Großer Preis von Silbergstone

Großer Preis von Silbergstone Großer Preis von Silbergstone

Großer Preis von Silbergstone

— 23.03.2002

Rot gewinnt!

Bobby-Car-Rennen - kein Kinderkram, sondern ein Härtetest für ganze Kerle. Das Ziel: Mit Volldampf den Berg runter. Auf Spielzeugkisten. Das Motto: Helm auf zum Gebet. Es geht um alles!

Vorbereitungen wie in der Formel 1

Stellen Sie sich vor: Bernd Schneider und seine Tourenwagen-Stars starten in Hockenheim auf ihren hochgezüchteten PS-Boliden. Und dann kommt da ein Nobody auf einem fast serienmäßigen Astra GSi und ledert alle ab. Ein Märchen? Sicherlich. Doch was sich im Sauerland-Dörfchen Silberg abspielt, geht schon gewaltig in diese Richtung. Nur ein paar Schubladen tiefer: in der Bobby-Car-Rennserie.

Wettfahrten mit den knallroten Rotznasen-Rennern? Klar, zwei Vierjährige, die nebeneinander Papis Garagenauffahrt hinunterrattern... Denkste. Das unkaputtbare Kinderauto hat sich zum Volkssport-Gerät für Erwachsene entwickelt. Und damit weg vom Serienzustand. Natürlich besteht auch hier ein strenges Reglement, das genaue Maße und Gewichte vorsieht - und die werkseitige Karosserie. So will es Bobby-Car-Hersteller BIG, der die Serie sponsert.

Klingt nach Billig-Bastelei. Wer jedoch in der ersten Reihe sein will, muss tief in die Tasche greifen. Oder Ingenieurkunst auf Höchstniveau beweisen. "Allein meine Keramik-Kugellager kosten 1700 Mark", sagt Falk Denke. Der Deutsche Meister von 1998 hat seinen Renner und die eigene Körperhaltung im Windkanal optimiert - bei Ford in Köln und an der Uni Siegen.

Computergefräste Leichtmetallräder und Präzisionslenkungen, unterm Strich bis zu 6000 Mark teuer, runden die Renner ab. Derart gerüstet, ist jede Herausforderung willkommen. Zum Beispiel für Wolfgang Vormberg, den 2000er Meister: Er will demnächst bei "Wetten, dass...?" antreten. Gegen Schorsch Hackl - im Rodelkanal von Winterberg.

Je mehr Masse, desto schneller

Zurück nach Silberg, dem Geburtsort der Bobby-Car-Rennerei. 1. Mai 2001: Als erster Lauf der neuen Saison steht der "Große Preis von Silbergstone" auf dem Programm. Und damit die Nordrhein-Westfalen-Meisterschaft, die die Top-Piloten unter sich ausmachen. Denken jedenfalls die über 4000 Zuschauer: hauptsächlich Familien, aber auch luftig gewandete Mädels mit offensichtlichen Boxenluder-Ambitionen und trinkfeste Junior-Hooligans. Denen Sponsor Krombacher üppig mit Perlen der Natur Nachschub liefert. Ein echtes Volksfest eben.

Der Kurs: 450 Meter der Straße "Zur Weinspitze", die abschüssig Richtung Silberg-Downtown führt. Unzählige Strohballen und Alt-Autoreifen säumen die Piste. Denn bei Geschwindigkeiten von fast 70 km/h sind Abflüge für Fahrer und Fans nicht ungefährlich. Zumal die häufig mit Beton ausgegossenen Bobby Cars 40 Kilogramm auf die Waage wuchten. Schon die ersten Duelle zeigen: Die Spitze liegt eng zusammen. Kaum ein Sieger, der seinem Verfolger mehr als zwei "Wagenlängen" abnehmen kann. Einige Favoriten straucheln, andere unterliegen im Ziel und scheiden aus.

Oben am Start treffen wir Raimond Oppel. Ohne zu ahnen, dass er - der Nobody - heute zum Star werden soll. Auf seinem fast original belassenen Renn-Bobby, der für das Team "Die Seriennahen" (www.bobbycar.rulz.de) startet. "Wenn es regnet", orakelt Raimond mit einem kritischen Blick nach oben, "fliege ich raus. In den Kurven habe ich mit meinen schmalen Vollgummireifen gegen die Profil-Pneus der Profis keine Chance." Außerdem wirft der Rechtspfleger aus Coburg magere 59 Kilo Körpergewicht ins Rennen - ein klarer Nachteil gegen die bärigen Zwei-Meter-Matadoren anderer Teams. Anders als im Motorsport zählt: Je mehr Masse, desto schneller.

Der Platzregen bringt die Entscheidung

Am Nachmittag, zur Halbzeit der Kopf-an-Kopf-Rennen, kommt die Zwangspause: Der Himmel schüttet daumendicke Hagelkörner über Silberg aus. "Jetzt kann ich eigentlich einpacken", seufzt Raimond. Er irrt: Ein letzter Startversuch nach dem großen Guss - und (s)ein überlegener Sieg.

Denn keiner der Champions mit den Hightech-Gefährten hat beim Reifenpoker bedacht: Die breiten Lufträder müssen gegen mehr Wasser ankämpfen als die fipsigen Rollen. Da nützt auch die viel bessere Kurvenlage nichts. Raimond erkennt: Wer auf der Startgeraden Boden gutmacht, ist im Geschlängel vor dem Ziel kaum noch zu schnappen. Und wittert Morgenluft.

Im drittletzten Rennen unterliegt Falk Denke, 1998 noch Meister, gegen den "Seriennahen". Das Halbfinale: Raimond schaltet Michael Kaiser, den Sieger von 1999, aus. Und bezwingt im letzten Rennen des Tages Wolfgang Vormberg, den 2000er Champion. Die Sensation von Silberg ist perfekt.

Am 10. Juni 2001 ist der nächste Showdown: Dann geht es in Daaden (bei Siegburg) um den Rheinland-Pfalz-Titel. Auf dem härtesten Dorfkurs der Bobby-Car-Rennserie: 90-Grad-Kurven, gemeine Gefälle. Da zählt das Material. Schlagen die Technik-Titanen dann zurück? "Bestimmt", sagen Raimond und sein Team: "Wir können nur billig."

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