Highspeed-Weltrekord
— 09.05.2008Rasender Wahnsinn
Viele Stolpersteine säumten den Weg zum Erfolg. Doch jetzt ist Porsche-Tuner 9ff ganz oben angekommen. In Papenburg rannte das Überauto GT9 409 km/h.
ANZEIGE
Die Höhle des Löwen ist verblüffend bequem
Heute, am 10. April 2008, soll sich die ganze Schinderei endlich auszahlen. Die Papenburg-Karawane besteht aus Jan und mir im GT9, seine beiden Werkstattmeister und AUTO BILD SPORTSCARS-Fotograf Christian Bittmann teilen sich zwei weitere Porsche. Anfangs ist das Verhältnis zwischen dem GT9 und mir noch distanziert. Er scheint zu spüren, dass ich einst an ihm gezweifelt habe. Mir fällt der Einstieg schwer. Als ich begriffen habe, dass man die gen A-Säule hin abfallende Überrollkäfigstrebe als Rutschbahn nutzen muss, um zäpfchengleich in den Innenraum zu flutschen, bricht das Eis. Die Höhle des Löwen fällt verblüffend bequem aus: Die Beinfreiheit genügt, die Breite der Sitzschalen ebenfalls, und auch zwischen Haupthaar und Dachhimmel verbleibt noch ausreichend Platz. Dabei kauert der GT9 so flach auf der Straße, dass man schon beim bloßen Anblick den Kopf einzieht. Um 12 Zentimeter hat 9ff die Porsche-GT3-Basis gechoppt.Die lawinengleiche Kraftentfaltung imponiert
Geschafft! Das Garmin-GPS (rechts) und die parallel installierte Driftbox sind sich einig: 409 km/h!
ANZEIGE
Aus Aberglaube blieben Servicetruck und Rennoverall zu Hause
Alle Weichen für die Rekordfahrt scheinen gestellt. Gegen 14 Uhr wird es ernst. Jan Fatthauer verkündet, er sei ein bisschen nervös. Viel merkt man davon nicht. Der sympathische 40-Jährige setzt sich ins Auto und legt den Dreipunktgurt an. Er verzichtet auf jeglichen Zinnober: Seine Füße stecken in normalen braunen Lederschuhen, der Kopf bleibt helmfrei. "Aus Aberglaube. Immer wenn wir uns zu perfekt vorbereitet haben, ging etwas schief. Ließ ich es locker angehen, lief hingegen alles rund. Deshalb habe ich den Service-Truck zu Hause gelassen und fahre in ganz gewöhnlichen Straßenklamotten." Auf dem Beifahrersitz nimmt Werkstattleiter Markus Schrader Platz. Der kontrolliert während der Fahrt Zündzeitpunkt, Lambda und Verbrennung. "So können wir alle Parameter im Auge behalten und sofort reagieren."
Nach zehn Minuten ist der Rekord in trockenen Tüchern
Das Auto rollt unter der Schranke durch, die es zu passieren gilt, um auf das Testgelände zu kommen. Keine zehn Minuten vergehen, und der GT9 kommt wieder. Jan Fatthauer hält mit unbewegter Miene an und zückt das Handmessgerät. Als wir mit großen Augen auf die im Display blinkende 409 starren, verzieht sich sein Mund zu einem breiten Grinsen. Tief beeindruckt gratulieren wir ihm. Und ziehen unseren Hut. Steht vor uns doch ein Mann, der konsequent sein Ding durchgezogen und seinen Traum verwirklicht hat.
Noch mehr Infos über die Rekordfahrt und die Top-10 der schnellsten Straßenautos gibt es in der AUTO BILD SPORTSCARS 6/2008.
Mehr zum Thema
Social Media
Diesen Artikel
Diesen Artikel