Honda Civic (1991-1995)

Honda Civic (1991-1995) Honda Civic (1991-1995)

Honda Civic (1991-1995)

— 25.02.2002

ADAC überflüssig

Gelbe Engel ohne Auftrag - der Honda Civic braucht nur selten helfende Hände.

Zuverlässig und solide

Was, bitte, heißt Honda Civic? Wörtlich so etwas wie städtisch oder für die Stadt. Typ kompaktes Volumenmodell also, aber beileibe keiner für alle. Denn der flotte Japan-Golf erobert in seiner vorletzten Fasson (91-95) vor allem die Frauenherzen. Geschniegelt, praktisch, zuverlässig - ein richtiger Musterknabe für Honda-Fahrerinnen. Und die Pannenstatistik von Deutschlands größtem Automobilclub gibt ihnen recht: Der Civic läßt sie so selten im Stich, daß Frau sogar auf die Gelben Engel verzichten kann.

Wer so zuverlässig fährt, der hat auch keine Angst vorm TÜV, bei dem die drei- bis neunjährigen Modelle überdurchschnittlich gut abschneiden. Wie solide ein junger Civic wirklich ist, sahen wir am 95er Testmodell mit 115000 Kilometern bestätigt. Rost? Ab 91 kein Thema mehr. Defekte Bremsleitungen oder Bremsschläuche? Fehlanzeige. Lenkgelenke? Stabil. Das gilt auch für die Manschetten der Antriebswellen, die oft erst jenseits der 120000 Kilometer austauschwürdig werden.

Nur der Auspuffendtopf ist vor allem bei Kurzstreckenautos schnell vergammelt. Besonders betroffen war der 93er Jahrgang, der mittlerweile nachgerüstet sein dürfte. Auch wenn der Auspuff nicht dröhnt: genau hinhören! Besonders ältere Civic leiden jenseits der sechsstelligen Tachoanzeige unter Verwindungen und beginnen zu klappern. Nicht ganz unschuldig dürften daran auch vereinzelt die lauten, drehfreudigen Motoren sein.

Technik und Innenraum

Gerade die Triebwerke sind es aber, die das Stadtauto zu einem Renner machen, ohne den Benzindurst in schwindelnde Höhe zu treiben. Schon die beliebteste Version, die mit dem 1,3-Liter- Einspritzer, offeriert 75 PS (Verbrauch etwa acht Liter auf 100 Kilometer). Danach reicht die Bandbreite der VTEC-Motoren mit variabler Ventilsteuerung über 90 und 125 Pferdestärken bis zum Leckerbissen - dem 160-PS-Motor mit doppelter Nockenwelle.

Zuverlässigkeit gilt auch für die Motoren, sofern die Zahnriemenintervalle - alle 100000 Kilometer - beachtet werden (Preis um 350 Mark). Durchgebrannte Zylinderkopfdichtungen blieben wie defekte Wasserpumpen und Kühler die Ausnahme. Für ihre notorischen Zickigkeiten ist allerdings die Elektrik bekannt: Entladene Batterien, feuchte Verteilerkappen oder Zündkerzen heißen die Übeltäter. Und auch elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und Wegfahrsperre zählen zu den häufigeren Minipannen.

Ohne Fehl und Tadel: das Fahrwerk. Gute Kurvenlage, wenig Lastwechselreaktion, exakte Lenkung - der Civic verdient wie kaum ein anderer das Prädikat eines Stadtflitzers. Erkauft wird diese Fahrsicherheit mit einem straff abgestimmten und nur mäßig komfortablen Fahrwerk. Dafür lassen sich die Bremsen fein dosieren, Trommeln und Scheiben gelten gleichermaßen als standfest. Auffällig häufig wird von den AUTO BILD-Lesertestern lediglich die Handbremse kritisiert. Vermutlich auf Grund der seltenen Benutzung rostet sie fest, zieht dann nur noch einseitig.

Was spricht gegen gebrauchte Civic? Nichts Technisches, eher der knapp bemessene Kofferraum (Dreitürer: 190 Liter; Golf III: 330 Liter), der geringere Komfort und die hohen Ersatzteilpreise. Doch das schreckt die Civic-Fangemeinde kaum. Vierjährige Modelle behaupten sich bei der Hälfte des Neupreises, die viertürige Stufenhecklimousine ist naturgemäß weniger begehrt als der klassische Dreitürer oder das seltene Coupé. Selbst siebenjährige Modelle werden um 10000 Mark gehandelt. Kein Wunder, Civic-Freundschaften halten lange, wenn die Fahrerin erst mal gemerkt hat, daß die Zuverlässigkeit ihres neuen Freundes fast unbezahlbar ist.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/91 Einführung der fünften Civic-Modellgeneration als Fließheck (Drei- und Fünftürer). Kombi auf Civic-Basis: der Shuttle 4WD. Benziner mit 75, 90, 125 und 160 PS. Basismodell 1.3 ab 20490 Mark • 1/92 viertüriges Stufenheckmodell ab 25730 Mark • 8/92 Flankenschutz serienmäßig, Fahrerairbag nur in VEi-, ABS nur in VTi-Modellen Serie • 4/93 Sondermodelle "College" und "City Edition" • 1/94 zweitüriges Coupé auf Civic-Basis ab 27180 Mark • 9/95 Modellwechsel zur sechsten Generation.

Schwachstellen Auspuff rostet schnell, vor allem bei Kurzstreckenautos. • Zahnriemen sind ein billiges Kapitel, wenn sie alle 100000 Kilometer oder nach fünf Jahren getauscht werden - sonst ist ein neuer Motor fällig. • Elektrik mit Sperenzchen: Die AUTO BILD-Lesertester monieren versagende Fensterheber, Zentralverriegelung, Batterie, Wegfahrsperre. • Zündung mit Aussetzern. Nach ADAC-Pannenstatistik sind feuchte Verteilerkappen (besonders 93/94) und defekte Zündkerzen schuld. • Kühlschläuche waren bei der Vorgängergeneration oft porös. Bei neuen Modellen ist meist ein Mardergebiß für Löcher verantwortlich. • Rückrufaktionen: 94 mußte eine Sicherungsklammer des Zuges bei Automatikgetrieben ersetzt werden; 96 klemmte ein Einwegventil am Schlauch des Bremskraftverstärkers und wurde ausgetauscht.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Honda Civic 1.3, 55 kW/75 PS, Baujahr 94. Preise auf dem Niveau einer stolzen Mittelklasse, vor allem die Nebenaggregate. Da ist es nur ein schwacher Trost, daß der Civic zuverlässig ist.

Fazit und Urteil

Fazit Der Civic ist Hondas Golf - kompakt und solide. Ihre Beliebtheit hat die fünfte Generation seit 91 vor allem der Zuverlässigkeit zu verdanken. Die seltenen Pannen liegen fast ausschließlich im Bereich der Zündanlage (feuchte Verteilerkappen und Zündkerzen). Ansonsten fallen lediglich reine Verschleißerscheinungen auf: korrodierte Auspuffendtöpfe bei Kurzstreckenautos, rissige Gelenkmanschetten nach 120000 km und wechselbedürftige Zahnriemen nach 100000 km oder fünf Jahren. Den besten Mix zwischen Sportlichkeit und Sparsamkeit bietet der 1,5-Liter-Einspritzer mit 90 PS. Wer's eiliger hat, dem sei der 1.6er mit variabler Ventilsteuerung empfohlen, der 160 PS mobilisiert.

AUTO BILD-Urteil: Sehr empfehlenswert

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