Mika Häkkinen

Häkkinen-Interview

— 16.12.2009

"Michael ist immer noch gut"

Der ehemalige Formel-1-Pilot Mika Häkkinen über das mögliche Comeback von Ex-Rivale Michael Schumacher und sein eigene Zukunft in der DTM.

Auto Bild Motorsport: Herr Häkkinen, jeder spricht derzeit über ein Comeback von Michael Schumacher im Mercedes. Warum fragt eigentlich niemand Sie?
Mika Häkkinen: Vielleicht haben sie mich ja gefragt! Im Ernst: Ich habe Mercedes schon mehrmals klar zu verstehen gegeben, dass ich nicht wieder Formel 1 fahren will. Man kann darüber Witze machen. Die sind dann aber nicht ernst gemeint. Ich habe 2001 mit der Formel 1 aufgehört. Das ist lange her!

Können Sie sich denn vorstellen, dass Michael zurückkommt?

Mika Häkkinen holte 1998 und 1999 im McLaren-Mercedes den WM-Titel in der Formel 1.

Natürlich. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Immerhin hat er dieses Jahr schon einmal darüber nachgedacht. Aber wenn er das tut, ändert sich sein ganzes Leben. Das muss er dann wieder dem Rennsport, der Formel 1 widmen. Aber das garantiert ihm noch lange keinen Erfolg. Die Reifen haben sich verändert, die Motoren, die Autos. Nächstes Jahr wird sich das Reglement noch einmal verändern. Außerdem ist Michael drei Jahre älter als bei seinem letzten Rennen. Es gibt also viele Bausteine, über die er jetzt gründlich nachdenken sollte. Die wichtigste Frage: Was bringt es ihm, wenn er jetzt zurückkommt? Auch ich habe immer wieder darüber nachgedacht, denn ich wurde immer wieder danach gefragt.

Wann zuletzt?

Ich glaube letztes Jahr. Aber ehrlich: Das wäre ein tolles Weihnachtsgeschenk für die Formel 1, wenn Michael zurückkäme. Die Fans würden ausflippen. Weltweit würde die Formel 1 positive News produzieren. Das wäre toll, denn gerade in diesem Jahr gab es zu viele negative Nachrichten.

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Mika Häkkinen gab 2005 sein Comeback nicht in der Formel 1, sondern in der DTM.

Würden Sie Michael ein Comeback empfehlen?

Er ist der Einzige, der das entscheiden kann. Wenn ich ein 41-jähriger siebenmaliger Weltmeister wäre, der damit die nächsten drei, vier Jahre seines Lebens verändert, würde ich nein sagen. Aber Michael ist vielleicht in einer anderen Positio. Vielleicht ist es einfach sein Traum, wieder Formel 1 zu fahren. Vielleicht füllt ihn derzeit noch nichts anderes aus.

Warum haben Sie Ihr Comeback in der DTM gegeben?
Ich habe das Fahren vermisst – wie verrückt. Rennfahren fühlt sich fantastisch an. Und ich hatte eine gute Zeit in der DTM. Ich wollte Spaß haben und den Leuten zeigen, dass ich es noch kann.

Aber warum die DTM, nicht die Formel 1?

Ich habe eine Liste aufgestellt. Auf der einen Seite stand die DTM, auf der anderen die Formel 1. Die DTM hatte mehr Argumente für mich als die Formel 1. Denn dort hast du noch weniger Garantien als in der DTM. Ich will den Traum vom Schumacher-Comeback nicht zerstören. Aber er sollte genau drüber nachdenken.

"Vielleicht hat das Geld eine Rolle gespielt"

Wenn Sie ein Teamchef wären, hätten Sie ihn denn auch gefragt?
Natürlich! Er ist immer noch gut, absolut!

Was haben Sie gedacht, als Sie hörten, Mercedes kauft Brawn und trennt sich von McLaren?
Mercedes hat in der Formel 1 immer großartige und richtige Entscheidungen getroffen. Sie haben großartige Resultate erreicht – mit Lewis Hamilton, mit mir und auch mit Kimi waren sie dicht dran. Jetzt gibt es einen neue Herausforderung in der Formel 1. Die Mercedes-Truppe hat unglaublich viel Können und Erfahrung. Ich wüsste nicht, warum sie keine großartigen Resultate als Silberpfeil-Team einfahren sollten. Sie arbeiten so, dass sie die WM holen werden. Nächstes Jahr oder später.

Können Sie Jenson Buttons Entscheidung verstehen – von Mercedes zu McLaren zu wechseln?
Er hat definitiv seine Gründe. Ich habe aber nicht mit ihm gesprochen, kenne diese also nicht. Ich selbst kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Aber vielleicht hat das Geld ja doch eine Rolle gespielt.

Wie sehr leidet Lewis Hamilton unter der Trennung? Immerhin hat er eine sehr enge Beziehung zu Mercedes gehabt?
Naja, McLaren bekommt ja immer noch die Motoren. Und die werden nicht schlechter sein als die von Mercedes GP. Das wäre das größte Problem. Das existiert aber nicht.

Und was denken Sie über Nico Rosbergs Zukunft?
Nico ist in einer großartigen Position. Er hat schon ein paar gute Resultate gezeigt.

Wissen Sie eigentlich, dass Sie sein großer Held waren? Nicht Michael?
Das hat mich viel Geld gekostet (lacht). Im Ernst: Nico hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Jetzt ist er in der Situation, in der er Leistung bringen muss und auch kann.

Welchen Fahrern würden Sie – unabhängig von Michael – das zweite Mercedes-Cockpit geben?
Wenn man sich den Fahrermarkt anguckt, gibt es da gar nicht mehr so viele Möglichkeiten. Die Aufgabe der Fahrer ist es, das Auto zu entwickeln, Punkte zu holen, Rennen zu gewinnen, PR-Auftritte zu absolvieren. Aber ich habe keine Ahnung, wie ich die Frage beantworten soll.

Autor: Ralf Bach

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