Großer Preis von Italien

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Großer Preis von Italien

— 11.09.2002

Highleid für Ferrari?

Die ultraschnelle Traditionsstrecke bei Mailand vereint Erinnerungen, Historie, Rekorde und Tragödien wie keine andere. Ein Wallfahrtsort für die Tifosi, doch für Ferrari nicht immer das beste Pflaster ...

Rennstrecke mit 68 Prozent Volllast-Anteil

Monza – die Ur-Ferrari-Strecke. Seit 1950 im Formel-1-Kalender, einzige Ausnahme 1980 (GP Italien in Imola). Dieses Jahr pilgern, wie immer, Tausende Tifosi in den Rennpark, um die großartige Weltmeister-Saison ihrer Roten zu krönen und zu feiern.

Doch das Heimspiel könnte sich für Ferrari zum ersten Highleid 2002 entwickeln. Denn der italienische Hochgeschwindigkeitskurs ist mit 68 Prozent Volllast-Anteil BMW-Williams-Domäne. Bei der Power ist das deutsche Triebwerk führend (880 PS). Ein Michelin-Reifen, der besonders bei Hitze funktioniert, gilt als feste Bank. Denn in Monza ist es Mitte September fast immer noch sonnig und 30 Grad warm.

Mit Vollblut-Racer Juan Pablo Montoya hat BMW-Williams ein zusätzliches Ass im Ärmel. In rasanten Kurven wie Curva Grande und Parabolica blüht Bleifuß Montoya, unlängst auf dem lahmen Hungaroring fast eingenickt, richtig auf. 1971 wurde hier der schnellste Grand Prix aller Zeiten gefahren. Tempo im Schnitt: 242 km/h. Zugleich das Rennen mit dem knappsten Einlauf aller Zeiten: Die ersten fünf Piloten überqueren die Ziellinie innerhalb von 0,61 Sekunden. Sieger: Peter Gethin – zehn Tausendstelsekunden vor Ronnie Peterson.

In der hauseigenen Historie feiert Ferrari hier 1988 einen besonderen Triumph. Vier Wochen nach dem Tod des legendären Teamgründers Enzo Ferrari holen Gerhard Berger und Michele Alboreto einen unerwarteten Doppelerfolg. Wenn man so will, im eigenen Hinterhof, denn vor Jahren hat die Scuderia einen Teil des Autodromo Nazionale nördlich von Mailand gekauft.

Schumacher siegt hier im Zweijahrestakt

1922 in 100 Tagen erbaut, liegt der Kurs dort inmitten des königlichen Parks. Schon deshalb versprüht Monza einzigartiges Flair. Die Luft hat hier große Momente des Rennsports gespeichert, aber auch Tragödien. Der zweifache Fahrerweltmeister Alberto Ascari verunglückt 1955 tödlich im Sportwagen in der inzwischen nach ihm benannten Variante Ascari, Wolfgang Graf Berghe von Trips 1961 nach einer Berührung beim Duell mit Jim Clark, Jochen Rindt 1970 nach einem Bremswellendefekt im Training und Ronnie Peterson 1978 nach einem Startunfall – fast alles Todesfahrten bei extremem Tempo.

Auch der Streckenposten Paolo Ghislimberti lässt 2000 nach einer Kollision vor der Curva de la Roggia im Trümmerhagel sein Leben. Er steht am falschen Platz, hat keine Chance, sich in Sicherheit zu bringen, als die schnellen Flitzer zerbersten.

Überholen ist in Monza trotz langer Geraden schwierig. Grund: die Aerodynamik. In der Parabolica-Kurve zum Beispiel darf der Pilot nicht zu nahe an den Vordermann heranfahren, sonst gerät er in dessen verwirbelten Luftstrom ("dirty air"). Das Auto wird instabil, die Bodenhaftung nimmt ab – und das Manöver scheitert. Schumi – eigentlich kein Statistik-Fan – sollte dieses Mal auf die Zahlen hoffen. Er ist der erfolgreichste Ferrari-Heim-Pilot: drei Triumphe in sechs Jahren (1996, 1998, 2000). Immer im Zweijahresrhythmus. Ob er diese Tradition fortsetzen kann? Ihm winkt der nächste Rekord, falls BMW schwächeln sollte.

So verlief das Rennen 2001

Geisterhafte Stimmung beim GP Italien. Die Attentate in den USA (11. September) sind noch frisch in Erinnerung. Besonders Schumi findet keine Konzentration. Er schlägt zwecks Vermeidung weiterer Schreckensmeldungen Überholverbot für die Startphase vor. Abgelehnt.

Button prescht nach vorne und dreht Trulli um. Pole-Mann Montoya liegt an der Spitze, aber nur bis Runde neun (Reifenprobleme). Barrichello geht vorbei. Drei Umläufe später hängt Schumi "JPM" im Nacken, bleibt aber dort. Das Ferrari-Duo stoppt zweimal, Montoya einmal. Die richtige Taktik bringt ihm den ersten und bislang einzigen GP-Sieg ein. Schumi freut sich über Platz vier – kann damit Siegerehrung und Pressekonferenz umgehen.

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