Handlingvergleich, Teil 2 — 16.08.2011
Schlüsselerlebnis
Drei Acht- und ein Zehnzylinder kämpfen um den Titel des Handlingmeisters. Leistung satt und fein abgestimmte Fahrwerke sind gefragt. Und am Ende wird zusammengerechnet.
Handlingvergleich, Teil 1: Die kompakten Sportler
Und diese vier Supersportler treten gegeneinander und das Quartett der letzten Ausgabe an: Der Audi R8 GT, einziger Allradler im Vergleich, setzt auf einen leistungsgesteigerten Motor (von 525 auf 560 PS), eine im Vergleich zum R8 von der Stange um 100 Kilogramm erleichterte Karosserie und (optionale) Semislicks (Pirelli P Zero Corsa). Rein optisch teilt er sich mit großem Flügel, (optionalem) Käfig, Feuerlöscher und Vierpunktgurten inklusive Rennschalen die stärkste Rennsportanmutung mit dem X-Bow R von KTM.
Alle vier Boliden klingen phänomenal gut
Nächster im Bunde ist der amerikanische Sportwagenklassiker Corvette, hier in Form der derzeit stärksten Vette-Variante am Start: Die ZR1 wird von einem kompressorbewehrten V8 mit 6,2 Liter Hubraum angetrieben, was für sehr eindrucksvolle und ansatzlose Beschleunigungserfahrungen sorgt und in Zahlen so aussieht: 647 PS bei 6500 Touren, 819 Nm bei 3800 Umdrehungen. Skurril ist an der Corvette die Mischung aus bewährter, aber etwas hemdsärmelig wirkender Technik (etwa Blattfedern und Zweiventiltechnik mit Zentralnockenwelle) und modernsten Materialien (Alu-Kohlefaser-Karosserie) oder Ausstattungsdetails (Head-up-Display, Magnetic-Ride-Fahrwerk). Zudem ist die ZR1 der günstigste Supersportler in diesem Vergleich. Der preisliche Abstand zur Konkurrenz ist heftig und beträgt rund 60.000 Euro.Mit 4,5 Litern kommt der Ferrari 458 Italia mit dem kleinsten Brennraum aus und entwickelt sein Leistungsmaximum von 570 PS bei hohen 9000 Touren. So wie das klingt, fühlt sich das auch an: vehementer Schub und ein Mördersound, der bei geöffneter Auspuffklappe kurz stutzig macht. Wie schaffte der 458 Italia nur die Zulassungbestimmungen? Das alphabetische Schlusslicht bildet der Mercedes SLS AMG. Letztes Jahr zum Gewinner des Handlingvergleichs gekürt, muss sich der Benz mit dem 6,2-Liter-Saugmotor und den aufreizenden Flügeltüren abermals dem Vergleich stellen. Sein V8-Saugmotor entwickelt neben 571 PS Auspuffgeräusche zum Niederknien – aber das lässt sich wirklich über jeden dieser vier Boliden sagen und ist zudem eine Geschmacksfrage.
Überblick: News und Tests zu allen Automarken
Nimmt man im R8 GT Platz, fühlt man sich schnell wie im Rennauto. Enge Schalen, Vierpunktgurte und zentraler Ausschalter in der Mittelkonsole prägen die Atmosphäre, man sitzt sportlich tief, die Schaltpaddel des sequenziellen Sechsganggetriebes sind gut erreichbar. Auch in der Corvette sitzt man tief, aber die Schalensitze sind sehr weit und bieten wenig Seitenhalt, die Schaltung liegt nicht optimal. Vereinzelte Teile aus Sichtkarbon überstrahlen ein wenig die nicht sehr hochwertig wirkende Plastik-Instrumentenlandschaft – der Corvette fehlt es innen an Flair. Davon hat der Ferrari 458 Italia mehr als genug, allein der Blick auf den großen, mittig platzierten Drehzahlmesser macht Appetit auf schnelle Runden. Sitze und Sitzposition sind hervorragend, die Bedienung von Blinker oder Scheibenwischer (beides im Lenkrad) ist nur kurz gewöhnungsbedürftig.
Der SLS AMG leidet unter seinem hohen Gewicht
Dennoch: Der Gewinner des Vorjahres ist ein durch und durch faszinierendes Auto, das allein schon durch seinen Auftritt begeistert (aber das tun die anderen drei natürlich auch), das hervorragend verarbeitet ist und sich im Rahmen der jeweiligen fahrerischen Möglichkeiten leicht und sicher sehr schnell fahren lässt. Wer die Fahrhilfen deaktiviert und auf letzter Rille einen Lastwechsel provoziert, sollte schon wissen, was er tut. Denn dann entdeckt der stoische Langschnauzer blitzschnell, dass er auch mit dem Hintern wackeln kann, und keilt recht forsch aus. Doch Gründe, das fein regelnde ESP abzuschalten, gibt es auf öffentlichen Straßen ohnehin nicht.
Den Slalomkurs beherrscht der Audi wie kein Zweiter
Mit Transaxle-Antrieb und grob ähnlichen Proportionen ist die ZR1 die nächste Verwandte des SLS in diesem Vergleich. Doch aus anderem Holz. Das beginnt bei der sperrigen und unglücklich positionierten Handschaltung und zeigt sich auch an den viel zu breiten Sitzen und der gefühllosen Lenkung: Die Corvette verlangt Kompromisse und ist ergonomisch nicht auf der Höhe. Doch dann tritt man das Biest, ist hin und weg von diesem Motor, der provozierend locker seine 647 PS in Beschleunigung – und einen feinen, harten und runden V8-Sound – umsetzt, und hat subjektiv das Gefühl, von 0 auf 100 müsste die ZR1 die Schnellste sein (sie ist die Langsamste), aber falsch: Sie erreicht die höchsten Kurvengeschwindigkeiten, umrundet den Slalom als Zweite und setzt sich ebenfalls auf Platz 2 bei der Rundenzeit. Dieses Ding ist kein Poser, sondern ein irre schnelles und oft maßlos unterschätztes Sportgerät, in dem sich mancher auf Anhieb zurechtfindet, während andere etwas Zeit brauchen, um sich dem Wesen der Corvette anzupassen.Einen auf den ersten Kontakt heimeligeren Eindruck vermittelt der Audi R8 GT, der mit seinem Kampfdress höchste Erwartungen weckt, die er auf den ersten Metern auch einzulösen scheint. Sein Motor ist eine helle Freude, klingt tief und böse, er lenkt sehr giftig ein und ist mit einer präzisen Lenkung gesegnet. Doch die Freude hält nicht allzu lange an. Denn der R8 GT strapaziert seine Vorderräder dermaßen, dass der zu Anfang im Scheitelpunkt leicht untersteuernde Allradler bald schon – speziell in engen Kurven – heftig über die Vorderräder rutscht. Zudem wird das GT-Heck unruhig bei Lastwechseln, beim Anbremsen aus hohem Tempo reagiert der R8 etwas nervös. Alles Fakten, die dem Audi die Rundenzeit verhageln. Wie agil der Ingolstädter sein kann, zeigt sich bei geringerer Belastung. Den Slalomkurs umrundet der Allradler als Zweitschnellster, in die Schranken gewiesen nur vom KTM X-Bow R aus der ersten Staffel.
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Auch der Ferrari 458 Italia vermag schon auf den ersten Metern zu entzücken. Seine Lenkung, die Leichtigkeit und Präzision, mit der sich der Italiener um die Ecken werfen lässt, wecken schnell Vertrauen und machen jede Kurve zu einem Appetithappen. Die Sitze sind erste Sahne und halten den Fahrer nicht nur in schnellen Kurven fest fixiert, sie sind auch noch bequem und alltagstauglich. Im 458 Italia scheint alles auf absolute Schnelligkeit gebürstet zu sein. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet atemberaubend schnell hoch und mit wohldosierten – und toll klingenden – Zwischengasstößen zurück.Hintergrund: So testet AUTO BILD
| Technische Daten | Audi | Corvette | Ferrari | Mercedes |
|---|---|---|---|---|
| Motor | V10 | V8, Kompressor | V8 | V8 |
| Einbaulage | Mitte hinten längs | vorn längs | Mitte längs | vorn Mitte längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 5204 cm3 | 6162 cm3 | 4499 cm3 | 6208 cm3 |
| Bohrung x Hub | 84,5 x 92,8 mm | 103,25 x 92 mm | 94,0 x 81,0 mm | 102,2 x 94,6 mm |
| Verdichtung | 12,5 : 1 | 9,1 : 1 | 12,5 : 1 | 11,3 : 1 |
| kW (PS) bei 1/min | 412 (560)/8000 | 476 (647)/6500 | 419 (570)/9000 | 420 (571)/6800 |
| Literleistung | 108 PS/l | 105 PS/l | 127 PS/l | 92 PS/l |
| Nm bei 1/min | 540/6500 | 819/3800 | 540/6000 | 650/4750 |
| Antriebsart | Allrad | Hinterrad | Hinterrad | Hinterrad |
| Getriebe | 6-Gang sequenziell | 6-Gang manuell | 7-Gang-Doppelkupplung | 7-Gang-Doppelkupplung |
| Bremsen vorn | 380 mm/innenbel./gelocht | 394 mm/innenbel./gelocht | 398 mm/innenbel./gelocht | 405 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 356 mm/innenbel./gelocht | 380 mm/innenbel./gelocht | 360 mm/innenbel./gelocht | 360 mm/innenbel./gelocht |
| Radgröße vorn–hinten | 8,5 x 19–11 x 19 | 10 x 19–12 x 20 | 8,5 x 20–10,5 x 20 | 9,5 x 19–11 x 20 |
| Reifengröße vorn–hinten | 235/35 R19–305/30 R19 | 285/30 R19–325/25 R20 | 235/35 R20–295/35 R20 | 265/35 R19–295/30 R20 |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Corsa RO1 | Michelin Pilot Sport PS2 | Michelin Pilot Sport PS2 K1 | Conti SportContact 5P MO |
| Länge/Breite/Höhe | 4434/1930/1242 mm | 4459/1927/1246 mm | 4527/1937/1213 mm | 4638/1939/1262 mm |
| Radstand | 2650 mm | 2686 mm | 2650 mm | 2680 mm |
| Tankvolumen | 75 l | 68 l | 95 l | 85 l |
| Platzierung, Teil 2 | 1 | 2 | 3 | 4 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Ferrari 458 Italia | Corvette ZR1 | Audi R8 GT | Mercedes SLS ALG | ||
| Faszination | 15% | 1 | 2+ | 2 | 2+ |
| Antriebskonzept | 15% | 1 | 2+ | 2+ | 1– |
| Fahrgefühl | 20% | 1 | 2– | 2– | 2 |
| Rundenzeit | 20% | 1 | 1– | 1– | 2 |
| Slalom | 5% | 2– | 2 | 1– | 3 |
| Kurvengeschwindigkeit | 5% | 2+ | 1– | 2– | 3 |
| Bremsen | 5% | 1– | 2 | 2 | 2 |
| Beschleunigung | 5% | 1 | 2 | 2+ | 2 |
| Vmax Handlingstrecke | 5% | 1 | 1– | 1– | 2+ |
| Preis pro PS | 5% | 4 | 2 | 4– | 4– |
| Gesamtnote | 1– | 2+ | 2 | 2 | |
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Kommentare zum Artikel (8)
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Am faszinierensten sind für mich der Ferrari Italia und der Audi R8 GT.
Reinrassige Sportwagen mit dem Herz auf dem rechten Fleck (Mittelmotor).
dann ist der megane trophy schneller als jeder bmw und schneller als der sls ;-)
Der R8 ist 3 Sekunden schneller als ein Megane Trophy (32.000 euro) auf dem Nürburgring.
Den SLS braucht niemand auf irgendein Niveau zu hieven. Wenn überhaupt müsste man versuchen ihn auf Golf-R8-Niveau zu drücken.
Der SLS ist für mich der begehrenswerteste Sportwagen der Gegenwart. Er verbindet die sündigen Formen eines Italieners oder Engländers mit dem Motorsound eines amerikanischen Muscle-Cars und der Detailperfektion eines Mercedes.
Dies hier trifft es am besten: http://www.youtube.com/watch?v=zsCu3n621Nk