Hitliste 1. Halbjahr 2004

— 05.08.2004

Mit alten Autos durch die Krise

Aus der Reformnot wird eine Tugend: Die neue Lust auf altes Blech belastet den Neuwagenmarkt, hilft aber sparen.



Neuzulassungen auf dem Niveau von 1994

Mit den Pkw-Neuzulassungen ist es wie mit dem Wetter. Trotz der prächtigen Vorhersagen nur trübe Tage, Regen und Sturm. Alle warten gebannt auf Sonne, und schon kleinste Wolkenlöcher versetzen die Menge in Verzückung. Der entscheidende Unterschied: Während wir noch 2003 Superwetter genossen, fällt der Autosommer nun schon seit fünf Jahren ins Wasser.

Auch nach diesem Juni steht fest: Es sieht weiterhin düster aus. Schlappe 1,66 Millionen Pkw wurden im ersten Halbjahr mit frischen Kennzeichen bestückt – ein Minus von 1,3 Prozent. Auf so niedrigem Niveau lagen die Inlandszulassungen zuletzt 1994. Zumindest in diesem Jahr scheint die Krise hausgemacht. Denn während sich das Ausland längst wieder auf dem Beschleunigungsstreifen der Konjunktur befindet, stolpert der Aufschwung ausgerechnet in der Autonation Deutschland über die sehr schwache private Nachfrage.

"Die Leute sind zermürbt von wegbrechenden Sozialsystemen und finanziellen Mehrbelastungen", erklärt Ulrich Winzen vom Marktforschungs-Unternehmen Polk. "Selbst wenn das Geld für Neuwagen da ist, bleiben viele beim alten Auto. Weil keiner weiß, was noch kommt." So treibt die Zukunftsangst das Durchschnittsalter unserer Autos auf Rekordhöhen: Knapp acht Jahre laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Und macht nicht einmal vor dem Garagen-Prestige halt. Glich es vor kurzem noch dem gesellschaftlichen Offenbarungseid, sich ein älteres Modell als der Nachbar vor die Haustür zu stellen, entwickeln sich immer mehr Alte zu Kultgefährten.

"Wozu Geld in anfälliges Hightech stecken?"

Selbst Besserverdienende stehen zu ihrem Golf II oder alten Benz. Wie etwa Steuerberater Gunnar Stuhr (29) aus Hamburg. Er schwört auf seine E-Klasse von 1990: "Der 124er fährt hervorragend, wozu teures Geld in anfälliges Hightech stecken?" So denken viele und verhelfen einem ganz speziellen Fahrzeugsegment zu ungeahnter Blüte.

"Youngtimer, also über 20 Jahre alte Autos, verzeichnen in den letzten Jahren einen deutlich ansteigenden Trend", bestätigt auch Jürgen Wirth, Vizepräsident des Deutschen Automobil Veteranen Clubs (DAVC) die neue Vorliebe am alten Gefährt. Galten die Alltagsautos der 70er und 80er Jahre bislang bestenfalls als billige Studentenvehikel, gibt es derzeit kaum Angesagteres als etwa Mercedes-Benz "Strichacht" (1968 bis 1976) oder die Nachfolgetypen (W 123, 1976 bis 1985). 663.544 über 20 Jahre alte Pkw sind laut KBA aktuell noch zugelassen. Und es werden immer mehr, verbesserte sich doch die Rostvorsorge Mitte der 80er Jahre entscheidend.

So fährt Deutschland mit alten Autos durch die Krise. Und deren Ende ist trotz guter Juni-Zahlen nicht in Sicht: 311.162 Neuzulassungen, vier Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Ein Pyrrhussieg", bremst Marktexperte Ferdinand Dudenhöffer verfrühte Hoffnungen, "denn der Monat hatte zwei Arbeitstage mehr als im Vorjahr. Eigentlich war der Juni so schwach wie die Vormonate." Ja, und wann wird’s auf dem Neuwagenmarkt mal wieder richtig Sommer? Nicht vor dem Herbst, sind sich die Experten einig.

Plätze 1 bis 50

Van schon, denn schon: Immer mehr Neuwagen-Käufer entscheiden sich für einen Kompaktvan. Neuling Ford Focus C-Max liegt im internen deutschen Vergleich auf Rang drei (Platz 28, 16.977 Zulassungen). Opel Zafira (Platz 23, 19.903 Zulassungen) und Renault Scénic (Platz 30, 15.752 Zulassungen) sind ebenfalls sicher in den Top 50 positioniert. Sieger im Van-Wettkampf: der Volkswagen Touran. Er verbesserte sich im Halbjahresvergleich von Platz 36 auf acht (48.105 Neuzulassungen).

Rang +/- Modell Jan. - Jun. 04 Jan. - Jun. 03 +/- in %
1 0 VW Golf 108.307 117.265 -7,6
2 0 BMW 3er 56.966 74.696 -23,7
3 0 Audi A4 53.257 59.652 -10,7
4 4 Opel Astra 52.819 52.485 0,6
5 2 Mercedes-Benz C-Klasse 49.237 53.341 -7,7
6 0 Mercedes-Benz E-Klasse 48.800 54.074 -9,8
7 -2 VW Passat 48.280 57.708 -16,3
8 28 VW Touran 48.105 12.869 273,8
9 -5 VW Polo 43.911 59.568 -26,3
10 -1 Ford Focus 39.918 44.047 -9,4
11 0 Mercedes-Benz A-Klasse 35.239 35.674 -1,2
12 8 BMW 5er 32.758 21.756 50,6
13 -3 Opel Corsa 30.928 41.161 -24,9
14 -2 Peugeot 206 30.459 33.512 -9,1
15 40 Opel Meriva 28.482 7.273 291,6
16 3 Skoda Fabia 26.945 23.285 15,7
17 1 Audi A3 26.691 23.448 13,8
18 4 Peugeot 307 24.821 20.759 19,6
19 -4 Ford Fiesta 24.520 27.834 -11,9
20 -3 Audi A6 22.050 24.697 -10,7
21 0 Renault Mégane 21.935 21.147 3,7
22 2 Toyota Corolla 20.102 18.820 6,8
23 -9 Opel Zafira 19.903 29.674 -32,9
24 -11 Opel Vectra 19.623 29.827 -34,2
25 -9 Ford Mondeo 18.999 24.758 -23,3
26 -3 Skoda Octavia 18.961 18.856 0,6
27 3 VW Transporter 17.082 15.977 6,9
28 215 Ford Focus C-Max 16.977 79 21389,9
29 30 Toyota Avensis, Carina 15.824 6.943 127,9
30 -5 Renault Scénic 15.752 18.602 -15,3
31 -5 Smart Fortwo 14.795 18.254 -18,9
32 -4 Renault Clio 13.926 17.793 -21,7
33 -4 Mazda 6 13.030 17.155 -24,0
34 -1 Mini 12.703 13.269 -4,3
35 7 Toyota Yaris 12.561 10.655 17,9
36 -9 Renault Twingo 12.476 18.227 -31,6
37 -5 Seat Ibiza, Cordoba 12.406 13.288 -6,6
38 28 Mercedes-Benz SLK 11.607 5.380 115,7
39 - Mazda 3 11.480 - -
40 -5 Mercedes-Benz CLK 11.182 12.901 -13,3
41 -10 Fiat Punto 10.250 15.965 -35,8
42 1 Ford Ka 10.148 9.635 5,3
43 3 Seat Toledo, León 9.933 9.311 6,7
44 0 Toyota RAV 4 9.552 9.427 1,3
45 -5 Nissan Micra 9.249 11.717 -21,1
46 -8 Fiat Stilo 9.207 12.153 -24,2
47 -8 VW Sharan 9.006 11.967 -24,7
48 40 VW Touareg 8.618 3.508 145,7
49 0 VW New Beetle 8.616 8.411 2,4
50 7 BMW X5 8.597 7.192 19,5

Plätze 51 bis 100

Von wegen Sportwagenkrise: Der Porsche 911 fand im ersten Halbjahr 4047 neue Käufer (plus 13,4 Prozent) in Deutschland.

Plätze 101 bis 150

Gleich 42 Plätze abwärts ging es für den Mercedes-Benz SL. Mit 2455 verkaufen Fahrzeugen rutschte er aus den Top 100 (113.).

Plätze 151 bis 200

Hybrid ist auf dem Vormarsch. Der mit Strom und Benzin angetriebene Toyota Prius liegt mit 468 Einheiten (plus 654,8 Prozent) auf Rang 196.

Plätze 201 bis 250

Neu in der Halbjahres-Hitliste ist der Daewoo Lacetti. 322 mal wurde der frisch gestartete Korea-Golf bislang verkauft.

Plätze 251 bis 285

Mercedes-Benz mal anders: Die Schwaben liefern die Motoren für die Offroader von SsangYong. Dem Rexton hilft das nicht wirklich: Von Januar bis Juni 2004 fand er genau 85 Käufer.

Autor: Henrik Fels



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