Hartge Z4 5.0

Hartge Z4 5.0 Hartge Z4 5.0

Hartge Z4 5.0

— 23.07.2003

Nimm acht

Was passiert, wenn der M5-Achtzylindermotor in den schlanken Roadster Z4 gesperrt wird? Man erlebt die blitzartige Verwandlung einer Hauskatze in einen brüllenden Tiger.

Ab 260 ist es mit dem Seelenfrieden vorbei

Er tut so lieb. Schnurr-schnurr im Stadtverkehr, braver Silberkater. Sechster Gang bei 60, schnurr-schnurr, da freut man sich, einen BMW zu fahren. Die bauen kultivierte Autos für wohlerzogene Leute. Gas geben, schnurr-schnurr, die Maschine klingt wie ein artiger Sechszylinder, 1200 Touren. Die reine Sanftmut gleitet durchs Städtchen.

Nun ja, was jeder von diesem Auto erwartet, tritt bei Bedarf natürlich auch ein. Dieser Z4 ist eine gespaltene Persönlichkeit. In seinem Paralleluniversum, welches man aufsucht, indem man vier Gänge zurückschaltet, sieht es ungefähr so aus: Wir geben Vollgas, und im Armaturenbrett blinken hektisch alle Achtungsschildchen. Dabei ist es trocken, und es geht schnurgeradeaus. Auf jeden Fall danken wir der Mercedes-Benz A-Klasse für ihre Elchrollen und die darauf folgende Einführung von elektronischen Stabilitätsprogrammen auch in kleineren Fahrzeugen.

Vom Schnurr-schnurr ist nun nichts mehr übrig. Aus der Katze wurde ein brüllender Königstiger, der wahrscheinlich deswegen so brüllt, weil er statt sechs Zylindern, wie sich das für einen Z4 gehört, derer acht hat. Der Kopf freut sich, dass er noch ein paar Halsmuskeln zur Stabilisierung hat, während die Tränen der Rührung nach hinten abfließen, denn das ist die vorherrschende Kraftrichtung. In 4,7 Sekunden ist er auf 100, in 15,1 auf 200, Ende der Fahnenstange ist erst bei Tempo 300. Letzteres haben wir nicht gemessen – das glauben wir den Hartge-Leuten –, denn ab 260 ist es mit dem Seelenfrieden des Fahrers vorbei: Ein Porsche läuft deutlich besser geradeaus.

Grandiose Kurvengeschwindigkeiten

Hartge hat das getan, was Tuner besonders gern tun, nämlich nichts am Motor zu tunen. Man greift sich den Serienmotor eines größeren Modells und pflanzt ihn in das kleinere. Damit hat man die ganze Alltagstauglichkeit und Gesetzestreue, die eine große Firma in endlosen Testfahrten zwischen Nordpol und Äquator aus ihrem Produkt herauskitzelt; gleichzeitig aber bekommt man die Verwandlung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde – das Schärfen einer stumpfen Klinge.

Hartge nahm nun gleich das Beste aus dem BMW-Sortiment, den wunderbaren M5-Motor, fünf Liter groß und 400 PS stark, und integrierte ihn in den Motorraum des kleinen Roadsters. Die Haube geht noch tadellos zu, auch wenn man sie öffnet, quillt nichts hervor. Die Beckinger Techniker waren selbst überrascht, wie relativ einfach der V8 in den Motorraum des neuen Z4 passt. Das liegt auch daran, dass der M5-Motor sehr kompakt ist. Er wiegt außerdem nur 50 Kilo mehr als der Sechszylinder, die Gewichtsverteilung ändert sich nur um ein Prozent (jetzt hat er vorn 52).

Das bedeutet, die tollen Fahreigenschaften des Serien-Z4 haben sich kaum verändert, wenn man vom eingeschränkten Geradeauslauf einmal absieht. Der Z4 liegt sehr neutral, durch den tiefen Schwerpunkt sind grandiose Kurvengeschwindigkeiten möglich, die serienmäßige Lenkung lässt sich sowieso nicht verbessern. Allerdings haben sich die Saarländer das Fahrwerk intensiv vorgeknöpft.

Federn und Dämpfer wurden deutlich straffer, was Direktheit und Präzision förderlich ist. Allerdings lernt man nun jede Bodenwelle ganzkörperhaft persönlich kennen. Man wird das Gefühl nicht los, dass auf einer holprigen Fahrbahn Leber und Milz auch schon mal die Plätze tauschen. Unangenehm ist auch der Bonanza-Effekt beim Schalten von Gang eins in zwei, dann geht's oft zu wie auf einem Schaukelpferd.

Technische Daten und Preise

Aber kommen wir zum Highlight des Wagens zurück, der Demut vor dem Gaspedal. Man beschleunigt nicht, man feuert sich ab wie eine Tomahawk-Rakete, und das Pedal ist der Abzug. Ohne DSC in der Kurve zu beschleunigen, ist wie der Ritt auf der Rasierklinge. Die Maschine beißt gnadenlos und spontan zu, ein Millimeter zu viel, und man guckt den gerade Überholten in die verwunderten Augen. Der Königstiger macht seinen Job. Liebsein gehört nicht dazu.

Der verschärfte Z4 erinnert damit an die großen Tage der Shelby Cobra, diesem massiv übermotorisierten Roadster der Sechziger. Er ist im besten Sinne sein Nachfolger. Ebenso wild, ebenso roh, ebenso gemein, doch alles auf dem Niveau von heute. DSC ist da, ABS für Achtkolben-Brembos, alle Katalysatoren, und wenn man will, kann man brav die Katze ausführen. Dann macht der kleine Roadster nur schnurr-schnurr.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.