. "Das größte Problem zur Zeit sind die Reifen", klagte Williams-Pilot Juan Pablo Montoya, der als Dritter noch bestplatzierter Michelin-Kunde war. Rennsport-Chef Dupasquier versuchte, die Vorwürfe zu relativieren. Nicht Bridgestone sei überlegen, sondern Ferrari, sagt der Franzose. "Sie waren nicht drei, vier Sekunden schneller als unsere Autos." Alles Auslegungssache. "Sie fuhren viel schneller als alle anderen, inklusive der Bridgestone-Piloten Villeneuve, Heidfeld und Fisichella, die allesamt hervorragende Fahrer im Regen sind und auf den gleichen Reifen drei, vier Sekunden langsamer waren." Der 64 Jahre alte ehemalige Air-Force-Pilot gibt den Teams eine Mitschuld. "Beim Rennen auf dem Nürburgring haben McLaren und Williams eine falsche Taktik benutzt. Statt ein Mal zu stoppen, hätten sie zwei Mal halten sollen."

Nach Meinung vieler Experten liegt das Übel an der fehlenden Exklusivität. Denn seit dieser Saison beliefert Michelin mit McLaren-Mercedes und BMW-Williams zwei Top-Teams. Während Bridgestone sich ganz auf die Bedürfnisse von Ferrari konzentriert, pochen McLaren und Williams auf Material, das speziell den jeweiligen Anforderungen entspricht. "Es ist klar, dass McLaren und Williams unterschiedliche Ansprüche stellen", sagt Dupasquier. Hinzu kämen noch die Interessen der Kunden Renault, Jaguar und Toyota.

Heimvorteil auf dem Kurs von Magny-Cours

Die Annahme, dass McLaren und Williams gemeinsam schnellere Ergebnisse in der Reifenentwicklung erzielen, war falsch. Schlimmer noch: Anders als Ferrari, liefern die Piloten auch teamintern keine übereinstimmenden Erkenntnisse. "So kommt es vor, dass sich ein David Coulthard über die Reifen beschwert, während sein Teamkollege Kimi Räikkönen zufrieden ist. Das gleiche passiert bei Toyota. Nur bei Williams sind die Aussagen beider Piloten etwa gleich", sagt Dupasquier. Von einer Fehlentscheidung, zwei Top-Teams zu beliefern, will er jedoch nichts wissen. Schließlich habe Bridgestone nur einen Anhaltspunkt, wenn "etwas schief läuft", um den Fehler aufzuspüren, der am Chassis, an der Aerodynamik oder an den Reifen liegen könnte. "Die Analyse ist mit zwei Spitzenteams einfacher."

Vor dem Großen Preis von Frankreich am Sonntag steht Michelin nun besonders unter Druck. Zumal Magny-Cours, das Dorf, in dem das Michelin-Heimrennen stattfindet, nur circa 120 Kilometer Luftlinie entfernt vom Firmensitz in Clermont-Ferrand liegt. Michelin will den Heimvorteil nutzen. Auf keiner anderen Grand-Prix-Strecke konnte Michelin in der Vergangenheit ausführlicher testen als auf dem Circuit de Nevers. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. "Wir kennen den Kurs von Magny-Cours besser als jeden anderen, insbesondere durch unsere Probefahrten in Vorbereitung auf unser Formel-1-Comeback sowie die Tests im Vorjahr", sagt Dupasquier. Für das elfte Saisonrennen bekommen BMW-Williams, Jaguar, McLaren-Mercedes, Renault, Toyota und Minardi modifizierte Reifen geliefert. Wieder einmal.

Um die Modifikationen ausgiebig zu testen, fuhren BMW-Williams, Renault, Jaguar sowie Toyota und McLaren-Mercedes nur zwei Tage nach Silverstone wieder Tests. Wie groß der Druck ist, zeigt das Beispiel McLaren-Mercedes. Der schwäbisch-britische Rennstall probte zwei Tage auf dem modernen Kurs Paul Ricard in Le Castellet - unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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