Ratgeber Hauptuntersuchung

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Hauptuntersuchung: HU und AU

— 09.12.2015

Der Weg zur Plakette

Alle zwei Jahre müssen Autos zur Hauptuntersuchung, Neuwagen erstmals nach drei Jahren. Wir sagen Ihnen, was Sie bei TÜV und Co erwartet.

Alle zwei Jahre schreibt der Gesetzgeber eine Hauptuntersuchung für Autos vor, nur bei Neuwagen steht der Prüftermin erstmals nach drei Jahren an. Danach wechselt das Prüfintervall in den Zweijahresrythmus. Umgangssprachlich ist meist vom TÜV die Rede, wenn es um die Hauptuntersuchung geht. Doch der "Technische Überwachungsverein" ist nur eine der Prüforganisationen, bei der Autobesitzer die Hauptuntersuchung durchführen lassen können. Auch die Institute KÜS (Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger), DEKRA (Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein) und GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) sind befugt, den Wagen zu prüfen und die Plakette zu erteilen.
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Die Kosten für die Hauptuntersuchung können sich dabei leicht unterscheiden. Ausschlaggebend ist abgesehen vom Standort und der Prüforganisation aber vor allem der Prüfumfang. Oft wird im Rahmen der Hauptuntersuchung nämlich auch die Abgasuntersuchung durchgeführt, kurz AU. Diese kann jedoch auch vorab von Werkstätten mit entsprechendem Abgasmessgerät durchgeführt werden. Die Abgasuntersuchung darf zum Zeitpunkt der Hauptuntersuchung jedoch maximal zwei Monate zurück liegen (monatsgenau). Wird die Bescheinigung des bestandenen Emissionstest bei der Hauptuntersuchung vorgelegt, entfällt dieser und damit auch Kosten von etwa 25 Euro. Die alleinige Hauptuntersuchung kostet ab etwa 65 Euro.

Die nächste Hauptuntersuchung war in diesem Beispiel im Dezember 2014 fällig.

Wann die nächste Prüfung des eigenen Wagens fällig ist, verrät die runde Prüfplakette am hinteren Nummernschild. Die Zahl auf der 12-Uhr-Position verrät den Monat, die Zahl in der Mitte der Plakette das Jahr. Seit dem 1. Januar 2010 gibt es keine eigenständigen Termine mehr für die Haupt- und Abgasuntersuchung. Mit der Hauptuntersuchung ist gleichzeitig auch die Abgasuntersuchung fällig. Somit ist auch die zweite Prüfplakette für die Abgasuntersuchung auf dem vorderen Kennzeichen Geschichte.
Mehr zum Thema: Hauptuntersuchung Kosten
Fristen für die HU: Wenn der TÜV überzogen wurde

Vorsorge: Selbstcheck vor der Kfz-Hauptuntersuchung

Vorbereitung zur Hauptuntersuchung: das Auto vorab selbst prüfen. Dazu die untenstehnde Tabelle ausdrucken und alle Punkte abarbeiten.

Schon bevor man sich auf den Weg zur Prüfstelle macht, kann man seinen Wagen einem Vorabtest unterziehen, um die meisten Mängel auszuschließen. Geprüft werden bei der Hauptuntersuchung unter anderem so banale Dinge wie die Funktion von Lenkradschloss und Tacho. Ebenso dazu gehört die Kontrolle der Reifenprofiltiefe (mindestens 1,6 Millimeter) oder der Check auf Undichtigkeiten des Motors. Eine Übersicht der zu prüfenden Punkte ist in der untenstehenden Tabelle aufgelistet. Sollte man beim Selbstcheck Probleme feststellen, hilft der Weg in die Werkstatt, die den Wagen auf die Prüfung vorbereitet. Hier ist der Autobesitzer im Vorteil, der die Schwachstellen vorab schon selbst inspiziert hat und über die vorhandenen Mängel im Bilde ist. Dazu lassen sich kleinere Mängel wie zu geringe Flüssigkeitsfüllstände oder ein zu geringer Reifendruck auch leicht selbst beheben. Viele Werkstätten bieten die Hauptuntersuchung im eigenen Hause an. Dann spart man sich den Weg zu TÜV, DEKRA, KÜS oder GTÜ. Wer direkt zum prüfenden Institut fährt, sollte sich im Vorwege telefonisch oder auf der jeweiligen Website einen Termin besorgen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

Der Profi macht sich ans Werk: 160 Punkte in 15 Minuten

Bei der rund 15 Minuten dauernden Hauptuntersuchung selbst arbeitet der Prüfer eine Checkliste ab, die beispielsweise beim TÜV Rheinland nach eigenen Angaben 160 Punkte umfasst. Geprüft werden die übergeordneten Kategorien Ausrüstung, Beleuchtungseinrichtungen, Bremsanlage, Bereifung und Räder, Fahrgestell und Karosserie, Korrosion, Feuersicherheit der Kraftstoff- bzw. Gasanlagen und elektrischen Leitungen, Abgas- und Geräuschverhalten der Auspuffanlage sowie die Lenkanlage. Alle festgestellten Mängel werden detailliert im abschließenden Bericht aufgelistet und auf Wunsch vom Prüfer erklärt.

Mängel: Einen Monat Zeit zur Nachbesserung

Sollten erhebliche Mängel festgestellt werden, wird man ohne neue Plakette weggeschickt und hat dann einen Monat Zeit, diese zu beheben. Der Prüfer setzt auch bei der Feststellung eines solchen Mangels die komplette Untersuchung bis zum Ende fort. Das hat den Vorteil, dass bei der folgenden Nachprüfung nur die Behebung der festgestellten Mängel untersucht wird. Daher dauert die Nachprüfung meist nur wenige Minuten und kostet weniger als ein Drittel der Hauptuntersuchung. Wichtig: Alle Mängel müssen zur Nachprüfung behoben sein, auch solche, die für sich allein nicht zum Nichtbestehen der Hauptuntersuchung führen. Wird die Monatsfrist nicht eingehalten, ist eine erneute Hauptuntersuchung fällig – mit Kosten von bis zu 90 Euro. Die am häufigsten in Deutschland von den Prüfern beanstandeten Mängel finden sich übrigens an der Beleuchtungsanlage – und zwar bei Fahrzeugen aller Baujahre. Es folgen Ölverlust am Motor und Probleme mit den Bremsen.

TÜV überziehen – darf man das?

Generell ist es nicht erlaubt den Termin zur Hauptuntersuchung zu überziehen. Ein Bußgeld (15 Euro) ist allerdings erst ab Überschreiten des Termins um mehr als zwei Monate vorgesehen. Sind es zwischen vier und acht Monate, steigt das Bußgeld auf 25 Euro. Ab acht Monaten kommt zu den 60 Euro Bußgeld auch noch ein Punkt in Flensburg dazu.
Auch die Prüforganisationen bitten zur Kasse, wenn die Hauptuntersuchung mehr als zwei Monate überzogen wurde, und sprechen dann von einer "erweiterten Hauptuntersuchung", die rund 20 Prozent teurer als der reguläre Check ist. Dieses Vorgehen ist jedoch umstritten. Bei einem Test des ADAC wurde der Mehrpreis zwar immer berechnet. Zusätzliche Kontrollen, die einen erhöhten Aufwand und damit höhere Kosten rechtfertigen würden, konnten laut ADAC jedoch nicht festgestellt werden. Inzwischen nicht mehr angewandt wird die Rückdatierung der Plakette auf den eigentlich fälligen Hauptuntersuchungstermin. Der nächste Termin steht nach bestandener Hauptuntersuchung in jedem Fall erst wieder nach 24 Monaten an.

Ohne bestandene AU gibt es keine Plakette

Seit 2010 ist auch die Abgasuntersuchung (früher ASU) ein Bestandteil der Hauptuntersuchung. Die genaue Bezeichnung des Emissionstests lautet seit 2006 UMA (Untersuchung des Motormanagement-/Abgasreinigungssystems). Je nach Fahrzeug wird bei der UMA entweder mit einer Sonde der tatsächliche Ausstoß an Abgasen gemessen, oder – bei neueren Modellen – nur via Diagnoseschnittstelle der Fehlerspeicher des Wagens ausgelesen. Finden sich hier keine Ungereimtheiten, wird davon ausgegangen, dass die vom Hersteller angegebenen Werte stimmen. Wird bei einer der beiden Messmethoden jedoch ein Mangel festgestellt, wird die Plakette nicht erteilt und der Wagen muss ebenballs zur Nachprüfung vorgeführt werden.

Der Motor älterer Autos wird bei der AU im Stand ordentlich auf Touren gebracht.

Und noch eine kleine Vorwarnung zum Schluss: Wird die Abgasuntersuchung mittels einer Sonde im Auspuff gemessen, wird der Wagen im Leerlauf auf hohe Drehzahlen gebracht. Die dabei entstehende Geräuschkulisse ist ungewohnt, hat aber ihre Richtigkeit. Nur so kann überprüft werden, ob der Motor auch im Fahrbetrieb die Abgaswerte nicht übersteigt. Speziell bei alten Autos, die man selbst stets schont, mutet dieses Vorgehen zwar etwas rabiat an. Doch für den Motor besteht bei diesem Test keinerlei Gefahr.
Das wird bei TÜV und Co geprüft
Allgemeines • Stimmt die Fahrzeug-Identifizierungsnummer mit den Papieren überein?
• Funktionieren Lenkradschloss und Tachometer?
• Kennzeichen richtig montiert, intakt und lesbar?
• Verbandkasten (aktuell) und Warndreieck vorhanden?
Auspuff / Geräuschentwicklung • Auspuffanlage dicht und ordnungsgemäß angebracht?
• Rußt das Auto oder kommt blauer Rauch aus dem Auspuff?
Beleuchtung • Sind alle Lampengehäuse unbeschädigt und funktionieren alle Leuchteinheiten (Scheinwerfer, Rückleuchten, Standlicht, Tagfahrleuchten, Bremslichter, Rückfahrlicht, Blinker, Nebelscheinwerfer und -Schlussleuchte(n), Kennzeichenbeleuchtung)?
• Sind Reflektorflächen in Scheinwerfern unbeschädigt und nicht oxidiert?
Funktioniert die Leuchtweitenregulierung?
Bremse • Ist die Bremse freigängig?
• Sind Schläuche, Leitungen, Beläge, Scheiben/Trommeln intakt?
• Ist Genug Bremsflüssigkeit (siehe Markierung im Ausgleichsbehältnis)?
• Funktioniert die Handbremse einwandfrei? (Rastet sauber ein und löst sich nicht?)
• Gibt es bei Pedal- und Hebelweg eine Wegreserve?
• Sind die Gummiauflagen auf den Pedalen intakt?
• Zieht das Fahrzeug beim Bremsen in eine Richtung?
Elektrik • Funktionieren alle Kontrolllampen (beim Start müssen alle Lämpchen im Kombiinstrument kurz angehen und nach dem Start und Lösen der Handbremse wieder erlöschen).
• Ist die Instrumentenbeleuchtung intakt?
• Werden zu Fahrdynamiksystemen Fehlermeldungen angezeigt (ESP oder ABS-Leuchte leuchtet)?
• Ist die Autobatterie im guten Zustand, sachgemäß befestigt und der Pluspol der Batterie abgedeckt?
• Funktionieren Hupe und Heizungsgebläse?
• Elektrische Anschlüsse fest/intakt und nicht oxidiert? Sichtbare Leitungen intakt und nicht aufgescheuert?
• Funktioniert die Steckdose der Anhängerkupplung?
Fahrgestell/Antrieb • Sind die Manschetten an Lenkung, Antriebswellen usw. intakt?
• Sind Rahmen oder tragende Teile stark verrostet?
• Sind die Stoßdämpfer dicht oder tritt Öl aus?
• Ölt der Motor oder das Getriebe?
• Sind alle Kraftstoffleitungen und -schläuche dicht?
Lenkung • Ist die Lenkung leichtgängig und zielgenau?
• Vibriert oder rappelt die Lenkung während der Fahrt?
• Steht das Lenkrad bei Geradeausfahrt auch gerade?
• Gibt es Spiel in der Lenkung?
Räder und Reifen • Haben die Reifen noch mindestens 1,6mm Profil?
• Sind die Reifen gleichmäßig abgelaufen?
• Sind Reifengröße und -bezeichnung in den Fahrzeugpapieren eingetragen?
• Zeigen die Reifen in die richtige Laufrichtung?
• Sind die Reifen unbeschädig? (Beulen, Schnitte, Risse, Löcher, Nägel?)
• Sind die Felgen unbeschädigt? (Kleine Kratzer spielen keine Rolle, Risse oder Verformungen sind dagegen relevant.)
• Stimmt der Reifenluftdruck (auch Reserverad)?
Scheiben/Glas • Ist die Frontscheibe unbeschädigt? (Kein Steinschlag im Sichtfeld oder Risse in Scheibe.)
• Funktioniert die Scheibenwaschanlage und sind Scheibenwischer intakt?
• Sind die Rückspiegel unbeschädigt und korrekt angebracht?
Benötigte Unterlagen bei der HU
• Fahrzeugschein/Zulassungsbescheinigung Teil I
• ggf. Nachweis für Änderungsabnahme
• ggf. Allgemeine Betriebserlaubnis für Sonderzubehör (zum Beispiel Sportlenkrad)

Ratgeber Hauptuntersuchung

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Autor: Jan Kriebel

Stichworte:

TÜV

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