Honda Civic CTDi

Honda Civic CTDi Honda Civic CTDi

Honda Civic CTDi

— 25.03.2002

Der Spätzünder

Der größte Motorenhersteller der Welt hat den Diesel-Trend verpennt. Erst jetzt kommt Honda mit dem ersten Diesel im Civic - und selbst der stammt von Isuzu.

Hondas zweiter Diesel-Versuch

Honda ist der größte Motorenhersteller der Welt - und hat keinen Diesel. Honda war Formel-1-Weltmeister, steht für Hightech und hohe Leistungen. Hondas Kolben bewegen Pkw, Motorräder, Boote und Rasenmäher. Nur einen eigenen Selbstzünder hatten die Burschen bislang nicht. Da fasst man sich doch an den Kopf. Ein Grund für das Desinteresse liegt am Stellenwert des Diesels in Japan. Pkw-Diesel gelten fast als Todsünde, ihr Image ist schmutzig.

Doch während andere japanische Hersteller wie Toyota oder Nissan wenigstens rechtzeitig den Diesel-Boom in Europa erkannten und konstruktive Erfahrungen sammelten, hat Honda den Trend verpennt. Ein erster, mehr halbherziger Versuch wurde 1996 gestartet: im Accord. In ihm nagelte allerdings ein Zweiliterdiesel von Rover - mit nur mäßigem Erfolg. Jetzt soll alles anders werden. Honda bringt den ersten Diesel im Civic. Doch noch immer sind die Japaner auf das Know-how anderer angewiesen. In diesem Fall auf das von Isuzu, die auch den Diesel für den Opel Corsa herstellen.

Vor drei Jahren fanden die ersten Gespräche statt. Isuzu zeigte Honda einige Basismotoren. Um Zeit und Kosten zu sparen sowie aus logistischen Gründen (gleiche Zylinderabstände, dieselbe Fertigungsstraße) entschied man sich für den Opel-Rumpfmotor. Dieser allerdings erfuhr durch Honda reichlich Überarbeitung, denn schließlich leistet der 1,7-Liter im Civic 100 und nicht wie im Corsa nur 75 PS.

Einspritztechnik von Bosch

So wurden die Kurbelwelle dicker, der Block steifer und die Pleuel stärker. Die Einspritzdüse sitzt nun senkrecht, der Motor wurde für den Einbau nach vorn geneigt. Modernste Einspritztechnik liefert Bosch. Im Civic kommt die zweite Generation Common Rail zum Einsatz, heißt: bis zu 1600 Bar Einspritzdruck. Zusätzliche Leistung bringen ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie, variabler Ansaugquerschnitt, Ladeluftkühler und zwei oben liegende Nockenwellen (DOHC), die je vier Ventile pro Zylinder betätigen.

Ergebnis: 220 Newtonmeter Drehmoment, das bereits bei 1800/min anliegt und konstant bis 2800/min zur Verfügung steht. Zum Vergleich: Der Corsa-Diesel schafft nur 165 Nm. Dennoch mag der Civic es nicht, niedertourig durch die Stadt gefahren zu werden. Fällt die Tachonadel beim Abbiegen auf unter 30 km/h, zeigt sich der 1,7-Liter von der schlappen Seite. Ungeduldige müssen stets zurückschalten, was angesichts der knackigen Schaltung keine Mühe bedeutet. Erst zwischen 2000 und 3000/min kommt der dieseltypische Sprint, schnurrt der Vierzylinder sportlich los. Er bleibt dabei nahezu frei von Vibrationen und Brummgeräuschen.

Ein Lob an die Motorentechniker, die das auch ohne den teuren Einsatz von Ausgleichswellen geschafft haben. Auf der Autobahn rennt der Civic Diesel leicht über 180 km/h, ist dabei subjektiv sogar leiser als ein Benziner, der konstruktionsbedingt höher dreht. Mit dazu bei tragen sicher die gute Motorkapselung und die größervolumigen hydraulischen Motorlager. Beim Start (über null Grad) muss der Fahrer keinerlei Vorglüh-Prozeduren beachten. Schlüssel rumdrehen, der Motor läuft. Zwar nagelt er anfangs noch etwas, dies aber eher gedämmt und zurückhaltend.

Motor und technische Daten

Nach ein paar Kilometern ist fast vergessen, nach welchem Arbeitsprinzip es da vorn unter der Haube zur Sache geht. Insgesamt liefert der kleine Isuzu-Diesel im Civic eine positive Vorstellung ab. Wenn auch kein herausragendes Technik-Highlight, so ist er doch wenigstens ein zeitgemäßer Motor, der gut zu dem Auto passt. Bei der ersten Ausfahrt kamen mir lediglich Zweifel, ob denn der versprochene Fünf-Liter-Verbrauchsmix gehalten werden kann. Zwar mag ich etwas zügiger als normal unterwegs gewesen sein, doch erscheinen mir sieben Liter ein bisschen zu durstig. Ein Test wird diese Unklarheit in Kürze beseitigen. Im neuen Accord (kommt 2003) kommt dieser Diesel übrigens nicht zum Einsatz.

Die Mittelklasse-Limousine erhält einen dann wirklich eigenen Honda-Diesel, der auf dem 2,2-Liter-iVTEC-Benziner aufbaut und somit komplett aus Aluminium ist. Voraussichtliche Leistung: 150 PS und 340 Nm. 17 Prozent Anteil, so die Marketingstrategen bei Honda, könnte der Diesel im Civic-Programm erreichen. Eine vorsichtige Schätzung, denn die jüngst veröffentlichten Januar-Zahlen sind weitaus positiver. Fast vier von zehn Neuwagenkäufern entscheiden sich in Deutschland für einen Diesel. Doch die Japaner wissen, dass es Zeit braucht, bis Honda auch in Diesel-Kreisen einen guten Namen hat.

Technische Daten Vierzylinder-Diesel-Reihenmotor, vorne quer • zwei oben liegende Nockenwellen (DOHC) • vier Ventile pro Zylinder • Leichtmetall-Zylinderkopf • Common Rail • Abgasturbolader • Ladeluftkühlung • Hubraum 1686 cm3 • Bohrung x Hub 79 x 86 mm • Verdichtungsverhältnis 18,4:1 • Leistung 76 kW (100 PS) bei 4400/min • max. Drehmoment 220 Nm bei 1800/min • Abgasnorm Euro 3 • Fünfgangschaltgetriebe • Frontantrieb • Verbrauchsmix 5,0 Liter • Höchstgeschwindigkeit 182 km/h (Werksangabe) • Tank 50 l • Kofferraum 315 l • Leergewicht 1390 kg • Preise ab 17.095 Euro

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