Bentley

GT Masters: Besuch bei Bentley

— 13.08.2016

Ein GT3 aus der Anstalt

Eine feste Größe im ADAC GT Masters sind die Bentley Continental GT3. Die Autos entstehen im hohen Norden Englands bei M-Sport. ABMS mit Blick ins Werk.

Was für eine bezaubernde Landschaft, dieser Lake District. Kahle, steile Berge, glitzernde Seen. Eine beinahe surreale Szenerie. Rennautos? Motorsport? Nicht hier! Doch! Inmitten dieser Idylle nahe der schottischen Grenze lässt Bentley seine Autos für den GT-Sport bauen. Verantwortlich ist Malcolm Wilson mit seiner hier ansässigen Manufaktur M-Sport.

So pittoresk wie die Landschaft ist der M-Sport-Firmensitz. Ein parkähnliches Areal mit mittelalterlichen Gebäuden. Wieder derselbe Gedanke: Rennautos? Hier? Die Natursteingebäude stammen teils aus dem zwölften Jahrhundert und dienten einst als Anstalt für psychisch Kranke. Eine Mauer um das Gelände verhinderte, dass die Patienten ausbüxten. 1998 kaufte Wilson das brachliegende Anwesen namens Dovenby Hall, führte von hier aus Ford zu vielen Rallye-WM-Siegen und operiert seit 2013 im Auftrag von Bentley. Statt 300 geistig Verwirrter sitzen jetzt die M-Sport-Techniker in Dovenby Hall und tüfteln an den Bentley Continental GT3. Motorsport-Verrückte werkeln hier. Ganz ohne eine Mauer.
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ABMS durfte bei Bentley in die Werkshallen

Mit dem GT3-Programm schreibt Bentley das dritte Kapitel seiner Motorsport-Historie. Unvergessen die „Bentley Boys“, ein Kreis vermögender Enthusiasten, die in den 20er-Jahren mit Siegen in Le Mans und auf dem Oval von Brooklands die Rennwelt aufmischten. Nach einer langen Pause erfolgte 2001 die Rückkehr Bentleys nach Le Mans. Mit Beistand von VW-Konzernschwester Audi gewann man das 2003er-Rennen.

Seit 2014 läuft das GT3-Programm. Dabei vertraut Bentley im ADAC GT Masters auf das Team C. Abt Racing. Gleich drei Autos setzt die Allgäuer Mannschaft ein. Nach den Plätzen vier und elf im fünften von sieben Saisonläufen auf dem Nürburgring liegt Daniel Abt (23) mit 42 Punkten als bester Bentley-Pilot auf Rang elf der Tabelle. Nächstes Rennen: 20. 8. in Zandvoort.

Im Eingangsbereich von Dovenby Hall wähnt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Alte Teppiche, Schrankwände aus dunklem Holz, ein Konferenztisch mit Lederbezug. Nichts ist zu spüren vom oft kalten Tech-Flair einer Motorsport-Fabrik. Dann aber führt uns Andrew Wheatley, Business Development Manager bei M-Sport, in den angrenzenden Workshop.

Eine andere Welt. Da stehen sie, in Reih und Glied: die Bentley Continental GT3. Von einem Serien-Continental bleibt kaum etwas übrig, wenn die M-Sport-Techniker ihn in einen Renn-Bentley verwandeln. Nicht einmal die Rohkarosse wird 1:1 übernommen. Denn das Dach darf aus Carbon nachgebaut werden. Auch deshalb wiegt der Renn-GT nur 1300 Kilogramm – halb so viel wie ein Serien-Continental.
Die Lederriemen zum Zuziehen der Türen stammen aber ebenso aus dem Serienauto wie die Schaltwippen am Lenkrad. „Ein Renn-Bentley soll sich für den Piloten anfühlen wie ein echter Bentley“, sagt Andrew Wheatley.

Grundsätzlich bietet das GT3-Reglement den Technikern viele Freiheiten. Im Continental GT3 etwa wandert die Getriebe-Lichtmaschine-Einheit für eine bessere Gewichtsverteilung von der Front – hier befindet sich der Motor – ins Heck des Fahrzeugs.

Es wird laut: der Motoren-Prüfstand. Gerade röhrt hier ein Triebwerk aus einem verunfallten Bentley. Die Techniker müssen herausfinden, ob der Motor beim Crash etwas abbekommen hat. Es folgt die Abteilung Entwicklung. Beispiel Überrollkäfig: Für den GT3-Bentley wurden 50 Käfig-Entwürfe am Computer ausgetüftelt, 30 davon gebaut und getestet. Einer blieb übrig.

Dann präsentiert Wheatley die Dreherei. 20 Prozent der am GT3-Bentley verbauten Teile stellt M-Sport selbst her. „Bauteile gehen in einem Rennauto wegen eines Herstellungsfehlers entweder sofort kaputt oder wegen Ermüdung gegen Ende ihrer Einsatzzeit. Beides gilt es auszuschließen“, erklärt er.

Und weshalb diese Fabrik, hier im hohen Norden Englands? Es gibt doch das „Motorsport Valley“ bei Silverstone! Bentleys Motorsport-Boss Brian Gush lacht: „Dort unten springen viele Techniker von einem Team zum nächsten. Oft fehlt die Identifikation mit den Projekten. Hier nicht. Wer bei uns arbeitet, kommt meist von hier und bleibt auch hier.“

Autor: ABMS

Fotos: Hersteller

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