Honda Civic 1.4 von Oliver Schade

Honda Civic von Oliver Schade

— 23.03.2007

Civic Halleluja!

Bayerische Produkte erfreuen sich in ihrer Heimat zwar groer Beliebtheit, doch die Preislage weiblauer Premium-Automobile ist nicht jedermanns Sache. Papa Ratzinger zog daher den Golf IV einem 3er-BMW vor. Aus dem Bistum Freising kommt nun die Meldung, dass sich Oliver Schade fr einen Honda Civic entschieden hat. Deftig nachgewrzt, versteht sich.

Fr den Trend zum Japaner sorgte weniger ein furioser Film-Klamauk als vielmehr eine urdeutsche Angelegenheit: die ADAC-Pannenstatistik. Fest darauf vertrauend, dass Engel niemals lgen, sollten sie auch noch so gelb sein, kaufte sich der heute 27-jhrige Kfz-Mechaniker Oliver Schade im Jahre des Herrn 2001 einen 98er Honda Civic. Ihm wollte er nur Gutes tun.

Alles eine Frage der Distanz

Viel hilft viel, das gilt auch für eine breitere Spur. Zehn Millimeter Distanzscheiben, beidseitig.

Aus diesem lblichen Vorhaben resultierte die Bestellung eines KW-Gewindefahrwerks, mit dem sich die Bodenfreiheit vorn um 90 und hinten um 70 Millimeter verringern lie. Zum Show & (Heiligen-)Shine gehren auch verchromte Felgen wie die CR7. Hiervon durften es vier Stck des Formats 8,5 x 17 ET 25 sein, in deren Betten 205/40er-Falken-Reifen zum Einsatz kamen. ber der Vorderachse galt es nun, die Radlufe um je zwei Zentimeter nach auen zu treiben. Nachdem exakt das Gleiche ber den Hinterrdern vollbracht war, stellte sich heraus, dass hier auf jeder Seite noch eine Distanzscheibe von zehn Millimetern Strke Platz hatte.

Offensichtlich stand dem japanischen 1,4-Liter-Motrchen so etwas wie eine gttliche Eingabe bevor, denn Oliver war fr fahrwerkstechnische Verbesserungen nichts zu schade. Er montierte vorn zunchst eine Tenzo-Domstrebe und gelochte Bremsscheiben von Zimmermann. Danach entfernte er smtliche Serienbremskltze, um sie durch uerst bissige Erzeugnisse aus dem Hause Ferodo zu ersetzen. Schon wegen der gezogenen Radlufe musste das Auto zum Lackierer. Das jedoch sollte sich richtig lohnen. Also entfielen Wischer und Markenemblem an Heck ebenso wie die Dachantenne. Tuner TSS lieferte dazu seine hausgemachten Seitenschweller, einen Frontstofnger im Bomex-Style, eine Mugen-Style-Heckschrze und einen Heckspoiler, wie man ihn vom Type R kennt.

Auf den Lackierer wartete eine ganze Menge Arbeit

Nun lautete die Devise "Gambs oder gar nicht". Daher bekam die in Garching bei Mnchen ansssige Lackiererei Gambs den Auftrag, den Wagen noch einmal ins serienmige New-Vouge-Silber zu tauchen. Doch der Meister der Spritzpistole lie es sich nicht nehmen, seinen Senf dazuzugeben.

Vor allem bei der Lackierung musste etwas Würziges her – Two-Tone lautete die gefundene Lösung.

Der se, den man zur Weiwurst reicht, schien in diesem Fall weniger geeignet. Stratusgrau-Perleffekt jedoch erwies sich als optimale Mischung. Immerhin ziert sie so manchen Weiwurst-Ferrari und nun auch die noch serienmige Honda-Front. Als die Farbe trocken war, gings ans Aufgarnieren. Natrlich bedurfte es hierzu eines Mugen-Khlergrills, den der "Lacker" selbstverstndlich mitgespritzt hatte. Gleiches gilt fr die beiden Kunststoffblenden links und rechts davon. Sie bilden das Umfeld der vorderen Beleuchtungseinrichtungen.

Im Ernstfall steckt der Teufel im Detail

Die Scheinwerfer im 3D-Design stammen wieder von TSS. Keine Frage im Bistum Freising liegen Angel-Eyes natrlich ganz weit vorn! Ganz hinten dagegen leuchtet Oliver Schade seinen Verfolgern im Lexus-Style heim.

Bei 1.4 Liter und 75 PS in Serie, musste zumindest das Standard-Programm durchgezogen werden.

Wenn sich das alles auch nach mehr anhrt unter der Motorhaube hlt sich der PS-Zuwachs in Grenzen. Ansaugrohr und Einspritzanlage erfuhren eine Optimierung, zu der der Twister-Luftfilter auf seinem Alu-Ansaugrohr hervorragend passt. Der Rest der Leistungssteigerung spielt sich nicht frischluftseitig ab. Ein Fcherkrmmer von DC-Sport leitet die Abgase in den serienmigen Katalysator. Ihm sind 55-Millimeter-Mittelrohr und Endschalldmpfer aus der Tuning-Schmiede HS Motorsport angeschlossen. Weit entfernt von heiligen Hallen ist der Innenraum des kleinen Japaners, obwohl der Hinauswurf der Rckbank durchaus Platz schuf. Damit sich der in einem teuflischen Ernstfall nicht zu sehr verkleinert, wurde ein Wiechers-berrollbgel installiert mit obligatorischem Kreuz und einer H-Strebe, versteht sich. Die erste Reihe hingegen bestuhlte man mit "ganzledernen" Knig-Schalensitzen, ber die nun wrdevoll schwarze Schroth-Gurte hngen. Und wir dachten immer, der heilige Stuhl she anders aus!

Fnf-Zoll-Drehzahlmesser mit Shiftlight

Mehr Information geht nicht: Zusatzinstrumente an A-Säule, TFT-Monitor über der Mittelkonsole.

Die Zusatzinstrumente an der A-Sule zeigen den aktuellen Lambda-Wert sowie die ltemperatur. Mitten im Sichtfeld des Mannes, der immer eine Hand am megasportlichen Alu-Schalthebel hat, steht ein Fnf-Zoll-Drehzahlmesser mit Shiftlight. Auf den Zifferblttern der Serieninstrumente kleben Plasma-Folien amerikanischer Herkunft. Kein wirkliches Wunder also, dass bei der Geschwindigkeitsanzeige Meilenangaben im Vordergrund stehen. Ansonsten ist eine Pioneer-6400-Headunit mit ausfahrbarem Monitor tonangebend. Sie steht in stndiger Verbindung mit zwei versteckt verbauten Audiosystem-Endstufen der Typen F2 500 und F4 380. Letztere ist fr Front- und Hecksystem zustndig, wobei es sich einerseits um ein Focal-Polyglas-P-130-Zweiwegesystem und andererseits um ovale Koaxial-Lautsprecher mit der Bezeichnung Focal Polyglas 690-CV handelt. Der Audiobahn-Woofer AW 1206GT zeichnet fr die niederfrequenten Schwingungen verantwortlich. Seinem Verstrker ist ein 1-Farad-Kondensator von Dietz zugeordnet.

Wartezeiten verkrzen, kein Problem

Das nervige Warten auf die Pokalverleihung bei Treffen verkrzt ein Alpine-DVD-Player. Sein Programm luft auf dem Sieben-Zoll-Monitor, der im ehemaligen Gepckabteil steht. Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis weier Rauch aus Oliver Schades Garage aufstieg. Wer so lange schraubt, darf durchaus stolz sein, auf seine prall mit Show & Shine-Trophen gefllte Vitrine. So manchem Bayern ist "Wir sind Papst!" einfach nicht genug.

Autoren: Guido Naumann, Helmut Horn

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