Großer Preis von Großbritannien 2006

Großer Preis von Großbritannien 2006

Großer Preis von Großbritannien 2006

— 12.06.2006

Alonso auf Spazierfahrt

Mit einem unangreifbaren Start-Ziel-Sieg zeigte Weltmeister Alonso den Verfolgern ihre Grenzen. Schumi wurde Zweiter, Räikkönen Dritter.

Briatore feiert den "überlegenen Renault"

Michael Schumacher umschiffte die Klippe des Mißtrauens noch halbwegs unbeschadet, doch gegen die Demonstration der Stärke seines großen Widersachers fand er kein Mittel. Fernando Alonso gewann den Großen Preis von England so souverän wie die zwei vorangegangenen Formel-1-Rennen. Vor Schumacher, der nach der Rascasse-Affäre wenigstens einen Putsch auf der Fahrerversammlung von Silverstone abweisen konnte.

Alonso baute durch seinen fünften Saisonerfolg seinen Vorsprung in der Fahrerwertung weiter aus und ist der Titelverteidigung nach seinem ersten Triumph in Silverstone einen ganz großen Schritt näher gekommen. "Ich habe die Weltmeisterschaft zur Hälfte gewonnen, aber das ist noch kein Grund jetzt defensiv zu werden", sagte der Renault-Pilot. Bei 23 Punkten Rückstand und zehn ausstehenden Rennen kann Schumacher aus eigener Kraft dem Spanier den Titel nicht mehr entreißen.

Michael Schumacher war mit Platz zwei noch glimpflich davon gekommen. "Wir haben heute Schadensbegrenzung betrieben", bilanzierte der Ferrari-Pilot. "Wir haben uns im Rennen mit zwei frischen Sätzen Reifen mehr ausgerechnet, aber ich habe leider hinter Kimi Räikkönen festgesteckt." In der Qualifikation am Samstag belegte Schumacher nur den dritten Platz und Technik-Chef Ross Brawn wußte: "Da haben wir das Rennen verloren."

Immerhin konnte Schumacher mit dem vor ihm gestarteten McLaren-Pilot Räikkönen nach dem zweiten Boxenstopp Plätze tauschen. "Vom Speed her hat uns nicht viel gefehlt, Michael Schumacher war nur einen Tick schneller", lobte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sein Team. "Wir haben Fortschritte gemacht."

Die beiden Verfolger hatten bei herrlichem Sommerwetter aber nicht den Hauch einer Chance gegen die Kombination Alonso und Renault, die derzeit in einer eigenen Formel-1-Liga fährt. Alonso holte schnell einen Elf-Sekunden-Vorsprung heraus und sicherte ihn bis ins Ziel. "Wir waren unantastbar. Wir haben das überlegene Auto", jubilierte Renault-Teamchef Flavio Briatore.

Vor Gericht: Kein Nachspiel für Schumacher

Mehr Spannung hatte das Fahrergericht mit dem Angeklagten Michael Schumacher versprochen, aber die Fahrervereinigung GPDA tagte nur 26 Minuten. Dann war klar, daß Schumacher keine Konsequenzen befürchten muß. Von einer Absetzung als GPDA-Direktor war gemutmaßt worden, doch Jarno Trulli (Toyota) und Mark Webber (Williams), die Schumacher heftig kritisiert hatten, fehlten offenbar der Mut, die Konfrontation mit dem Rekordweltmeister zu suchen. "Ich habe in der Sitzung extra dreimal gefragt, wo denn jetzt die Herrschaften sind. Da kam noch nicht einmal ein Piepser", wunderte sich Ralf Schumacher.

Pech hatte der jüngere Schumacher auf der Piste. Zunächst verschlief der Toyota-Pilot den Start, nur wenige Minuten später wurde er nach einer unverschuldeten Kollision vom Williams des Australiers Mark Webber gerammt. Für beide Fahrer war das Rennen beendet. "Mir ist plötzlich jemand in mich reingerutscht, da war wohl schon die Radaufhängung kaputt", haderte er.

Als das Safety-Car in Runde drei von der Strecke fuhr, griff Michael Schumacher beherzt Räikkönen an. Doch Rad-an-Rad konterte der Finne den Angriff des Deutschen. Zum Entsetzen der knapp über 100.000 Zuschauer mußte die britische Hoffnung Jenson Button seinen Honda in der zehnten Runde mit qualmendem Motor abstellen.

An der Spitze gab Alonso Vollgas, drehte eine schnellste Runde nach der anderen, weshalb Michael Schumacher auf der Piste keine vollständige Rehabilitation für Monte Carlo gelang, nachdem auf der Fahrersitzung zwar nicht gegen ihn rebelliert, ihm aber auch nicht vergeben worden war. Nun wird die turnusmäßige Wahl des GPDA-Vorstandes im Rahmen des Grand-Prix-Wochenendes in Istanbul Ende August mit Spannung erwartet.

Jacques Villeneuve, Weltmeister von 1997, zog die Konsequenz und erklärte wegen des Ferrari-Stars seinen Rücktritt aus der GPDA. "Ich möchte mich nicht länger von einem Direktor wie Schumacher repräsentieren lassen", begründete der BMW-Sauber-Pilot seinen überraschenden Schritt, der möglicherweise kein Einzelfall bleiben wird.

Sogar der frühere Mercedes-Chef und vermeintlicher Schumacher-Sympathisant Jürgen Hubbert hielt sich mit Kritik nicht zurück und bezeichnete Schumachers Parkmanöver als Verzweiflungstat. "Ich interpretiere es als Versuch, noch einmal die WM zu gewinnen, um als Weltmeister aufhören zu können. Mit so etwas schadet man sich selbst und dem Sport", sagte Hubbert dem "Sportinformationsdienst".

Selbst mit weiteren Verzweiflungstaten wird es für Schumacher schwer, noch einmal ein Titelcomeback zu feiern.

Autor: Burkhard Nuppeney

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