Rollstuhl mit Gedankensteuerung

Hightech von Toyota

— 14.07.2009

Fahren mit Hirn

Toyota hat einen Rollstuhl entwickelt, der sich allein mit Gedankenkraft steuern lässt. Was wie Zauberei klingt, basiert in Realität auf den Hirnströmen. Der Fahrer muss denken, das System registriert den Impuls und setzt ihn um.

Denken statt Lenken: Toyota-Ingenieure haben einen Rollstuhl entwickelt, der nicht manuell, sondern per Kopf gesteuert wird. Wer mit der geisterhaften Gehhilfe unterwegs ist, muss lediglich eine Kappe mit Sensoren über den Schädel streifen. Sie messen Hirnströme und leiten die registrierten Impulse an einem Rechner weiter, der Steuerbefehle an den elektrischen Rollstuhl fast in Echtzeit weiterleitet. Die Verzögerung beträgt nur 125 Millisekunden. Sogenannte BMI-Technologie (Brain-Machine-Interface) ist in der Lage, die Hirnsignale umzuwandeln. Toyota garantiert eine 95prozentige Zuverlässigkeit. Überdies sei das System lernfähig; es stellt sich also mit der Zeit auf die individuelle Denkweise seines Benutzers ein. Der Computer wertet gezielt die Gehirnströme aus, die beim Menschen die Koordination des rechten und des linken Arms sowie der Beine widerspiegeln. Einzig das Anhalten kann nicht durch neuronale Signale simuliert werden; hierfür wird auf eine komplett andere Bewegung gesetzt: Zum Stoppen muss der Fahrer eine seiner Backen kurz aufblasen. Das registrieren Sensoren in der Elektrodenbesetzten Kappe und leiten eine sofortige Bremsung ein.

Gedanken-Steuerung soll vermarktet werden

Das System soll weiter entwickelt werden, eine anschließende Vermarktung ist ausdrücklich vorgesehen. Bis dahin soll es noch weitere Befehle verarbeiten können. Dazu bedarf es leistungsfähigerer Elektroden als bisher. Außerdem erwägen die Forscher, noch weitere Hirnströme für die Steuerung zu nutzen. Wann dann die ersten Autos ohne Steuerrad, aber mit Fahrer-Schnittstelle fabriziert werden, ist nur noch eine Frage der Zeit. Toyota sieht medizinische High-Tech-Lösungen als wichtigen Zukunftsmarkt an.
Matthias Moetsch

Matthias Moetsch

Fazit

Sensoren messen die Gehirnströme des Fahrers, ein Computer setzt sie in Befehle um – bei einem Rollstuhl funktioniert das unter Laborbedingungen schon. Denkt der Rollstuhlfahrer "scharf links", lenkt das Gefährt scharf nach links, denkt er "halbrechts", lenkt es halbrechts. Nicht auszudenken, wenn so etwas in unseren Autos Einzug hielte. Man stelle sich nur einen unschlüssigen Wechselwähler im Großstadtgewühl vor. Erwägt er, seine Stimme der SPD zu geben, steuert das Auto plötzlich in den Gegenverkehr. Denkt er an die CDU, schrammt es gegen den Bordstein. Bei der FDP kommt es gefährlich ins Schlingern, und bei den Linken wendet es unvermittelt und fährt gegen eine Hauswand. Wollen wir das wirklich? Nein, um sicher Kurs halten zu können, braucht es ein Lenkrad in der Hand. Und Politiker, die geradeaus sind.

Autor: Roland Wildberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.