Haftpflicht-Schaden

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Haftpflicht-Schaden

— 20.03.2003

Mietwagen oder Bares?

Ein kaputtes Auto kann richtig Geld bringen – bis zu 99 Euro täglich zahlt die Haftpflicht.

Schadenminderung ist Pflicht

Ärgerlich: Das Auto steht nach einem Unfall in der Werkstatt. Erfreulich: Von der gegnerischen Haftpflichtversicherung gibt es ein Trostpflaster. Und der Geschädigte kann sogar zwischen zwei Varianten wählen: dem üblichen Mietwagen oder Bargeld, dem so genannten Nutzungsausfall. Dieses Geld soll über die autolose Zeit hinweghelfen, die Mobilität des Geschädigten erhalten.

Wer ein Auto überwiegend in der Stadt einsetzt, kann vom Nutzungsausfall Bus, Bahn oder Taxi bezahlen – und behält am Ende oft noch Geld übrig. Auch die Versicherungen zahlen statt eines Mietwagens das Tagegeld gern, weil sie dabei in jedem Fall Kosten sparen. "Rund 45 Prozent unserer Anspruchsteller nehmen aktuell den Nutzungsausfall", erklärt Manfred Florian von der Deutschen Allgemeinen Versicherung (DA direkt), "grundsätzlich hat der Geschädigte aber freie Wahl."

Mit einer Ausnahme: Wird der gewählte Mietwagen kaum eingesetzt, verstößt der Geschädigte gegen seine Pflicht zur Schadenminderung. Die schreibt vor, dass er die Kosten für die Unfallregulierung nicht mutwillig in die Höhe treiben darf. Wer mit dem Mietwagen im Durchschnitt täglich nur 20 Kilometer fährt, hat deshalb keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten durch die Versicherung, entschied das Landgericht Baden-Baden (Az. 1 S 20/02).
Im Überblick: Alles zum Thema Kfz-Versicherung

Nutzungsausfall nach Schwackeliste

Die Wahl des Nutzungsausfalls ist auch ratsam, wenn die Verteilung der Unfallschuld noch nicht geklärt ist. Denn kommt es vor Gericht etwa zu einer hälftigen Teilung der Schuld, erhält jeder Geschädigte die Hälfte des Nutzungsausfalls von der anderen Versicherung ausgezahlt. Wurde dagegen ein Mietwagen genommen, muss die Hälfte der Rechnung aus eigener Tasche gezahlt werden.

Den Nutzungsausfall gibt es für die Tage, die der beschädigte Wagen laut Gutachten in der Werkstatt stehen muss. Hat das Auto einen Totalschaden, gibt es das Geld für den Zeitraum, der im Durchschnitt für die Beschaffung eines gleichwertigen Gebrauchten nötig ist. Die Höhe des Tagessatzes ist festgelegt in der Schwackeliste "Nutzungsausfallentschädigung" (39,90 Euro bei www.schwacke.de). Darin sind die Sätze für 19.882 Automodelle festgesetzt, neben Pkw auch für Geländewagen und Transporter.

Grundsätzlich gilt: Baureihen mit einer Vielzahl von Modellen, wie etwa der Golf, können sich über mehrere Klassen verteilen. Je höher Motorisierung und Ausstattung, desto höher die Klasse. Und: Diesel rangieren meist über Benzinern, Kombis und Cabrios über Limousinen, Vans über Kombis. Ganz nach Nutzwert eben.

Eine auszugsweise Übersicht zum Nutzungsausfall in elf Fahrzeuggruppen erhalten Sie zum Preis von 1,00 Euro über unser Heftarchiv. Klicken Sie auf diesen Link, und Sie gelangen zum Download-Bereich.

Unfall: Das steht Opfern zu

Das deutsche Schadenersatzrecht ist im europäischen Vergleich Spitze. Neben einem Mietwagen oder Nutzungsausfall stehen dem Geschädigten bei einem Unfall mit Sachschaden von der Haftpflicht des Unfallschuldigen zu:

• Bei Schäden von mehr als 1000 Euro die Aufnahme des Schadens durch einen anerkannten Gutachter nach Wahl des Geschädigten. Bei geringeren Schäden reicht ein ausführlicher Kostenvoranschlag einer Markenwerkstatt, die Gebühren muss die Versicherung zahlen.

• Fachgerechte Reparatur in einer Markenwerkstatt nach Wahl mit Einbau von Marken-Neuteilen.

Merkantiler Minderwert, da ein Unfallwagen auf dem Gebrauchtwagenmarkt meist einen geringeren Preis erzielt. Fahrzeuge, die älter als fünf Jahre sind oder mehr als 100.000 Kilometer Laufleistung aufweisen, sind in der Regel von Wertminderung ausgeschlossen.

Schadenersatz für zerstörte Sachen, etwa Kleidung und Ladung.

• Eine Pauschale von 20 Euro für Auslagen, die nicht zu belegen sind, etwa für Telefon-, Kopier- und Korrespondenzkosten.

• Der Geschädigte kann auch einen Anwalt seiner Wahl mit dem Fall betrauen, auch wenn die Versicherung mit der Bearbeitung des Falles oder der Leistungserbringung nicht in Verzug ist.

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