Honda Civic gegen Mazda3

Mazda3 Honda Civic Mazda3

Honda Civic/Mazda3: Test

— 31.03.2017

Die machen ihr eigenes Ding

Mit der zehnten Auflage des Honda Civic und dem überarbeiteten Mazda3 bereichern zwei Japaner die Kompaktklasse mit Eigenständigkeit.

Das ewig Gleiche langweilt Sie? Nicht nur im Fernsehen oder auf Ihrem Teller, sondern auch auf der Straße? Wir präsentieren Ihnen hier mal etwas andere Automobile. Honda schickt mit der zehnten Auflage des Civic wieder mal ein Design-Statement an den Start, das nicht jedem gefällt, aber auch niemanden kaltlässt. Und Mazda hat seinen 3er gerade aufgefrischt. An der, sagen wir mal, mehrheitsfähigen Optik ändert sich damit wenig, die ganz eigene Technik vom hochverdichteten, aber turbolosen Benziner bis zur neuen Fahrwerksregelung G-Vectoring wurde aber weiter verfeinert. Für beide Japaner gilt auf jeden Fall: So finden Sie das sonst nirgendwo – was für uns mehr als Grund genug ist, Honda Civic und Mazda 3 zu vergleichen.

Leider folgt die Form bei Honda nicht überall der Funktion

Video: Fahrbericht Honda Civic (2017)

Honda mit Turboherz

Irgendwie seltsam, aber beim Nichtausnutzen des Platzes scheinen sich Honda und Mazda abgesprochen zu haben. Obwohl die beiden Japaner mit rund 4,50 Metern aus der Kompaktklasse schon fast rausragen, bieten sie eher durchschnittliche Platzverhältnisse. Vorn sitzen auch Große noch bequem, hinten kneift es bei über 1,90 Metern schon mal an Kopf und Knien. Auch dürften die Sitze grundsätzlich ruhig größer ausfallen, würden wir in der zweiten Reihe gern etwas höher sitzen und damit etwas weniger unbequem hocken. Dass der Honda an dieser Stelle die weicheren Sitze bietet und der Mazda eher straffe Polster verbaut, fällt dagegen in den Geschmacksbereich. Nicht aber die Bedienbarkeit. Wie schon beim spacigen Außendesign, das die Rücksicht nach schräg hinten gegen null tendieren lässt, beschreitet Honda auch hier einen sehr eigenen Weg – und der ist nicht unbedingt besser. Viele Funktionen verstecken sich in Untermenüs auf dem großen Touchscreen, bei den digitalen Instrumenten muss man oft zweimal hinsehen, um alles Wichtige auf einen Blick zu erfassen. Dafür liegt der kurze Schalthebel wunderbar zur Hand und flutscht mit spielerischer Leichtigkeit durch die Gassen.
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Auch ohne Aufladung hat der Mazda3 ausreichend Temperament

Sonderweg: Mazda verzichtet auch im 3er auf einen Turbo und setzt stattdessen auf hohe Verdichtung.

Der Mazda macht uns die Bedienung an einigen Stellen deutlich einfacher als der Honda. Der anscheinend von BMW inspirierte zentrale Dreh-Drück-Steller navigiert entspannt durch die Menüs, und die klaren Anzeigen lassen keine Fragen offen. Allerdings kann der 3er sein Alter nicht ganz verleugnen. Die Schalter fürs Klima liegen doch arg tief, und der Monitor unterliegt in Größe und Grafik aktuellen Plus-Size-Smartphones. Altertümlich erscheint auch der Tankdeckel links, der mit einem Extrahebel entriegelt wird – Honda tankt zwar auch auf der Fahrerseite, die Klappe gehorcht aber der Zentralverriegelung, und dank Easy Fuel muss dahinter nichts mehr aufgeschraubt werden. Während Honda dem Turbo-Trend nachgibt und seinem 1,5-Liter mittels Verdichter stramme 182 PS entlockt, bleibt Mazda seinem Sonderweg treu: kein Downsizing (2,0 Liter), kein Turbo, aber für einen Benziner sehr hohe Verdichtung von 14:1 – macht 165 PS und ausreichendes Temperament. Der 3er braucht untenrum zwar erst mal ein bisschen Anlauf, dann dreht er aber munter bis über 6000 Touren und reißt lässig die 200-km/h-Marke.
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Der Honda kontert ihn dennoch aus. Bissiger im Ansprechen und beherzter im Zupacken, schiebt er sich vom Start weg nach vorn, wo er auch bleibt. Auch beim Handling überzeugt der Civic. Mit der feinen Lenkung zirkelt er sauber durch Kurven aller Art und vermeidet übermäßiges Untersteuern. Gleichzeitig federt er verbindlich und ausreichend komfortabel, stolpert aber über wellige Profile, die viel Unruhe in den Aufbau bringen.

Beim Preis langt der Honda ganz ordentlich zu

Stolzer Preis: Der Civic kostet in der getesteten Version 30.520 Euro – der Mazda ist 3440 Euro günstiger.

Absolut untadelig dagegen die Bremsen, die zupacken wie ein Berserker: 33,5 Meter aus Tempo 100 sind immerhin vier Meter weniger als beim keinesfalls schlechten Mazda. Der 3er spricht auf schlechten Pisten zudem etwas weniger geschmeidig an und reicht Schläge in Kurven gern mal in die recht diffuse Lenkung weiter. Kein großes Drama, bei der kleinen Kurvenhatz zwischendurch fühlen wir uns im Honda aber einfach wohler, haben wir mehr Spaß. Bei der Ausstattung bleiben kaum Wünsche offen, vom LED-Licht bis zum City-Stop gehört das meiste in den getesteten Ausstattungen schon dazu. Der Preis des Civic 1.5 VTEC Sport Plus steigt dann aber auch auf 30.520 Euro. Stolze Summe. Und 3440 Euro mehr, als der Mazda 3 Skyactiv-G 165 Sports-Line kostet. Immerhin bieten beide drei Jahre Garantie – 50 Prozent mehr als die Deutschen. Dafür erwarten die Japaner allerdings auch, dass der Wagen jährlich oder alle 20.000 Kilometer zur Wartung kommt. Machen die schon länger so – da könnten die auch mal was ändern.
Fahrzeugdaten Honda Mazda
Modell Civic 1.5 VTEC Turbo Mazda3 Skyactiv-G 165
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1498 cm³ 1998 cm³
kW (PS) bei 1/min 134 (182)/5500 121 (165)/6000
Nm bei 1/min 240/1700 210/4000
Vmax 220 km/h 210 km/h
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/45 R 17 W 215/45 R 18 W
Reifentyp Michelin Primacy 3 Michelin Pilot Sport 3
Radgröße 8 x 17" 7 x 18"
Abgas CO2 133 g/km 135 g/km
Verbrauch* 7,4/4,9/5,8 l 7,5/4,8/5,8 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 15,0 l/100 km 11,3 l/100 km
Testverbrauch*** 8,5 l/100 km 7,7 l/100 km
Sparverbrauch**** 5,2 l/100 km 5,8 l/100 km
Tankinhalt 46 l/Super 51 l/Super
Kältemittel R1234yf R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 66 dB(A) 71 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1300/600 kg
Kofferraumvolumen 420–1187 l 364–1263 l
Länge/Breite/Höhe 4518/1799–2076/1434 mm 4470/1795–2057/1465 mm
Testwagenpreis 30.520 Euro 27.080 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Honda Mazda
Beschleunigung
0–50 km/h 3,0 s 3,1 s
0–100 km/h 8,2 s 9,1 s
0–130 km/h 12,0 s 14,2 s
0–160 km/h 18,3 s 22,6 s
Elastizität
60–100 km/h (4./5. Gang) 5,9/7,7 s 7,3/9,7 s
80–120 km/h (5./6. Gang) 7,9/9,9 s 9,8/14,5 s
Leergewicht/Zuladung 1341/419 kg 1342/473 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 11,8/11,7 m 11,3/11,4 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 33,9 m 37,6 m
aus 100 km/h warm 33,1 m 37,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB(A) 60 dB(A)
bei 100 km/h 67 dB(A) 68 dB(A)
bei 130 km/h 71 dB(A) 72 dB(A)
Testverbrauch – CO2 8,5 l S – 201 g/km 7,7 l S – 182 g/km
Reichweite 540 km 660 km

Neue Kompakte aus Japan: Honda Civic und Mazda 3

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Honda Civic 1.5 VTEC Turbo und Mazda 3 Skyactiv-G 165 (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

17.03.2017

Preis:

1,00 €



Gerald Czajka

Gerald Czajka

Fazit

Nein, weder der Honda Civic noch der Mazda3 gehören zu den allerbesten Angeboten in der Kompaktklasse. Wohl aber zu den interessantesten. Der Civic überzeugt mit seinem extrovertiert-eigenständigen Design und der sportlichen Attitüde, beim eher konventionell gezeichneten Mazda3 gefällt uns der gelungene technische Sonderweg.

Autoren: Gerald Czajka, Berend Sanders

Stichworte:

Kompaktklasse

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