Hacker knacken Auto-Software

Hacker knacken Auto-Software

— 19.05.2010

Tödliche Datenflut im Auto

US-Wissenschaftler haben mit einfachen Mitteln die Elektronik eines aktuellen Autos manipuliert. Bremse und Gaspedal gehorchten plötzlich nicht mehr dem Fahrer – sondern den Piraten!

Wissenschaftler der Universitäten von San Diego und Washington haben es geschafft, sich in die Bordelektronik von modernen Fahrzeugen zu "hacken". Als Zugang diente ihnen die "OBD-II"-Schnittstelle (On-Board-Diagnose), die von Werkstätten unter anderem zum Auslesen des bordeigenen Fehlerspeichers genutzt wird. Die selbstentwickelte Software zum Hochladen neuer Programmzeilen haben sie "CarShark" getauft. Damit sind die wissenschaftlichen Hacker nicht nur in der Lage, das Licht ein- und auszuschalten, die Zentralverriegelung zu bedienen und die Instrumentengrafik zu manipulieren – sie können sogar direkt in Brems- und Beschleunigungsvorgänge eingreifen. Heißt im Klartext: Wer will, kann die Bordelektronik eines Autos so umprogrammieren, dass es später zu einem Unfall kommt – ohne, dass der arglose Fahrer etwas daran ändern könnte.

Richtig gefährlich wird's im drahtlosen Netzwerk

Tag der offenen Tür: Wer will, der kann über die Schnittstelle der On-Bord-Diagnose jede Menge Schaden anrichten.

Wenn man bedenkt, was in modernen Autos heutzutage schon so alles über Computerchips gesteuert wird, dann offenbart sich eine schleichende Gefahr. Abstands- und Notbremsassistenten müssen selbstverständlich in der Lage sein, ohne Zutun des Fahrers zu beschleunigen oder zu bremsen. Einpark-Assistenten drehen sogar selbstständig am Lenkrad. So gesehen ist die Möglichkeit der lebensgefährlichen Manipulation also längst keine Fiktion mehr. Trotzdem sehen die ehrenwerten Hacker im Dienste der Wissenschaft das Thema aktuell noch nicht ganz so verkniffen. Solange das Auto vor dem schädlichen Eingriff noch per Schlüssel geöffnet werden muss, beruhigen sie, müsse man sich keine Sorgen machen. Vielmehr solle ihr Experiment von den Autoherstellern als Warnruf verstanden werden, die Fahrzeuge der Zukunft nicht ohne entsprechende Sicherheitssysteme zu konstruieren. Spätestens dann nämlich, wenn der Zugriff auf den Bordcomputer drahtlos funktioniert, zum Beispiel per W-LAN oder übers Mobilfunknetz, werde es ohne strengste Sicherheitsbedingungen nicht mehr gehen.

Und dann wäre da noch Bluetooth ...

Ein paar Sorgenfalten treiben uns die Autohacker dann doch bereits jetzt auf die Stirn. Viele Fahrzeuge sind schon heute mit dem drahtlosen Bluetooth-System ausgestattet, mit dem Freisprechanlagen nicht nur Sprachsignale zwischen Handy und Autoradio übertragen, sondern auch Telefonbuchdaten oder ganze Musiktitel im digitalen MP3-Format. Diesen Weg haben die US-Wissenschaftler zwar nicht für ihre kleine illegale Netzwerk-Party gewählt – aber mit Sicherheit sind längst schon andere Hacker auf diese Idee gekommen.

Autor: Michael Voß

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