Hitchbot in Victoria

Hitchbot ist am Ziel

— 22.08.2014

Trampender Roboter erreicht Victoria

Der trampende Roboter Hitchbot ist am Ziel. Früher als geplant – dank vieler hilfreicher Menschen, die den kleinen elektronischen Anhalter am Straßenrand auflasen.

(dpa) Es ist ein wenig aus der Mode gekommen in unserer Welt voller Internet-Mitfahrzentralen und Billigflügen: das Trampen. Umso erstaunlicher ist die Geschichte von Hitchbot. Rund 6000 Kilometer hat der Tramper hinter sich gebracht, doch dabei handelt es sich gar nicht um einen Menschen, sondern um einen kleinkindgroßen Roboter. Vier Wochen hatten seine Erfinder angesetzt, damit der es von der Ostküste Kanadas an die Westküste schaffen sollte. Doch die menschlichen Mitfahrer waren großzügiger als geplant, bereits nach drei Wochen war Hitchbot am Ziel in British Columbia. Nach einer Ehrenrunde in der Region wollten seine Erfinder am Donnerstagabend (Ortszeit) in einer Kunstgalerie in Victoria den vollen Erfolg der Roboterreise feiern.

45.000 Fans auf Facebook

Nach der Ankuft in Victoria bekommt Hitchbot ein Küsschen.

Am Ende lieferte Hitchbot nicht nur vor Ort Anschauungsmaterial zum Austausch zwischen Mensch und Maschine – auch im Internet wurde der Roboter zum Star. Rund 35.000 Menschen verfolgten seine Reise bei Twitter. Die Zahl seiner Fans auf Facebook ist auf mehr als 46.000 geklettert. Hinter dem visionären Technikprojekt steckt auch eine Deutsche, die Kommunikationsforscherin Frauke Zeller von der Ryerson Universität in Toronto. Sie hatte den kleinen Roboter gemeinsam mit ihrem Kollegen David Smith und einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern und Studenten erdacht und gebaut. Ende Juli hatten sie Hitchbot an einer Autobahn nahe der ostkanadischen Stadt Halifax ausgesetzt.

Hitchbot ist auch ein Kunstprojekt

Insgesamt mehr als 6000 Kilometer hat der trampende Roboter auf seiner Reise zurückgelegt.

Von dort aus schlug er sich bis Vancouver Island im Westen des Landes durch. Das Ganze war auch als Kunstprojekt gedacht. Es soll zu Diskussionen über das Trampen und die Interaktion zwischen Mensch und Roboter anregen. Mit Hilfe von Hitchbot sollte geprüft werden, wie freundlich Menschen einem Roboter begegnen, hatten die Erfinder in Interviews gesagt. Sicher half es da, dass das Kunstwesen dank Schwimmnudeln, Gummistiefeln, einem Eimer, einer Kuchenhaube und ähnlichen Einzelteilen für eine Maschine recht putzig zurecht gemacht war. Das Gesicht des Hitchbot besteht aus einem LED-Smiley. Betrieben wird der Roboter mit Solarzellen. Er kann aber auch per Kabel an eine Steckdose oder den Zigarettenanzünder im Auto angeschlossen werden. Er spricht mit einer Stimme ähnlich der eines Navigationsgerätes, verfügt über eine Spracherkennung und eine Schnittstelle zu Wikipedia. Wer ihn an der Straße fand, brauchte ihn nur hochzuheben und ins Auto zu packen. Sein hinteres Stützbein lässt sich dafür hochklappen, der Hintern besteht aus einem Kindersitz. Auf der Rückseite findet sich eine Betriebsanleitung. Autofahrer konnten dem Roboter Geschichten erzählen, die er auf Wunsch aufnahm. Außerdem machte er regelmäßig Fotos und funkte per GPS seinen Aufenthaltsort zu seinen Erfindern. Schon die ersten Momente der ungewöhnlichen Reise, von der zunächst niemand wusste, wie lange sie noch dauern wird, verliefen vielversprechend. Bereits wenige Minuten nach dem Aussetzen am 27. Juli nahmen die ersten Menschen Hitchbot ein Stück mit. "Es war schön, dich kennenzulernen", schrieb ein Weggefährte beim Kurznachrichtendienst Twitter. Später verzierten viele andere die Maschine oder unterschrieben auf seinem Kunstkörper. Sogar an einer Hochzeit nahm der Roboter teil und wurde zusammen mit dem Brautpaar beim Tanzen fotografiert, Hitchbot fuhr in einem Zedernkanu von Indianern und bekam schließlich von kanadischen Ureinwohnern sogar gleich die höchste aller Weihen: Mit dem Stamm der Wikwemikong feierte der er auf Manitoulin Island eine rituelle Zeremonie und erhielt den Ehrennamen "Biiaabkookwe" (Eiserne Frau).

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