Hartge H50 mit V10-Motor

Hartge H50 V10 Hartge H50 V10

Hartge H50 mit V10-Motor

— 14.12.2006

Gedopte Zehner-Potenz

Mit einem normalen Dreier-BMW hat der Hartge H50 V10 nichts mehr am Hut. 550 PS aus einem tobenden V10 kreischen ein zornig-helles Tempolied.

Fast tun mir meine Nachbarn ein bisschen leid. Es ist Samstagmorgen, sechs Uhr, und ich muss zur Rennstrecke nach Oschersleben. Normalerweise wäre ein unauffälliges Verschwinden kein Problem, würde nicht der Starterknopf einen wütend klingenden V10 aus dem Schlaf reißen.

Der schon an sich faszinierende Motor des H50 sägt im kalten Zustand noch mehr an den Nerven der friedlich schlummernden Bevölkerung. Also schnell Richtung Autobahn, dabei aber den Drehzahlmesser immer nur bis 2500 Umdrehungen schreiten lassen. Schließlich will ein wahres technisches Kunstwerk behutsam geweckt werden. Die Beckinger BMW-Spezialisten beließen es nämlich nicht einfach dabei, den Motor des M5 unter die Dreier-Haube zu quetschen. Eine Zylinderkopfbearbeitung samt Fächerkrümmer, Sportkats und geänderter Motorsteuerung entlockt dem bayrischen Prachtstück 43 Zusatz-PS. Der Power-Knopf setzt dabei die Extraportion Leistung frei, sonst tuckert man mit "nur" 440 PS durchs Land. Ehrensache, dass der Knopf bei unserem Ausritt leuchtet.

Kurz mehrere Male an den Lenkradpaddels gezogen und das sequenzielle Getriebe aus dem M5 (Video rechts) schaltet, begleitet von kurzen Zwischengasstößen, drei Gänge runter. Jetzt fällt die volle Gewalt aus zehn Töpfen über die verstärkte und gesperrte Hinterachse her. Die an sich stark vertretene PS-Gemeinde macht angesichts der mächtigen Front samt geschlitzter, temperatursenkender Carbon-Haube ehrfürchtig Platz. Dazu trompetet der Sportauspuff, Kernstück der nachbarlichen Unmut, in den höchsten Tönen. Wenn die Drehzahl Richtung 8000 klettert, hört man den Hartge noch Hunderte von Metern.

320 km/h stehen jetzt auf dem Tacho. Beinahe hätte ich die Ausfahrt zum Rundkurs verpasst, doch die verlässlichen Bremsen mit 380-Millimeter-Scheiben vorne (336 mm hinten) merzen meinen Temporausch aus. Im Motopark Oschersleben begeistert der Hartge mit Driftwilligkeit, fordert aber mit einem blitzschnell auskeilenden Hintern auch das ganze Können. Auf dem Weg zurück fahre ich langsamer und suche in Gedanken schon mal zu Hause einen abgelegenen Parkplatz. Schließlich ist ja morgen Sonntag!

Autor: Frank Wiesmann

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Hartge

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