Großer Preis von Kanada 2006

Großer Preis von Kanada 2006

— 23.06.2006

Ferraris Reifen-Roulette

Letzte Chance für Schumi? Ferrari will die beiden Nordamerika-Rennen gewinnen und hofft dabei auf bessere Reifen und mehr Grip.

Nach der Demütigung von Silverstone herrscht in der japanischen Bridgestone-Zentrale Alarmstufe Rot. Die treuen Lieferanten des Ferrari-Rennstalls fahnden fieberhaft nach einer neuen Reifenmischung, damit Michael Schumacher und Ferrari doch noch bei der Aufholjagd reüssieren und die Kombination aus Fernando Alonso, Renault und Michelin im Kampf und die Formel-1-Weltmeisterschaft abfangen.

Bevor die Rennwagen nach Übersee zum Großen Preis von Montreal (am 25. Juni, 19 Uhr, live im autobild.de-Ticker) verschifft wurden, hatten die Aerodynamiker in Maranello versucht, durch neue Spoileranordnungen mehr Grip zu erzeugen. Die Hochgeschwindigkeitsrennen in Nordamerika – eine Woche später findet der Grand Prix der USA statt – sind die letzten Möglichkeiten für Ferrari, das Ruder herumzureißen. Dabei besteht spätestens seit Schumachers Sieg in Imola kein Zweifel: Ferrari hat wieder ein exzellentes Auto, und für die beiden Nordamerikarennen wartet der italienische Traditionsrennstall mit neuen aerodynamischen Finessen auf.

Was das Titelcomeback erheblich in Gefahr bringt, ist aber die fehlende Schlagkraft des Reifenpartners. "Solange Bridgestone keine zwei Schritte nach vorne macht, mache ich mir überhaupt keine Sorgen", winkt Renault-Teamchef Flavio Briatore ab. "Michael ist zum Siegen verdammt, und der Sieg führt für ihn nur über die Reifen." Selbst Schumacher hat erkannt: "Es ist unglaublich, wieviel Zeit man mit den richtigen Reifen gewinnen kann." Oder eben verlieren. Ferrari hat Bridgestone in die Pflicht genommen, die letzten Reserven zu mobilisieren.

In den letzten Tagen wurde im Labor des japanischen Gummi-Herstellers rund um die Uhr getüftelt. Michael Schumacher sagt: "Wir müssen bei jedem Rennen ans Limit gehen, sonst wird es nicht reichen." Er macht sich und den fleißigen Ingenieuren aber auch Mut: "Die WM ist noch längst nicht gelaufen. Ferrari wird da sein und in Kanada sehr stark fahren." Zum letzten Mal ist Formel 1 nicht nur Renault gegen Ferrari, sondern auch Michelin gegen Bridgestone. Ab 2007 kommt der Einheitsreifen, weil den Regelhütern das teure Wettrüsten um immer griffigeres Gummi zu kostspielig war. Rund 100.000 Gummiwalzen produziert Michelin pro Saison, das Stück für rund 1000 Dollar.

23 Punkte beträgt der Rückstand Schumacher auf Alonso, und für den Spanier spricht auch die Statistik. Eine so große Differenz hat in der Formel-1-Geschichte bisher nur James Hunt aufholen können, als Niki Lauda 1976 auf dem Nürburgring schwer verunglückt war und der Brite den Österreicher noch abfangen konnte. Lauda hat den Rekordweltmeister schon abgeschrieben: "Das kann bis Saisonende keiner mehr aufholen." Wenigstens ein gutes Omen gibt es für Schumacher: In den vergangenen zwei Jahren sah keiner der sonst so zuverlässigen Renault in Kanada die Zielflagge.

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