Gumball 3000

Gumball 3000 Gumball 3000

Gumball 3000

— 19.06.2006

Fahren und feiern

Die verrückteste Rallye der Welt führte dieses Jahr von London nach Los Angeles. Die Gumball 3000 ist eine einmalige Chance für Superreiche, ihre vierrädrigen Spielzeuge unter ihresgleichen auszufahren. Wir fuhren für einen Tag mit.

Schwerreiche Outlaws in Supersportwagen?

Dumm gelaufen: Der Besatzung des Camouflage-Rolls-Royce gelang es am dritten Tag der Gumball-Rallye, ihr Fahrzeug zu zerstören. Ein zweiter Phantom – natürlich fabrikneu – war zwar schnell geordert. Seine Anlieferung ließ jedoch zwei Tage auf sich warten. Zur Überbrückung griff die Crew auf öffentliche Verkehrsmittel zurück – und spulte 1000 Meilen mit dem Taxi ab. Solche Geschichten – ob wahr oder nicht – begründen den Mythos des nun schon zum achten Mal ausgetragenen Gumball-Straßenrennens. Den Mythos von schwerreichen Outlaws in Supersportwagen, die, wenn sie nicht gerade ihre Autos zu Klump fahren, mit Tempo 300 auf dem Standstreifen an Brummikolonnen vorbeidonnern.

Die Realität wirkt weniger anarchistisch – zumindest in Wien, dem ersten Zwischenstopp nach dem Start in London. Als wir frühmorgens an der Stadtautobahn lauern, begegnen uns zwei Gesetzeshüter. Nach der Installation ihrer Radarfalle nehmen sie sich Zeit, unsere Fragen zu beantworten. Gerüchteweise wollen sie zwar von einem Gumball-Raser gehört haben, der letztes Jahr auf österreichischem Hoheitsgebiet mit 237 km/h aufgefallen sein soll – innerorts. Hoffnungen, einen ähnlich dicken Fisch zu angeln, hegen sie jedoch nicht.

"Bereits im letzten Jahr hat die Rallye in Wien Station gemacht. Kein einziger Teilnehmer fiel wegen überhöhter Geschwindigkeit auf", beteuert Revierinspektor Schwarz. Der Moderator des Wiener Frühstücksradios bemüht sich trotzdem, Panik zu schüren. In eindringlichem Ton warnt der Sprecher die Stadtbevölkerung vor den durchgeknallten Rowdys des "illegalen Straßenrennens". Frei nach dem Motto: "Mütter, holt die Kinder rein!"

1400 Kilometer nonstop durch Europa

Als wir am Kursalon Hübner in der Innenstadt eintreffen – hier wollen die Gumballer frühstücken – wimmelt es von Polizisten. Die gedenken jedoch nicht, die tollkühnen Piloten in ihren fliegenden Kisten festzusetzen. Vielmehr sind die freundlichen Helfer bemüht, die jubelnden Volksmassen von der Erstürmung der Strecke abzuhalten. Gegen neun Uhr treffen die ersten Piloten ein. Mit glasigem Blick und gequältem Lächeln entsteigen die Teilnehmer ihren Fahrzeugen. Am Abend zuvor sind sie in London gestartet – und die rund 1400 Kilometer fast nonstop durchgefahren.

Einzige Unterbrechung: Tankstopps. Und davon muß es eine Menge gegeben haben: Keines der teilnehmenden Fahrzeuge macht den Eindruck eines Kostverächters. Lamborghini Murciélago und Mercedes SLR sind so häufig vertreten, als würden sie momentan zu Ramschpreisen verleast. Die Marke Porsche ist beim Gumball-Rennen so verbreitet wie der VW Golf im deutschen Straßenbild. Porsche-Fahrer Mike hat – um sich abzuheben – seinen Carrera 4S in Grellorange lackiert.

Der juvenile Gumballer schlägt recht spät in Wien auf. Nicht ohne Grund: "Ein Streifenwagen hat mich angehalten – wegen einer klitzekleinen Geschwindigkeitsübertretung. Die 40 Euro Geldbuße hatte ich schnell gezahlt. Aber dann wollten die Polizisten noch ein Gruppenfoto. Erst als ich ihnen Gumball-T-Shirts schenkte, konnte ich mich loseisen." Während Mike erzählt, entfernt er den ansehnlichen Müllberg aus Schokoriegelverpackungen und Red-Bull-Dosen aus dem Fußraum seines 911ers.

Die Party ist genauso wichtig wie das Rennen

Allen Gumball-Teilnehmern ist gemein, daß sie ein sehr unkompliziertes Verhältnis zu ihrem Auto pflegen. Das Fahrzeug dient als reiner Gebrauchsgegenstand. Und der muß funktionieren. Vielleicht brauchen Lambo und Konsorten eine solch respektlose Behandlung: Denn die Supersportwagen-Fraktion verkneift sich jegliches divenhafte Gehabe und erstaunt mit ungeahnter Zuverlässigkeit.

Von Wien aus geht es weiter nach Budapest. Hier wird für die Nacht Quartier bezogen. Der Party räumen die Gumballer traditionell den gleichen Stellenwert ein wie der Fahrerei. Am Abend geht es deshalb in den angesagtesten Club der Stadt – das Moulin Rouge. Hier versuchen sich die Gumballer mit einheimischen Schönheiten auf dem Gebiet der Völkerverständigung. Am nächsten Morgen bricht der Pulk dann gen Belgrad auf – dem letzten europäischen Halt.

Am Schluß wird ein (Möchtegern-) Polizist die Rallye gewinnen – als wäre rund um das Event nicht schon genug Obrigkeit aktiv gewesen. Alex Roy vom "Team Polizei" krönt sich zum Gesamtsieger – in fünf von acht Etappen fuhr er mit seinem "Bahama Tax Police"-Continental GT als erster durchs Ziel. Aufgrund seines satten Vorsprungs konnte er es sich sogar erlauben, bisweilen von der vorgesehenen Route abzuweichen. Ob er sich im Rahmen eines solchen Abstechers tatsächlich mit burmesischen Grenzschützern anfreundete, die ihn aufgrund seines martialischen Gefährts und der auffälligen Phantasieuniform für einen UN-Inspektor hielten, läßt sich nicht endgültig klären. Eine gute Gumball-Story ist es aber allemal.

Autor: Ben Arnold

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