Grüner Pfeil

Grüner Pfeil: Bilanz nach 20 Jahren

— 04.03.2014

DDR-Ampel-Relikt auf dem Rückzug

In vielen Städten Westdeutschlands freuten sich Autofahrer über den Grünen Pfeil, das DDR-Relikt an Ampeln. Doch 20 Jahre nach seiner Einführung verschwinden viele der Blechschilder.

(dpa/brü) Der grüne Pfeil gehört zu den wenigen Errungenschaften der DDR, die sich dauerhaft in der wiedervereinigten Bundesrepublik durchsetzen konnten: Das kleine Blechschild mit grünem Pfeil auf schwarzem Grund erlaubt vielerorts trotz Rotlicht das Rechtsabbiegen an der Kreuzung. Anfang März 1994 wurde der Grünpfeil in § 37 der Straßenverkehrsordnung aufgenommen und trat danach zunächst einen Siegeszug durch die deutschen Großstädte an. Die Verkehrsplaner setzten große Hoffnung in eine Beschleunigung des Verkehrs. Doch inzwischen werden die Blechschilder an vielen Orten wieder abmontiert.
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Die meisten Grünpfeile gibt es mittlerweile in Westdeutschland. "Weil es dort mehr Großstädte gibt", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), die den Grünpfeil vor zwei Jahren zusammen mit der TU Dresden untersucht hat. Ein Ergebnis: Immer mehr Städte haben den Grünpfeil übernommen, nur 16 von 61 befragten Städten lehnten ihn grundsätzlich ab. Aber nach anfänglicher Euphorie ließ die Begeisterung schnell wieder nach und viele Blechschilder verschwanden nach und nach.

"Bei leichten Unfällen gab es etwas höhere Raten an den Kreuzungen mit Grünpfeil", erläutert Brockmann, etwa durch Auffahrunfälle. Denn rund 77 Prozent der in der Studie beobachteten rund tausend Autofahrer missachteten das Anhaltegebot und fuhren weiter. Außerdem zerschlug sich die Hoffnung auf einen schnelleren Verkehrsfluss. "Der Zeitvorteil war nur minimal und entsprechend der Grünen Welle steht der abbiegende Autofahrer dann länger vor der nächsten roten Ampel."

Blechschilder in Berlin auf dem Rückzug

So wurden etwa in Berlin im Jahr 2007 90 Ampelanlagen von insgesamt 110 Blechpfeilen ergänzt, inzwischen sind es nur noch 69. Den Fachverband Fußverkehr freut es. "Der Grünpfeil ist ein zusätzliches Risiko für den Fußgänger, weil der Autofahrer ja trotz Rotlicht weiterfährt", sagt Geschäftsführer Bernd Herzog-Schlagk. "Wenn der Fußgänger Grün hat, muss er Grün haben – das gilt besonders für Sehbehinderte." In Berlin bekomme der Verband positive Rückmeldungen, wenn er wegen Gefährdung von Senioren oder Radfahrern ein Abmontieren des Schildes fordere. Hamburg war im Jahr 2002 mit mehr als 360 Schildern noch die Hauptstadt des Grünpfeils in der Bundesrepublik. Doch auch dort wurden schon 171 wieder abgeschraubt. Als Hauptgrund nennt die Innenbehörde jedoch nicht gestiegene Unfallzahlen, sondern die zunehmende Einführung verkehrsabhängiger Steuerungen in den Ampelanlagen. Die Schilder müssten zudem aus Sicherheitsgründen abgebaut werden, weil immer mehr Ampelanlagen mit Signalen für Sehbehinderte ausgestattet werden.

Der ADAC sieht den Grünpfeil für den Verkehrsfluss durchaus positiv, "wenn er an gut ausgewählten Kreuzungen mit wenig Fußgängern und Radverkehr eingesetzt wird", sagt Fachreferentin Wiebke Thormann. Für die Autofahrer sei die Regelung durch die unterschiedliche Handhabung in den Städten teils verwirrend. So gibt es Konflikte zwischen Ortsfremden und Einheimischen, die "ihren" Pfeil genau kennen. "Dazu gehört auch, dass der Grünpfeil nachts nicht beleuchtet werden darf, um eine Verwechslung mit dem leuchtenden Grünen Pfeil auszuschließen, der das Abbiegen bedingungslos freigibt", sagt Thormann. Und dann sehen die Autofahrer, die eine Kreuzung nicht kennen, den Blechpfeil im Dunkeln schlichtweg nicht.

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