Opel

Hintergrund: Details zum PSA-Opel-Deal

— 06.04.2017

Was der Verkauf für Opel bedeutet

In Berlin hat der Peugeot-Chef Sorgen um Opels Zukunft zerstreut, doch die Opelaner bangen um ihre Jobs. Hintergrund zum Verkauf von Opel an Peugeot.

Vor einem Monat wurde der Verkauf von Opel an Peugeot besiegelt. Nach dem jüngsten Gespräch von Peugeot-Chef Carlos Tavares im Bundeskanzleramt hoffen die 19.000 Opelaner auf mehr Klarheit, was die Übernahme für sie bedeutet.

Was brachte das Treffen im Kanzleramt?

Die Franzosen zeigen großes Interesse an der Technik des Ampera-e.

Tavarez versicherte beim Treffen mit der Bundesregierung und den Ministerpräsidenten mit Opel-Werken, PSA werde alle vereinbarten Standort- und Jobgarantien einhalten. Der PSA-Chef bekräftigte, dass Opel/Vauxhall "als eigenständiges und einheitliches Unternehmen mit unabhängigen Marken" im PSA-Konzern fortgeführt werden solle. Der Branchenexperte Stefan Bratzel vom Auto-Forschungsinstitut CAM sieht darin allerdings keine Entwarnung für die deutschen Opel-Standorte und ihre Beschäftigten. "Rote Zahlen kann sich Tavares bei Opel nicht lange anschauen. Gelingt der Sprung in die Gewinnzone nicht, kann er die aktuell laufenden Jobgarantien in zwei, drei Jahren nicht erneuern", sagte Bratzel dem "Mannheimer Morgen". Denn: "Opel hat Überkapazitäten – und die müssen weg."

Wie sicher sind die Jobs bei Opel?

Betriebsbedingte Kündigungen sind nach den geltenden Tarifverträgen bis Ende 2018 ausgeschlossen, Investitionszusagen gelten bis 2020. Peugeot will sich an die GM-Pläne halten. Was danach am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim sowie den Werken in Eisenach und Kaiserslautern passiert, ist noch unklar. Wo und wie viel will PSA an den deutschen Standorten investieren? Unklar ist, was die Franzosen langfristig mit den 7700 Ingenieuren und Technikern im Entwicklungszentrum am Opel-Stammsitz Rüsselsheim vorhaben. Großes Potenzial hat die Umstellung von Verbrennungs- auf Elektromotoren. Die Technik für Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge könnte im PSA-Opel-Verbund aber vor allem aus Frankreich kommen - bei Peugeot und Citroen forschen bereits 13 000 Ingenieure zu den Antrieben der Zukunft. Kürzlich sagte Tavares: "In zehn Jahren wird man keinen Unterschied mehr machen, was vom Opel- oder vom früheren PSA-Entwicklungsteam entwickelt wurde." Dieser Satz kann vieles bedeuten. Klar ist: Jedes Entgegenkommen bei den Deutschen könnte Tavares zuhause in Frankreich in Erklärungsnot bringen.

Was ist mit den Pensionen der Opelaner?

Die Pensionsansprüche bei Opel bleiben erhalten. Die europäischen und britischen Pensionspläne von Opel und der britischen Schwester Vauxhall verbleiben größtenteils bei GM, ein Teil der deutschen Pensionslasten ("German Actives Plan") werden an PSA übertragen. Für die vollständige Begleichung übertragener Pensionsverpflichtungen zahlt GM drei Milliarden Euro an die Franzosen. Damit wird der Deal vollends zum Verlustgeschäft für die Amerikaner.

Kann der Deal noch platzen?

Der Deal könnte theoretisch noch platzen. Derzeit deutet darauf aber nichts hin. Peugeot geht die Übernahme offensiv an, will die deutsche Marke pflegen. In der Vergangenheit war die Opel-Mutter GM in Detroit der unberechenbare Faktor. So platzte 2009 auf den letzten Metern der Opel-Verkauf an den Zulieferer Magna, weil die US-Manager von GM kalte Füße bekamen.

Wie sieht der Zeitplan für die Opel-Übernahme aus?

GM und PSA hatten sich Anfang März auf den Opel-Verkauf geeinigt, der bis zum Jahresende juristisch abgeschlossen sein soll. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft samt der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt rund 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland. Durch den Kauf will PSA hinter Volkswagen zur Nummer zwei in Europa aufsteigen.

Wie geht Opel mit der Übernahme um?

Opel nimmt die Eingliederung in die PSA-Gruppe mit Humor. Der Konzern hat dazu zwei launige Videos produziert!
Opel dreht berühmten Louis-de-Funes-Sketch nach:

Wo muss Opel sparen?

Es geht vor allem um die Ertragskraft, den Gewinn pro Auto. PSA-Chef Carlos Tavares will Opel und Vauxhall innerhalb von drei Jahren in die schwarzen Zahlen führen. Tavares will durch die Fusion jährlich 1,7 Milliarden Euro einsparen.  Er verwies auf das Einsparpotenzial, beispielsweise durch Mengeneffekte beim Einkauf, die Zusammenführung der Fahrzeug-Plattformen und eine effizientere Produktion. Auf Hilfe aus Paris kann Opel dabei nicht zählen, denn Opel muss die Sanierung weitgehend selbst gestalten. Die Zeit dafür läuft: Spätestens 2020 muss Opel Gewinn machen. Das sieht ein Drei-Jahres-Plan vor. Die vollen Einspareffekte sollen 2026 wirksam werden. Dann soll die operative Marge bei sechs Prozent liegen.

Wie steht die Konkurrenz da?

Der neu geschmiedete PSA-Opel-Konzern erhöht den Druck auf die Wettbewerber, namentllich VW. Denn der in den Strudel des Abgasskandals geratene Autobauer verdient gemessen an anderen Herstellern zuwenig Geld. Gerade die Kernsparte VW gilt als ertragsschwach. Die Rendite liegt derzeit  bei nur zwei Prozent. Sie soll mittelfristig auf vier Prozent verdoppelt werden. Nicht besser steht Fiat Chrysler (FCA) da. In Europa kam Fiat 2016 auf eine bereinigte operative Marge von 2,5 Prozent, weltweit dank Chrysler bei 5,5 Prozent. Deutlich besser als Opel steht derzeit Ford da, nunmehr der letzte US-Konzern auf dem alten Kontinent. Experten rechnen nicht damit, dass sich die Mutter vom Europageschäft trennt. Schließlich haben die US-Autobauer alleine vergangenes Jahr 1,2 Milliarden Dollar verdient, ein Rekordgewinn. 

Was bedeutet die Übernahme für Opel-Kunden?

Für die nahe Zukunft bedeutet die Übernahme wenig: Peugeot steigt in die Herstellergarantie von Opel ein. Unklar sind noch die Auswirkungen auf Händlernetz und Werkstätten in Deutschland. Die zeigen sich erst nach der Integration von Opel in den PSA-Konzern. Immerhin könnten Opel-Fahrzeuge und Ersatzteile dafür günstiger werden, weil PSA als Großkonzern bessere Preise mit den Zulieferern aushandeln könnte. Gemeinsame Modelle bieten zahlreiche Kostenvorteile.

Was ist mit dem Händler- und Werkstättennetz?

Da sind Einschnitte absehbar, denn schon heute haben es Händler und Werkstätten schwer, die nur einzelne Marken vertreten. Immerhin könnte der Verkauf Vorteile für Kunden bringen, da sie künftig mit ihrem Opel auch Peugeot- oder Citroën-Werkstätten aufsuchen könnten. Die müssten sich jedoch erst auf die Fahrzeuge mit GM-Basis einstellen und in neue Diagnosetechnik investieren. In einigen Jahren, wenn die Marken verheiratet sind, könnten Opel bei Peugeot- und Citroën-Werkstätten gewartet werden – und umgekehrt.

Welche Autos entstehen gemeinsam?

Schon jetzt rollen Opel Crossland X, Citroën C3 Picasso und Peugeot 2008 in weiten Teilen baugleich auf die Straße. Alle werden im Opel-Werk Saragossa gefertigt. "Alles was man sehen und berühren kann, stammt von Opel", sagte Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Das Übrige kommt weitgehend aus dem PSA-Baukasten und steht auf einer Plattform der Franzosen. Zwei andere Gemeinschaftsautos entstehen bereits in den PSA-Werken am Stammsitz Sochaux und im nordspanischen Vigo. Die Zusammenarbeit beim Crossland X dürfte als Vorbild für weitere Modelle gelten. Auch der künftige Grandland X und der für 2018 angekündigte Opel Combo stehen schon auf einer Peugeot-Basis.

Sehen Opel künftig aus wie Peugeot und Citroën?

Der Opel Crossland X entsteht bereits in Kooperation mit Peugeot.

Das wohl nicht, aber unter dem Blech dürften viele Gleichteile stecken, denn künftige Autos werden wie der Crossland auf gleicher Plattform entstehen. Immerhin soll Opel seine eigenständige Optik behalten. Trotz vieler Gleichteile ist auch eine unterschiedliche Abstimmung der Fahrzeuge möglich. Deutsche Ingenieure und Kunden achten mehr auf fahrstabiles Handling, während bei den Franzosen der Komfort an erster Stelle steht.

Welche Chancen tun sich auf für Opel?

Zwei verbünden sich, einer scheidet aus: PSA-Boss Carlos Tavares, Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und GM President Dan Ammann (v.l.n.r.) in Genf.

©Boris Pieritz

Peugeot will mit Opel Kunden gewinnen, die kein französisches Auto kaufen. Daher bleibt die Traditionsmarke als eigenständiges Unternehmen erhalten. Es sei auch wichtig, dass Opel eine echte deutsche Marke bleibe, betonte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann auf dem Autosalon in Genf 2017: "Opel wird Opel bleiben." Dank des Zusammenschlusses mit dem französischen Konzern seien die Perspektiven gut, so der Opel-Chef. "Wir werden von der Größe profitieren sowie von einer gemeinsamen Entwicklung und Herstellung von Autos und von zwei sehr starken Ingenieurteams, die ihre Kräfte bündeln." Opel könnte somit dort auftreten, wo es französische Marken eher schwer haben. Davon könnten sowohl Opel als auch der neue Eigner Peugeot profitieren. Auf der Bühne in Genf bekräftigten Tavares und Neumann, sie wollten einen "europäischen Champion" schaffen. (Mit dpa/Reuters)
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Fazit

Für die nächste Zeit wird sich wenig ändern. Jetzt schlägt die Stunde der Planer. Sie werden Opel Einschnitte verordnen, denn die Marke muss Milliarden einsparen. Dabei werden wohl eine Menge Jobs draufgehen. Immerhin: Opel ist die von GM angelegten Fesseln für den internationalen Verkauf los und hat verschlankt bessere Überlebenschancen als unterm Dach von GM. Das muss als Trost vorerst reichen, doch wird die Übernahme auch wehtun.

Autoren: Christoph Richter,

Fotos: Boris Pieritz

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