HGP RS 5 im Test

HGP RS 5 Coupé: Test

RS 5 Coupé mit 615 PS

Was HGP anfasst, wird einfach schnell! Der Audi RS 5 beweist das in unserem Test sehr eindrucksvoll. 615 PS und 819 Nm sind eine Ansage!
So ein Audi RS 5 gehört ja nicht gerade zu den kreuzlahmen Krücken, wenn's ums Sprinten geht. Ganz im Gegenteil! 3,6 Sekunden auf hundert und 13,6 auf zweihundert sind Werte, mit denen sich innerhalb der sportlichen Mittelklasse wunderbar leben lässt. Problem nur, dass einem der Biturbo-V6 dabei eben nicht immer so imposant vorkommt, wie er tatsächlich anschiebt. Grund: die gebügelte Kraftentfaltung, die trotz aller Vehemenz schon sehr den Ingolstädter Konventionen zu unterliegen scheint. Wo andere ihren Ladedruck als reißendes Spektakel abfeiern, strömt der Audi eher beflissen darauf hinweg.

Modifizierte Turbos setzen das Serientriebwerk unter Druck

Kraftpaket: Zwei Bar Ladedruck pressen 615 PS und 819 Nm Drehmoment aus dem 2,9-Liter-V6.

Zumindest bislang, denn nun hat sich HGP des 2.9ers angenommen und den ganzen Serienschliff mal ordentlich auf links gekrempelt. Und das – ganz wichtig! –, ohne dabei die guten Manieren über Bord zu kippen. Kern der Kraftkur? Zwei modifizierte Serienlader nach hauseigener Rezeptur. Verdichter- und Turbinenrad stammen aus eigener Fertigung, werden passend im ausgefrästen Seriengehäuse arrangiert und zur besseren Dosierung mit einer modifizierten Wastegate-Mechanik versehen. Der Tuner skizziert seine Hochdruck-Arie dabei mit rund 2,0 Bar über den mittleren Drehzahlbereich und setzt ihr zur Nenndrehzahl mit 1,9 Bar ein nicht minder heftiges Finale. Oder um es etwas griffiger zu formulieren: Zur Mitte prügeln bis zu 819 Nm auf die Fahrwiderstände ein, ehe oben heraus bis zu 615 PS dem Wind die Stirn bieten! Und ja, die Leistung darf wirklich bis zum bitteren Ende fighten, denn mit der Leistungssteigerung geht auch eine komplette Aufhebung der Vmax-Barriere einher. 300 km/h und mehr? Ein Leichtes!

Die Kraft reicht über das gesamte Drehzahlband

Unwiderstehlich: Aus jeder Drehzahl reißt der HGP RS 5 mächtig an – und verteilt oben noch einen Kick.

Übrigens: Die Abgasseite scheint für derlei Hochdruck-Attentate recht gut gewappnet. HGP modifiziert jedenfalls nur die Steuerung der Abgasklappen, nicht jedoch die Anlage an sich. In der Frischluftzufuhr steckt dafür umso mehr Aufwand. Vor allem die indirekte Ladeluftkühlung bereitete Probleme, da ihre Wärmetauscher nicht nur viel zu klein ausfallen, sondern obendrein auch noch denkbar ungünstig platziert sind. Die beiden Kästen stecken zwischen Motorraum und Radhaus, mit anderen Worten: im verschachteltsten Eck überhaupt. Stellen Sie sich einmal vor, Sie wollten einen Sicherungskasten in den hintersten Winkel ihrer Dachschrägen zimmern, dann dürften Sie ein recht treffendes Bild davon haben, wie hier Maß genommen wurde. Doch immerhin: Die Plackerei hat sich gelohnt. Allein schon wegen des Ansprechverhaltens, das trotz der aufdimensionierten Verdichter kaum eine Zehntel einbüßt. Im Durchzug muss man schon die tiefsten Niederungen des Drehzahlbandes bemühen, um einen leichten Verzug ausfindig zu machen. Ab 2500 Touren hingegen hat man zum Aufspüren schlicht keine Zeit mehr.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Ein kurzer Moment des Anschwellens deutet die Apokalypse an, dann bricht der Biturbo unvermittelt aus, wütet mit Orkanstärke übers Drehzahlband und tritt um 5000 Touren – also dort, wo die Serie so langsam in ihre Nennleistung übergeht – noch einmal richtig zu. Schon klar, es gibt ein paar Turbos, die nach oben hin noch richtig beißen. Die Böe, die einen hier jedoch kurz vor dem Drehzahlpeak erfasst, gibt dem Begriff des Haltedrucks wirklich eine völlig neue Bedeutung

Für das Getriebe wird es noch ein Update geben

Kleiner Schönheitsfleck: Bei voller Beschleunigung passt die Automatik nicht ganz zur brachialen Kraft.

Erstaunlich nur, dass einem die Gewaltorgie im Prinzip kein bisschen überdosiert vorkommt. Der V6 hängt spitz, aber keineswegs digital am Gas, der Permanent-quattro hat auf trockener Strecke das Drehmoment fest im Griff, während die Automatik den Kraftfluss zu einem durchaus roten Faden verwebt. Einzig zum "Jump Start" kommt der Achtstufen-Wandler dann doch ein wenig aus dem Tritt. Das Anfahren mit voller Ladedruck-Breitseite bekommt er noch einigermaßen geregelt, danach schnellt die Drehzahl jedoch zu explosiv empor, als dass er seine Schaltpunkte so sauber wie in der Serie setzen könnte. Die erste Stufe bleibt kurz im Begrenzer hängen, die folgenden wechseln mit leichtem Lastverzug, fast so, als würde die Drosselklappe dabei kurz schließen. Doch auch diesen Schönheitsfleck will HGP in Kürze herauscodieren. Ein optimierter Datenstand für das Getriebe schlummert bereits auf dem Laptop. Und der dürfte noch einmal ganz andere Zeiten zutage fördern als die 3,1 und 10,5 Sekunden, die wir heute ermittelt haben. Ob die Zehn dann fällt? Gute Frage! Die Antwort darauf könnte übrigens auch ein RS 4 Avant geben. Für den bietet HGP nämlich die exakt gleiche Breitseite an.

Fahrzeugdaten HGP RS 5
Motorbauart V6
Aufladung/Ladedruck Biturbo/2,0 bar
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 2894 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 86,0 mm
Verdichtung 10,0:1
kW (PS) b. 1/min 452 (615)/6000
Literleistung 213 PS/l
Nm b. 1/min 819/3800
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad
Bremse vorn 375 mm innenbel./gelocht
Bremse hinten 330 mm innenbel./gelocht
Bremsscheibenmaterial Stahl
Radgröße vorn – hinten 9 x 20
Reifengröße vorn 275/30 R 20
Reifengröße hinten 275/30 R 20
Reifentyp Continental Sport Contact 6 (A0)
Länge/Breite/Höhe 4723/1861/1360 mm
Radstand 2766 mm
Tank-/Kofferraumvolumen 58/465 l
Testwagenpreis 109.200 Euro

Messwerte HGP RS 5
Beschleunigung
0- 50 km/h 1,2 s
0-100 km/h 3,1 s
0-130 km/h 4,7 s
0-160 km/h 6,8 s
0-200 km/h 10,5 s
0-402,34 m (1/4-Meile) 11,06 s
Vmax >320 km/h
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang) 2,2/3,0 s
80-120 km/h (5./6. Gang) 2,7/3,9 s
80-120 km/h (7./8. Gang) 6,3/14,0 s
Bremsweg
100-0 km/h kalt 31,9 m
100-0 km/h warm 32,6 m
200-0 km/h warm 133,5 m
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 1745/450 kg
Balance VA/HA 58,1/41,9 %
Leistungsgewicht 2,8 kg/PS

Manuel Iglisch

Fazit

Normalerweise beurteilen wir Leistungssteigerungen vor allem nach den Fahrleistungen, die sie zutage fördern. Und gemessen daran könnte die Empfehlung für das große Leistungskit hier kaum größer sein. Dennoch gibt es im Falle des RS 5 noch eine andere Komponente – eine, die alles überstrahlt. Das, was HGP hier an Turbocharakter sät, bringt den V6 wirklich vollends zum Erblühen!

Stichworte:

Sportcoupé

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