AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

Härtetest Audi A3 2.0 TDI Härtetest Audi A3 2.0 TDI

Härtetest Audi A3 2.0 TDI

— 11.01.2005

Das große Fressen

Autobahn und Alpenpässe. Kopfsteinpflaster und Kälte. Schotter und Serpentinen. 6299 Kilometer durch fünf Länder. Mit AUTOMOBIL TESTS.

Sportback für Reisen die bessere Wahl

Es ist noch dunkel, als wir die Kofferräume des Audi A3 und der Mercedes-Benz E-Klasse beladen. Start für den AUTOMOBIL TESTS-Härtetest Richtung Süden. Nach Gibraltar und wieder zurück soll es gehen, insgesamt 6299 Kilometer. Die Route führt durch die Schweiz, Frankreich, Andorra und Spanien, über Landstraßen, Autobahnen, Serpentinen und durch Städte. Dabei wollen wir die Stärken und Schwächen der meistverkauften Variante und unseres Favoriten aus der großen A3-Kaufberatung (Heft 11/2003) checken – also den 2.0-TDI-Turbodiesel mit 140 PS, 320 Newtonmeter Drehmoment und Sechsgang-Schaltgetriebe.

Als Ausstattung dient die Variante Ambition, verfeinert unter anderem mit Lederausstattung, Navigationssystem, Klimaautomatik und Xenonlicht. Kostenpunkt: 33.585 Euro. Nur leider in der dreitürigen Version. Das fällt gleich beim Beladen negativ auf: Zwar ist der Kofferraum mit 350 Liter Volumen groß genug für den Trip in den sonnigen Süden, und die Klappe öffnet weit nach oben. Die Rücksitzbank ist aber trotz Easy-Entry-Funktion umständlich zu erreichen. Der fünftürige Sportback für 650 Euro Aufpreis wäre die praktischere Wahl gewesen, das wird schon vor Fahrtantritt deutlich.

Auf der Autobahn A6 Richtung Heilbronn ist das erst mal Nebensache. Wir wollen schnell nach Genf in die Schweiz. Die sechs Gänge werden zügig durch die engen Schaltgassen geschoben, und ein bis 4000 Umdrehungen konstanter Schub drückt den A3 nach vorne. Zwar wirken nur 140 PS auf die Kurbelwelle, doch dank satten Drehmoments fühlt sich die Leistung nach deutlich mehr an. Trotz Winterreifen erreicht der A3 problemlos die angegebene Spitze von 207 km/h und hängt gierig am Gas.

2,0-Liter-TDI ist ein echter Dampfhammer

Den Spurt auf 100 km/h erledigt der A3 in neun Sekunden. Für Überholvorgänge muß aber in den fünften Gang zurückgeschaltet werden, der sechste senkt lediglich die Drehzahl. Das spart Kraftstoff und vermindert das Geräuschniveau. Eine wirkliche Alternative zu diesem Dampfhammer gibt es beim A3 unserer Meinung nicht, auch wenn er seine Rußpartikel ungereinigt in die Umgebung bläst. Ein Filter wird aber in diesem Jahr noch als Option angeboten. Den starken Durchzug erreichen die beiden Ottomotoren mit dem gleichen Hubraum nicht.

Zwar paßt das manuelle Schaltgetriebe von der Übersetzung gut zum TDI, noch besser ist aber die Entscheidung für das Direktschaltgetriebe DSG mit sechs Fahrstufen: "DSG ist wirklich der Hammer. Es harmoniert sehr gut mit dem Dieselmotor und bietet echten Fahrspaß", bestätigt A3-Besitzer Marc Armstrong. Das Getriebe mit zwei Kupplungen ermöglicht Schaltvorgänge ohne Schubkraftunterbrechung, indem es den nächsten Gang bereits "vorwählt". Dabei ist der Verbrauch nur wenig höher als mit Schaltgetriebe. Nachteile: DSG ist nur mit dem 2.0 TDI, 2.0 TFSI oder dem 3.2 quattro kombinierbar und kostet zwischen 1850 und 1980 Euro extra.

Auf den ersten paar hundert Kilometern feilen wir noch an der richtigen Sitzposition hinterm Lenkrad, das durch Höhen- und Weitenverstellung individuell angepaßt werden kann. Die Sitze wirken zwar ausgesprochen straff, bieten aber dafür viel Seitenhalt und sind selbst auf Dauer noch bequem. Nach den nötigen Einstellarbeiten paßt der A3 seinem Fahrer wie ein Maßanzug. Er zwickt nirgends, ist einfach nur bequem. Für einen Kompakten bietet der Audi viel Platz für Beine und Kopf – zumindest in der vorderen Reihe.

Sportfahrwerk liegt nicht jedem

Ungewohnt auf den ersten Kilometern ist die straffe Feder-Dämpferabstimmung. Serienmäßig hat die Ambition-Linie ein Sportfahrwerk. Und genau so fühlt es sich an. Auf Autobahn und glatten Landstraßen liegt der A3 zwar wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, auf unebenem und schlechtem Belag gelangen polternde Stöße aber fast ungefiltert ins Rückenmark. Kritik, die Leser Daniel Lamprecht bestätigt: "Das Fahrwerk ist viel zu straff für ein Serienauto." Bei Michael Schultze mußten die Dämpfer nachträglich getauscht werden, da sein A3 "stark hüpfte". Das Sportfahrwerk können wir deshalb nur Fahrern mit starker Rückenmuskulatur empfehlen. Unser Tip: Lieber das Normalfahrwerk ordern, kostet auch keinen Aufpreis.

Bei Fahrten mit konstanter Geschwindigkeit, wie auf schweizerischen oder französischen Autobahnen, fallen die hohen Wind- und Abrollgeräusche auf. Zwar könnte das an den montierten Winterreifen liegen, aber auch Leser Andreas Hron findet "die Abrollgeräusche stets präsent" und "die akustische Entkopplung des Fahrwerks nicht gelungen, auch nicht mit anderen Reifen. Ab Tempo 140 nehmen die Windgeräusche zu", so Hron.

Nach kurzem Stopp am Genfer See und ohne den Genuß des leckeren Käse-Fondues geht es über die mautpflichtigen Autobahnen von Lyon nach Montpellier. Zeit für eine entspannte Reise, wäre da nicht ein plötzlich auftretendes Trällern: hochfrequent, bei konstanter Geschwindigkeit ab 130 km/h und unter Last. Nicht laut, aber omnipräsent. Im Laufe der Fahrt wird daraus ein Dauerton. Wie sich später in einer Audi-Werkstatt herausstellt, ist das keineswegs das Pfeifen des Turboladers, sondern ein "Ladeluftkühler-Ansaugstrecken-Geräusch, das durch Schwingungen entsteht". Audi nennt das "Kaudern", wir sagen einfach nervig. Ärgerlich: Mit der Störung müssen A3-Fahrer leben, Abhilfe gibt es angeblich nicht.

Gute Innenausstattung und Verarbeitung

Lobenswert hingegen die Innenausstattung und Verarbeitung unseres Testwagens. Alles sitzt leicht erreichbar an seinem Platz, die Mehrzahl der Schalter und Bedienelemente ist ergonomisch gestaltet, und nichts klapperte. Die Praxis zeigt aber, daß das nicht die Regel ist. Zwar lobt Leser Michael Schultze die vorbildliche Bedienung und relativ hochwertigen Materialien. "Die sind allerdings zum Teil schlecht verarbeitet. Die Innenverkleidung mußte mehrmals nachgebessert bzw. erneuert werden."

Dagegen lobt Marc Armstrong: "Der Innenraum ist sehr hochwertig und die Verarbeitung klasse. Anmutung und Haptik sind auch Spitze." Deutlich und klar zu erkennen sind vor allem bei Nacht die Ziffern von Tacho und Drehzahlmesser. Selbst auf dem langweiligen Autobahnstück von Montpellier nach Perpignon werden die Augen nicht irritiert. Gut: die Position des Radios auf Lenkradhöhe. Schade nur, daß die Klimaautomatik weit unten plaziert ist.

Am nächsten Morgen wird die Klimaanlage nicht benötigt. Knapp fünf Grad zeigt das Bordthermostat. Der Audi springt etwas mühsam an, nagelt laut und störend und benötigt einige Zeit, um sich in ein nur noch pochendes Klopfen einzustimmen. Das könnte unserer Meinung nach auch etwas dezenter gehen. Wurde gestern die Langstreckentauglichkeit auf Autobahnen bei Höchst- und Reisegeschwindigkeit geprüft, stehen heute Bergetappen mit Serpentinenhatz auf dem Programm. Auf nach Andorra, dem Kleinstaat in den Pyrenäen.

Niedriger Verbrauch trotz flotter Fahrweise

Nach 50 Kilometern auf flachen Landstraßen kommen die ersten Berge – und Esel. Die schauen nur verständnislos hinterher, als wir uns bereit machen. Der Motor ist warm, der Ölstand okay, und die Reifen sind auf Temperatur. Was jetzt kommt, hat wenig mit biederer Kompaktklasse zu tun. Vielmehr kitzeln wir den durchtrainierten Sportler unter dem Blechkleid hervor: Vor den Kurven leicht Anbremsen, einen Gang zurückschalten, darauf achten, daß der Motor im Turbolader-Bereich liegt und dann im Scheitelpunkt der Kurve wieder voll aufs Gas – das macht Laune!

Wird der optimale Drehzahlbereich verpaßt, kommt der Vierzylinder mit einer deutlichen Anfahrschwäche aber nur mühsam aus dem Leistungsloch heraus. Ein zuerst dicht auffahrender Peugeot 206+ 2.0 RC mit 177 PS hat nach der dritten Kurve große Mühe mitzukommen, trotz der verbissenen Fahrweise des Franzosen. Die scheinbar bei niedrigen Geschwindigkeiten unpräzise und leichtgängige Lenkung wird bei höherem Tempo straffer und direkter. Erstaunlich, daß der kleine Audi selbst mit den Winterreifen noch sportlich durch die Kurven zu lenken ist und nur bei übertriebener Fahrweise über die Vorderachse schiebt.

Erfreulich nach der Kurvenhatz: der niedrige Verbrauch von 6,4 Liter Diesel. Trotz flotter Fahrweise bleibt der Direkteinspritzer sehr genügsam. Zwischen 5,73 und 7,15 Liter genehmigt er sich. Auf 6299 Kilometern verbrannten 399,87 Liter plus 1,1 Liter teures Longlife-Motoröl (20,99 Euro/Liter), was einen Durchschnittsverbrauch von 6,34 Liter ergibt – weniger als auf unser genormten Verbrauchsrunde in Deutschland mit Sommerreifen. Dort waren es 6,9 Liter.

Die Luft wird dünner, der Diesel müht sich

Wir lassen die Gipfel von Andorra zurück und fahren Richtung Barcelona. Nach winterlichen Temperaturen soll nun der A3 zeigen, wie er sich in sommerlicher Umgebung, im Stau und Stadtverkehr schlägt. Jetzt offenbart sich, daß der Dreitürer wirklich die schlechtere Wahl ist. Wir legen unsere Jacken ab und schmeißen sie einfach nach hinten – und so sieht die Rücksitzbank auch aus: wie bei "Hempels unterm Sofa". Beim Ein- und Aussteigen verrenkt man sich leicht, und im dichten Stadtverkehr von Barcelona behindert die breite B-Säule den Blick zur Seite und nach hinten. Um kratzerfrei die Spur zu wechseln, muß der Oberkörper die Sitzlehne verlassen. Außerdem sind die Fensterheber an der Fahrertür zu weit hinten plaziert. Ein lässiges Auf und Zu kann man vergessen. Die Hand mitsamt allen Fingern muß zum Betätigen des Schalters weit nach hinten gezogen werden. Durchdachte Ergonomie sieht anders aus. An sich nur Kleinigkeiten, die aber auf langen Fahrten nerven können.

Raus aus dem Großstadttrubel und wieder rein in die Berge: Jetzt peilen wir die Sierra Nevada mit dem Pico de Veleta und Europas höchstgelegener Paßstraße an. Zugleich stark frequentierte Teststrecke vieler Autohersteller. Einfach ideal auch für uns. Auf fast 3000 Meter Höhe wird die Luft spürbar dünner. Der Diesel müht sich mit dem voll beladenen Audi ab, und die Winterreifen stoßen bei zwölf Grad Außentemperatur bereits schnell an ihre (Haft-)Grenzen.

Auf dem Weg zur britischen Kolonie Gibraltar steigt das Thermometer noch weiter: 20 Grad Celsius zeigt uns der Bordcomputer am berühmten Affenfelsen an. Den Blick über die 16 Kilometer schmale Meerenge auf den afrikanischen Kontinent gönnen wir uns noch, Muße für einen Kaffee bleibt aber nicht. Die Zeit drängt. Den Rücken schnell gedehnt, ein paar Fotos geschossen, schon programmieren wir die Rückroute ins Navigationssystem. Auf dem schnellsten Weg über die Atlantikküste nach Nürnberg sind es 2696 Kilometer – mit kleinen Umwegen für Fotofahrten noch etwas mehr.

Ohne Rückenschmerzen zieht es uns noch mal nach Granada, vielmehr auf den Pico de Veleta, unsere Lieblingsstrecke mit dem A3. Dann treten wir die endgültige Heimreise an. Wohlwissend, daß der 2.0 TDI eine gute Wahl ist, träumen wir von einem fünftürigen Sportback mit DSG. Praktisch ist die Ambition-Ausstattung ab 26.950 Euro, angenehm die Klimaautomatik und das CD-Radio. Denn wer weiß, wie lange Sie mit ihrem Auto unterwegs sind.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Fabian Hoberg Trotz straffer und gewöhnungsbedürftiger Federung ist der Audi A3 2.0 TDI Ambition bequem. Beim Motor bleiben wir bei der Kaufberatungs-Empfehlung – allerdings mit DSG. Und da mittlerweile der fünftürige Sportback lieferbar ist, würden wir ihn dem Dreitürer vorziehen.

Ihre Meinung zum Audi A3 2.0 TDI

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Audi A3 2.0 TDI. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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