Hintergrundbericht Ralf Schumacher

Hintergrundbericht Ralf Schumacher

— 25.06.2002

27 Jahre im Schatten

Am 30. Juni wird Ralf Schumacher 27 Jahre alt. So lange er lebt, rast er seinem groen Bruder Michael hinterher. Und lebt echt gut damit.

"Kann man nix dran machen, is' halt so"

Irgendwann muss der Kerl doch mal ausrasten. Aber auch nach der dritten Qualifying-Niederlage in Folge gegen Teamgefhrte Juan Pablo Montoya lsst er dermaen den Lssigen raushngen. Klingt fast schon provozierend, wenn Schumi II bei der Pressekonferenz mal wieder sagt: "Kann man eben nix dran machen, ist halt so." Wieder mal typisch. Genauso wie er sich schlaffer als schlaff auf dem silber-blauen Metallstuhl flezt. Und whrend des ungeliebten Frage-und-Antwort-Spielchens in einem der drei Team-Vorzelte gelangweilt die Finger auf dem grauen Tisch trommeln lsst.

Probleme mit seinem Schattendasein zwischen Blutsbruder Michael und BMW-Bruder Montoya scheint er offenbar keine zu haben. Warum auch? So ist Teamkollege Montoya, sein schrfster Rivale im Kampf ums bessere Image, mit vier Pole-Positions anno 2002 nur nach auen der Strahlemann der Blau-Weien. Unterm Strich steht nmlich immer noch Schumi II seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit Anfang 2001 besser da: vier zu eins vorn mit Siegen, nach Pole-Positions allerdings eins zu sechs hinten. Doch wirklich zhlen tun in der Formel 1 nur Rennergebnisse.

So sieht das auch Williams-Cheftechniker Patrick Head: "Seit 1999 ist Ralf punktemig unser bester Fahrer. Ich bin mir sehr sicher, dass er bers Jahr die gleich guten Leistungen bringt wie Juan." So viel Lob fr seinen deutschen Piloten war vom brbeiigen Briten lange nicht zu hren. Mehr Einsatz hatte Head von Schumacher oft genug gefordert.

Vor allem Ende 2000 und Ende 2001, wo sich Ralf erst gegen Neuling Jenson Button, dann gegen Neuling Juan Pablo Montoya als Halbsaisonarbeiter outete. Weil BMW-Williams kein Siegerauto fr ihn fabrizieren konnte, schaltete Schumi II zweimal im zweiten Saisonabschnitt zwei Gnge zurck.

Die Familie machte den kleinen Ralf gro

Doch was macht Technikboss Head so sicher, dass dies nun zu Beginn der zweiten Formel-1-Jahreshlfte 2002 nicht wieder passiert? Nichts! Denn: "Ralf ist wie viele Topfahrer ein Typ, der wenn das Auto sehr gut ist, etwas mehr Leistung bringt." Was er nicht sagt: Ein Juan Pablo Montoya, vor allem aber ein Michael Schumacher geben selbst in einem nicht so perfekten Wagen so viel sie nur knnen. Das trennt eben die Spreu von Meistern.

Ein Arbeitsgert, mit dem Ralf Schumacher Big Brother Michael beim Restprogramm 2002 regelmig an der Spitze rgern kann, eine solche Motivationsspritze wird BMW-Williams wohl nicht mehr aufziehen. Die angedachte revolutionre B-Version des aktuellen Modells wurde gestoppt. Wegen der erdrckenden Ferrari-berlegenheit macht diese zustzliche Mammutinvestition in den Augen der Bayern und Briten keinen Sinn.

Bei der jetzt gefahrenen Strategie der kleinen Fortschritte kommt allerdings Schumi II ganz und gar nicht auf seine Kosten. Denn er erwartet von seiner Mannschaft bis zum Saisonende noch einen technischen Quantensprung. Und ber den Winter einen weiteren. Weil BMW-Williams nur an Ferrari ran- und vorbeikommen kann.

Fhrt Ralf Schumacher also wieder nur Dienst nach Vorschrift, wenn seine Ingenieure vor allem aerodynamisch und fahrwerkmechanisch die Kurve nach oben kriegen? "Bldsinn", winkt sein Manager Willi Weber ab. "Ralf arbeitet analytischer und zeitintensiver als je zuvor." Woran das liegt? "Auch an der Familie", verrt Weber.

Trotz berbruder immer noch da und hei

Die Heirat mit Cora und die Geburt von David (jetzt acht Monate) lieen den kleinen Schumi endlich gro werden. Wenn Baby nachts schreit und Mama liegen bleiben will, muss eben Papa ran. Verantwortung wegschieben vergiss es! Ralf, jahrelang der Liebhaber des geringsten Widerstands, lernte daheim: Schweinehund berwinden verbessert Disziplin; mehr Disziplin bringt mehr Erfolg; Baby still, Mama auch. Und diese Formel lst auch Formel-1-Probleme.

Eine Erkenntnis, die bei ihm lnger reifen musste als bei den meisten anderen. Doch wie das halt so ist, wenn man sechseinhalb Jahre nach einem in der Autofahrkunst extremst begnadeten Bruder das Licht der Kartbahn erblickt. Dann 27 Jahre lang chancenlos gegen die einzigartige Rekordwelle des Groen anbrettert. Wer da nicht die Rolle des lssigen Schattenmanns beherrschen lernt, ist schnell weg im schnellen Geschft.

Doch Ralf ist trotz berbruder Michael immer noch da, sogar in der Knigsklasse des Motorsports. Und immer noch hei. "Formel-1-Siege und -Titel, mehr zhlt fr ihn nicht", sagt Manager Weber mit geballten Fusten. Einer, der seit 27 Jahren im Schatten steht, der hat auch noch genug Sitzfleisch, um aufs berauto von BMW-Williams zu warten. Oder, wenn das nicht mehr kommt, darauf, dass der groe Schumi seinen Ferrari-Platz gegen das Rentnerleben eintauscht.

Auerdem gibt es neben Familie noch andere Sozialaufgaben, die tierisch Sonne ins Leben bringen. Wie die Frau, die er in seinem Jagdrevier gerade fieberhaft fr den Mann sucht, der aus Deutschland raus musste und in Ralf Schumachers Wahlheimat sterreich Asyl fand. Zur Erklrung: Es geht um eine Wildsau, die dank Schumi II wohl noch mal Schwein hat.

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