Großer Preis von Monaco

Räikkönen bemitleidet Schumacher Räikkönen bemitleidet Schumacher

Großer Preis von Monaco

— 20.05.2005

Armer Schumi, braver Kimi

Der Finne wünscht dem Noch-Weltmeister bessere Reifen. In Monaco ist der Mercedes-Fahrer Favorit, auch für Fernando Alonso.

Zusätzlicher Glanz am Helm

Wo wird heutzutage noch so unbeschwert geprotzt wie in der Formel 1? Auf den Helmen der McLaren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya funkeln rechts neben dem verspiegelten Visier feine Brillanten, die ein flippig geschwungenes "Iceman", Räikkönens Spitzname, und "Montoya" ergeben - jeder Klunker mehrere 10.000 Euro teuer. Ein südafrikanischer Juwelier hat drei Monate an der kostspieligen Zierde geschliffen.

Am Sonntag werden die Klunker beim Großen Preis von Monaco (14 Uhr, RTL und Premiere live) ihrer Bestimmung zugeführt. Dann werden sie von den beiden Chauffeuren in den engen Straßenschluchten von Monte Carlo ausgeführt – und im günstigsten Fall von Fürst Albert II. bei der Siegerehrung abgenommen. Nach dem Rennen kommen die guten Stücke unter den Hammer, zugunsten wohltätiger Zwecke natürlich. Soviel Goodwill muß sein im Mekka der Schönen und Reichen. Ernsthafte Interessenten werden sich schon finden. Der Schmuck soll den Silberpfeilen zusätzlichen Glanz verleihen. Er ist als formvollendeter Teil des Gesamtkunstwerks McLaren-Mercedes zu verstehen, dessen Teammitglieder auf der Unterseite ihrer schwarzen Turnschuhe die Fortsetzung des Statements tragen: "One step forward to victory."

Nur vier Siege in drei Jahren

Bisher waren die Silberpfeile nur kraft ihrer Garderobe von Kopf bis Fuß auf Sieg eingestellt, und es fehlte meist mehr als nur ein Schritt zum Sieg. 582 Rennen in 39 Jahren Formel 1 hat McLaren absolviert, 138 Siege erobert, aber nur vier in den vergangenen drei Jahren. Die Silberpfeile galten immer als Topfavorit auf den Titel, die Testzeiten in den Wintermonaten verhießen Großtaten, aber wenn es ernst wurde, gingen allzuoft alle Hoffnungen buchstäblich in Rauch auf.

Der Sieg in Barcelona vor knapp zwei Wochen soll ein "Wendepunkt in der Wellenbewegung" sein. Diesen Vergleich benutzen die Teamchefs gern um einen Wechsel der Kräfteverhältnisse zu beschwören. Anfang der neunziger Jahre war Williams am Drücker, am Ende des Jahrzehnts McLaren dominant, danach folgte die Ära Ferrari. McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh hält das Ende der Regentschaft für möglich. "Man darf Ferrari nie abschreiben, aber Barcelona soll erst der Anfang für uns gewesen sein. Das ganze Team hat einen Schub bekommen. Diese Stimmung müssen wir konservieren."

Kimi Räikkönen liegt 27 Punkte hinter dem WM-Führenden Fernando Alonso, doch die Buchmacher führen den Finnen nach dessen Galavorstellung in Spanien als Favoriten. Auch Renault-Pilot Alonso hat ihn dazu erhoben. "McLaren und Kimi sind derzeit einfach schneller als wir."

Mitgefühl für Michael

Der Hoffnungsträger steht im Fahrerlager, eine Hand in der Hosentasche, und schaut gelangweilt ins Hafenbecken. Ein Fernsehteam interviewt Kimi Räikkönen über seine Siegchancen, er murmelt etwas von "ganz gut" und "mal sehen". Zwei Minuten geht das so, die Antwort halb so lang wie die Frage, dann weiß Räikkönens Gegenüber nicht mehr weiter: "Danke für das Gespräch." Wer am vergangenen Samstag "Wetten, daß" gesehen hat, weiß, was der 25 Jahre alte Blondschopf von Fragestunden hält. Wo er sich wohler fühle, wollte Entertainer Thomas Gottschalk wissen, auf der Prominentencouch des ZDF oder bei Tempo 300 im Cockpit? Räikkönen sagte trocken: "Im Cockpit!"

Teamchef Ron Dennis schätzt diese Bekenntnisse und diese Hingabe. Er hat dem kühlen Blonden einen Freifahrtschein ausgestellt, bot ihm nun eine Vertragsverlängerung über 2006 hinaus an. "Er kann solange bei uns bleiben, wie er will." Das Bekenntnis zur vorbehaltlosen Treue verwundert gerade zu dieser Zeit, denn im Privatleben ließ Räikkönen die Disziplin schon mehr als einmal vermissen. Doch jetzt hat er Oberwasser – und für Michael Schumacher so etwas wie Mitleid übrig. "Wenn Michael auch auf Michelinreifen unterwegs wäre, dann würde er auch vorn stehen." Das sollte nett gemeint sein, er sagte das sehr aufrichtig, aber Schumacher dürfte soviel Mitgefühl wohl als Höchststrafe empfinden. So gesehen gaukeln die Brillanten an Räikkönens Helm etwas vor, was er nicht ist. Räikkönen ist nicht Glamour, Räikkönen ist ein Rennfahrer ohne Schnörkel.

Im Vorjahr übrigens ging die Sache mit den Brillanten gründlich in die Hose. Damals waren die teuren Steine aus derselben Schmiede in die Nasen der Jaguar-Boliden eingefaßt. Während des Rennens fiel durch die Erschütterung ein Juwel aus der Fassung auf den Asphalt und verschwand. Und am Saisonende das ganze Team Jaguar aus dem Fahrerlager.

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