Großer Preis von Italien

Großer Preis von Italien Großer Preis von Italien

Großer Preis von Italien

— 16.09.2002

Doppelerfolg ohne Gegenwehr

Rubens Barrichello siegt in Monza vor Michael Schumacher. Der siebte Doppelerfolg für Ferrari in der Saison 2002.

Schumi hält sich vornehm zurück

Wenn bei Ferrari noch irgendein Abstimmungsbedarf besteht, dann bei der Inszenierung der Millimeter genauen Zieleinfahrt. Mechaniker und Betreuer des amtieren Konstrukteursweltmeisters standen Spalier und warteten im Autodromo Nazionale auf eine Punktlandung der Roten: Rubens Barrichello neben Michael Schumacher. Aber auf den letzten Metern hielt sich der Rekordweltmeister vornehm zurück und gewährte seinem brasilianischen Teamgefährten Vorfahrt.

Den italienischen Feiertag nach dem siebten Doppelsieg in dieser Saison, dem siebten in Monza und dem 59. insgesamt komplettierte Ferrari-Legende Niki Lauda, mittlerweile Teamchef bei Jaguar, der den sensationellen dritten Platz des ehemaligen Scuderia-Piloten Eddie Irvine im grünen Boliden bejubeln durfte.

Nach der Zieldurchfahrt holten die Roten die Choreografie nach und drehten unter dem Applaus der Tifosi die Ehrenrunde in Formation nebeneinander. Dann wurden die Tore geöffnet, und Tausende Fans verstopften binnen Sekunden die Boxengasse und die Start- und Zielgerade. "Es war ein Riesentag für unsere Fans", sagte Schumacher, der mit seinem zweiten Platz seine eigenen Saisonbestmarke von 128 WM-Punkten übertraf. In der Ferrari-Box fiel Frau Corinna in die Arme von Motorenchef Paolo Martinelli.

Montoya durchbricht Rekordmarke

Rubens Barrichello war ob der stehenden Ovationen gerührt. "Es ist ein Traum. Diese glücklichen Menschen rufen unbeschreibliche Gefühle in mir hervor", sagte der Vizeweltmeister nach seinem dritten Grand-Prix-Sieg dieses Jahr. Und Eddie Irvine schwelgte bei seinem Comeback auf dem Siegerpodest von der südlandischen Mentalität: "Wer mich fragt, warum ich so viel Zeit in Italien verbringe, muss sich nur die Leute anschauen."

Den beiden deutschen Rennställen blieben wieder einmal nur die Statistenrollen. Weder BMW-Williams noch McLaren-Mercedes konnten in die Punkte fahren. Stolz hatten dabei die Münchner noch am Samstag einen Meilenstein in der Motorentwicklung verkündet. Auf bis zu 19.050 Umdrehungen pro Minute kam das Aggregat aus Bayern im Qualifying am Samstag. Der Trainingsschnellste Juan Pablo Montoya legte seine Runde im Eiltempo zurück und durchbrach mit einem Durchschnittstempo von knapp 260 km/h die 15 Jahre alte Bestmarke von Keke Rosberg.

"Wir haben die Messlatte erneut höher gelegt", so BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, für gewöhnlich Geheimnisträger, wenn es um die Merkmale des Triebwerks geht. Der Mediencoup war kühle Strategie. Jetzt steht Partner Williams noch mehr unter Druck, ein den Möglichkeiten des Motors angemessenes Auto zu konstruieren.

Bei BMW steht am Ende die Null

Nur was nützen die verheißungsvollen Daten, wenn am Ende die Null steht? Im Rennen floppte das Triebwerk grandios. Alle Hoffnungen, kommendes Jahr Ferrari endlich Paroli bieten zu können, gingen schnell in weiß-blauem Rauch auf. Ralf Schumacher, der nach dem Start die Führung erobert hatte, musste seinen Wagen in der vierten Runde mit Motorschaden im Gras abstellen. "Es ist sehr schade, wenn man nach einem guten Trainingsergebnis so ausscheidet", sagte der jüngere Schumacher. Sein davon brausender Bruder und besonders der mit Zwei-Stopp-Strategie fahrende Barrichello vor ihm degradierten die PS-Spiele der britisch-bayrischen Allianz zum technischen Schnickschnack. Nach vier Runden hatten beide Ferrari auch Vorjahressieger Montoya überholt.

Es schien zunächst so, als könnte BMW-Williams dank des Kolumbianers doch noch beruhigt die Reise zu den letzten beiden Saisonrennen nach Indianapolis und Suzuka antreten: Denn im Kampf um Platz zwei in der Konstrukteurswertung hätte im königlichen Park zu Monza eine Vorentscheidung fallen können. Silberpfeil-Pilot David Coulthard beschädigte gleich nach dem Start den Frontflügel und musste an die Box, Kimi Räikkönen fiel ebenfalls mit Motorschaden aus. Doch 19 Runden vor Schluss machte sich blankes Entsetzen bei Williams-Direktor Patrick Head breit, als er beim Boxenstopp auf die hintere rechte Radaufhängung von Montoyas Auto blickte: Sie war gebrochen. Die Folge halsbrecherischen Fahrens in einer Schikane.

In den Ruch eines geschenkten Sieges kam Barrichello nicht. In Monza galt wieder die Order, dass bei Ferrari derjenige freie Fahrt hat, der nach dem letzten Boxenstopp in Front liegt. "Jeder hat gesehen, dass es Michael mir nicht leicht gemacht hat." Die Gönner fahren in den anderen Teams – und weit hinterher.

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