Hohe Benzinpreise

Hohe Benzinpreise

— 03.06.2004

Die Amerikaner schimpfen

Nicht nur in Europa sthnen die Autofahrer ber Schwindel erregende Benzinpreise. Auch die Amerikaner werden langsam sauer.

Das Coming Out der Benzinfresser

Mit ber zwei Dollar pro Gallone (knapp 3,8 Liter) hat der durchschnittliche Benzinpreis in den USA in dieser Woche fr die Amerikaner fast unvorstellbare Hhen erreicht. Rechnet man diesen Betrag aber um, drfte der Preis manchem Europer heie Trnen des Neids in die Augen treiben: Denn selbst jetzt bezahlt man in den USA nur knapp 43 Eurocent pro Liter. Der Hauptgrund dafr ist die niedrigere Steuerbelastung in Amerika. Im Land der Autos, der Pendler und der schlechten Nahverkehrsverbindungen ist das politisch gewollt - seit Jahrzehnten.

Doch schmerzlich ist die Preisexplosion fr die Amerikaner allemal, mussten sie doch vor einem Jahr fr die Gallone noch 60 Cent weniger bezahlen. Der Umstand, dass die meisten Fahrzeuge auf Amerikas Straen - vor allem die beliebten leichten SUVs - eher durstig als sparsam sind, macht sich nun ebenfalls bemerkbar. Die Leute spren die Preisexplosion zwar, haben ihr Verhalten aber noch nicht gendert, wie es beim Autoclub AAA heit.

Am vorigen Wochenende, dem Memorial Day Weekend, ist in den USA traditionell die Hauptreisesaison eingeleitet worden. "Fast wren wir nicht gefahren", erklrte ein Urlauber an einer Raststtte in Texas. Fr die Fahrt von Houston nach Kansas zu seiner Mutter muss er hin und zurck rund 250 Dollar und damit etwa doppelt so viel wie vor einem Jahr bezahlen. Um das Geld wieder zu sparen, will die vierkpfige Familie nun auf einige Stopps bei Schnellimbiss-Ketten verzichten.

Die meisten Autofahrer sind bislang nicht bereit, ihre Reiseplne aufzugeben, sagt AAA-Sprecherin Rose Rougeau: "Wenn man die Hotelrechnungen und die Kosten fr die Verpflegung bedenkt, dann machen die Benzinausgaben nur einen kleinen Teil des Reisebudgets aus."

Tanktourismus wird immer attraktiver

Auch die deutschen Autofahrer reagieren auf die steigenden Treibstoff-Kosten. So sthnt die Minerallbranche ber die drastische Zunahme des Tank-Tourismus in den Grenzgebieten. Der Deutschland-Chef von Total, Thierry Pflimlin, klagt ber erhebliche Umsatzrckgnge. Laut ADAC nehmen Autofahrer fr billigeres Benzin weitere Strecken in Kauf. Das Ausma des Tank-Tourismus lsst sich nach den Worten von ADAC-Sprecher Maximilian Maurer aber nicht abschtzen. Ausschlaggebend sei der Preisunterschied. Bei zehn bis 15 Cent pro Liter sei fr viele deutsche Autofahrer ein Tank-Trip attraktiv.

Groes Preisgeflle lockt nach Maurers Worten zunehmend Autofahrer aus weiter von der Grenze entfernten Gebieten an. Nach Luxemburg beispielsweise reisten Tank-Touristen bis aus 30, 40 Kilometer Entfernung an. Im Nachbarland kostet das Benzin 0,95 bis 1,00 Euro pro Liter, Diesel 0,69 Euro. hnlich ist laut Maurer die Situation an der Grenze zu Polen. Dort kostet der Liter Diesel rund 0,68 Euro, der Liter Super 0,84 bis 0,88 Euro. In sterreich betragen die Preise 0,92 Euro fr Normalbenzin, bis zu 0,99 Euro fr Super und 0,80 Euro fr Diesel. In der Schweiz und in Liechtenstein kostet ein Liter Diesel 0,95 Euro, Normalbenzin und Super 0,96 beziehungsweise 1,00 Euro. In der Tschechischen Republik ist Super laut ADAC fr 0,96 bis 1,06 Euro zu haben, Diesel fr 0,83 Euro.

Trotz niedrigerer Benzinpreise in Nachbarlndern rt der ADAC Autofahrern, die mgliche Ersparnis genau auszurechnen. "Um nur zu tanken, rentieren sich weite Strecken nicht", gab Maurer zu bedenken. Viele Autofahrer verbnden aber das Tanken im Ausland mit privaten oder geschftlichen Terminen. Maurer sagte weiter, die meisten Autofahrer knnten 20 bis 25 Prozent Kraftstoff einsparen - mit vorausschauendem Fahren und dem Verzicht auf starke Beschleunigung und hohe Drehzahlen.

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